Das sind Barisics Rapid-Pläne als Sportdirektor

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Zoran Barisic ist "back in business" beim SK Rapid.

Es wirkt fast, als wäre er nicht weg gewesen. Vom zwischenzeitlichen Bruch ist keine Spur. Drei Jahre nach seiner Entlassung als Cheftrainer sitzt er als neuer Geschäftsführer Sport wieder neben Präsident Michael Krammer und Geschäftsführer Wirtschaft Christoph Peschek.

Noch einmal zu Rapid zurückzukehren, war immer das Ziel des 48-jährigen Wieners. "Es freut mich, wieder zurück zu sein und dass ich wieder bei Rapid arbeiten darf. Als es vor drei Jahren zu Ende gegangen ist, war es mein Ziel, irgendwann wieder zurückzukehren zu meinem Herzensklub. Dass das allerdings so rasch passiert, und in dieser Position, hätte ich mir nicht gedacht."

Barisic bringt seine Verbundenheit zu Rapid noch bildlicher zum Ausdruck: "Ich bin mit Rapid verwurzelt, Rapid ist scheinbar wie ein Organ von mir. Wir haben große Herausforderungen zu bewältigen und ich freue mich ungemein, wenn es los geht."

Ab Montag ist Barisic, der bei Rapid davor schon als Spieler, Amateure-Trainer, Co-Trainer und Chefcoach tätig war, offiziell in Amt und Würden.

"Kann nicht die Hand auflegen oder zaubern"

Für die Verantwortlichen im Verein war schnell klar, dass Barisic die Anforderungen für den Posten des Sportchefs erfüllt und somit galt der zurückgekehrte "verlorene Sohn" schnell als einer der Favoriten.

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Im feinen Zwirn anstatt des bisher üblichen Trainingsanzugs nahm er dann erstmals Stellung zu seinem Amtsantritt, seinen Plänen oder den Aufgaben, die es bei seinem Herzensklub zu bewältigen gibt.

"Zoki" ist sich bewusst, dass viel auf ihn einprasseln wird. Das Umfeld wünscht sich am besten noch heute statt morgen einen Umbruch, der Rapid wieder in erfolgreichere Zeiten katapultiert. Doch Barisic ist bemüht, die Erwartungshaltung zu bremsen.

"Wir alle sind natürlich ungeduldig und wollen, dass sich der Erfolg am besten schon morgen einstellt. Aber ich bin nicht gekommen, weil ich die Hand auflegen oder zaubern kann", stellt der einstige Zauberfuß klar. "Ich bin nicht zum Zaubern da, sondern zum Arbeiten."

Barisic macht viel von Ist-Analyse abhängig

Trotz altbekanntem Arbeitsplatz und nicht benötigter Eingewöhnungszeit an alter Wirkungsstätte fällt es Barisic schwer, schon genaue Pläne zu verraten.

Seine Richtung ist klar, trotzdem fehlt ihm noch die Ist-Analyse, um genauere Entscheidungen zu treffen und schon sagen zu können, was seine ersten Maßnahmen sein werden, um den Verein wieder in die Spur zu bringen.

"Es wird etwas passieren, aber wie viel und was, kann ich jetzt noch nicht sagen"

"Es ist jetzt schon wichtig, dass wir die Saison erfolgreich zu Ende bringen, wir haben noch die Möglichkeit, uns europäisch zu qualifizieren. Parallel werde ich mit Didi (Kühbauer, Anm.) und dem Trainerteam eine Mannschaft auf die Beine stellen, die kommende Saison erfolgreich Fußball spielen wird."

Dem Öffnen für neue Dinge hat sich Barisic nie verschlossen. Auch jetzt wird er zuerst einmal den Austausch mit allen Abteilungen suchen, um dann gerüstet seine ersten Aufgaben zu bewältigen.

1. Aufgabe: Kaderplanung hat oberste Priorität

Barisic erklärt: "Ich muss wissen, wie der Ist-Zustand ist und werde in nächster Zeit beobachten, mir einen Überblick verschaffen, klar analysieren und dann eventuell Entscheidungen treffen. Oberste Priorität hat die Kaderplanung für die kommende Saison, da wurde aber bereits Vorarbeit geleistet."

Fredy Bickel ist noch in Wien-Hütteldorf. Nach intensivem Austausch soll es zu einer geregelten Übergabe kommen. Auch hier muss der Nachfolger noch genau in Erfahrung bringen, wie der Letztstand bei möglichen Ab- und Zugängen, Leihen und Verträgen ist.

"Ich will nicht zu schnell ein Urteil abgeben, bis jetzt wurde viel Vorarbeit von Fredy Bickel als auch von der Scoutingabteilung und dem Trainerteam geleistet. Es gibt gewisse Prozesse, die schon eingeleitet wurden oder fortgeschritten sind, was einzelne Personalien betrifft und wer wo steht. Es wird etwas passieren, aber wie viel und was, kann ich jetzt noch nicht sagen."

Den besten Draht innerhalb des Vereins hat er wohl zu Didi Kühbauer, einem seiner besten Freunde, mit dem er seit der gemeinsamen Kicker-Zeiten in Grün-Weiß stets in Verbindung geblieben ist.

Plötzlich Chef: Unterschiedliche Spielphilosophien von Kühbauer und Barisic?

Plötzlich ist Barisic jedoch "Don Didis" Chef, eine ungewohnte Situation mit Risiken. Doch keiner zweifelt daran, dass die beiden Ex-Daltons Rapids Erfolgs alles unterordnen werden.

Foto: © GEPA

"Wir haben kurz darüber gespochen, es ist ja noch sehr frisch. Was wir besprochen haben, ist natürlich, wie wir es in den nächsten Tagen angehen, was wichtig ist, was abzuarbeiten ist. Auch Didi liegen diese Ideen wie Jugendabreit sehr am Herzen. Er ist sicher nicht der, der sich wehrt, gute Talente in die Kampfmannschaft einzubauen", spricht "Zoki" für seinen Kumpel.

Denn es drängte sich die Frage auf, ob Barisic' früherer Spielstil als Ballbesitz-Guru mit der abgesicherten Defensivtaktik von Kühbauer vereinbar ist, um eine durchgängige Spielphilosophie bei Rapid zu implementieren - vom Nachwuchs bis zu den Profis.

"Ich bin als Trainer mit Ballbesitzfußball asoziiert worden. Aber taktisch hat das ganz anders begonnen, mit einer jungen Mannschaft haben wir mit seitlichem Pressing begonnen, Umschalten, haben die Pressinglinie immer weiter nach vorne verlegt und dann fast jeden Gegner dominiert, eingeschnürt und dadurch die Spielanlage verändert. Das hat sich entwickelt, ich war nicht sofort der Ballbesitzttrainer hipp, hipp, hurra. Nur, weil sich die Mannschaft in die Richtung entwickelt und Dominanz ausgestrahlt hat."

Deshalb hält er fest: "Ich glaube nicht, dass Didi und ich von der Spielphilosophie so weit auseinander liegen. Auch Didi hat bei der Admira viele Spieler von den Amateuren in die Kampfmannschaft, zu internationalen Vereinen geführt, einige spielen jetzt sogar bei Rapid."

Kein Freund von Leihen

Welchen Handlungsspielraum Barisic hat, um die Mannschaft zu verstärken, wird erst ein Gespräch mit Geschäftsführer Wirtschaft Peschek klären. Ein Freund von Leihen, von denen der Verein im Endeffekt nicht viel hat, ist der neue starke Mann nicht. Der eigene Nachwuchs habe Vorrang.

Vor allem im Hinblick auf Rapids Riesenprojekt mit dem eigenen Trainingszentrum. Viele Agenden fallen nun in den Bereich von Barisic. Vorgänger Bickel wirkte teilweise überfordert mit dem breiten Spektrum.

Deshalb überlegte Rapid auch eine Doppelspitze, im Endeffekt rieten jedoch einige Experten dem Präsidium davon ab, da sich dadurch Schwierigkeiten in der Arbeitsaufteilung ergeben würden.

"Für mich ist Rapid nach wie vor der größte und beste Verein in Österreich"

Barisic nimmt es ohnehin mit der ganzen Arbeit auf. Er hat sich bewusst für Rapid und gegen zahlreiche Angebote entscheiden, die ihm vorlagen: "Ich kenne sehr viele Mitarbeiter, das sind sehr kompetente Menschen. Ich werde sie ausquetschen und sämtliche Ressourcen ausschöpfen. Es braucht sich keiner Sorgen machen über eine Überforderung. Stefan Ebner ist ein alter Hase im Geschäft, er und andere werden mir helfen, mir zur Seite stehen und die Integration erleichtern." Ob er noch andere Leute ins Team holen wird, lässt der Wiener noch offen.

3x Zweiter? "Meine Mission war damals nicht beendet"

Barisic gibt bei Rapid den Weg vor, nun liegt es an ihm, die Kurve zu kratzen. Was viele von ihm erwarten, ist, dass er den Verein zumindest wieder zur zweitstärksten Kraft im Land macht und nach Europa führt.

"Ich bin meine eigene Persönlichkeit und gehe meinen Weg, der für den Verein das Beste ist. Das wird eine große Herausforderung, aber ich freue mich darauf", stellt der Familienvater klar.

"Wir wollen nachhaltig in Europa dabei sein, immer, in jedem Jahr. Das ist das vorrangige Ziel. In der Liga bin ich drei Mal Zweiter geworden, aber meine Mission war damals nicht beendet, deshalb bin ich wieder retour. Wir haben viel vor, wollen Vollgas und das Maximum geben."

"Rapid gehört nicht dort hin, wo sie jetzt sind"

Denn die aktuelle Bestandsaufnahme ist nicht zufriedenstellend. Barisic ist sich sicher, dass Rapid in Zukunft wieder positivere Schlagzeilen schreiben wird. Um dies zu bewerkstelligen, ist er auch zurückgekehrt.

"Rapid hat eine sehr kuriose Saison, hat überwintert in Europa, was für mich ein sehr großer Erfolg ist, aber zu Lasten der Meisterschaft. Sie haben es mit Pech nicht ins obere Playoff geschafft. Rapid gehört in der Meisterschaft nicht dort hin, wo sie jetzt sind. Für mich ist Rapid nach wie vor der größte und beste Verein in Österreich. Was das Sportliche betrifft, gehört Rapid sicher in die Top 3."

Textquelle: © LAOLA1.at

Offiziell: Zoran Barisic neuer Rapid-Sportdirektor

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