Späte Tore: Salzburgs langer, Sturms kurzer Atem

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Wir Sportjournalisten haben zugegebenermaßen ja eher selten Freude damit, für Fans sind sie allerdings freilich das Salz in der Suppe - späte Tore bei Fußballspielen, die alles auf den Kopf stellen.

21 Mal haben wir uns in der laufenden Bundesliga-Saison schon geärgert, weil Tore in der letzten Viertelstunde eines Spiels das Ergebnis noch gedreht haben und wir Spielberichte spät umschreiben mussten.

Doch welche Mannschaften haben in dieser Saison einen besonders langen Atem, wem geht ab der 76. Minute eher die Luft aus? LAOLA1 hat alle relevanten Zahlen:

Zur Ausgangsposition: 84 Spiele sind in Österreichs höchster Spielklasse in dieser Saison bereits an- und natürlich auch wieder abgepfiffen worden. In 44 sind in der Schlussviertelstunde ein oder mehrere Tore gefallen, mit 52,4 Prozent also in knapp mehr als der Hälfte der Partien. Wie bereits erwähnt hat sich dadurch in 21 Spielen das Ergebnis noch gedreht, also wurde genau ein Viertel der Spiele in den finalen 15 Minuten plus Nachspielzeit entschieden.

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Insgesamt waren es 59 Tore, die die Bundesliga-Teams in dieser Phase der Spiele bejubeln durften. Das sind 25,5 Prozent der insgesamt erzielten 231 Treffer.

Tore und Gegentore ab der 76. Minute

Rang Verein Tore ab 76. Gegentore ab 76. Differenz
1. Salzburg 13 2 +11
2. St. Pölten 7 2 +5
3. WAC 6 5 +1
3. Hartberg 5 4 +1
5. LASK 5 5 0
6. Altach 4 5 -1
6. Wacker 3 4 -1
8. Mattersburg 4 6 -2
8. Rapid 4 6 -2
10. Austria 4 7 -3
11. Sturm 2 6 -4
12. Admira 2 7 -5

Liga-Primus Salzburg ist in dieser Kategorie die klare Nummer eins der Liga. Die "Bullen" haben in der letzten Viertelstunde einer Partie insgesamt schon 13 Treffer erzielt und nur zwei Gegentore kassiert, also eine Differenz von +11.

Zum Thema späte Tore sagt Salzburg-Coach Marco Rose: "Man muss unsere medizinische Abteilung, unseren Athletiktrainer Patrick Eibenberger und unseren Rehatrainer Ralf Neumann hervorheben. Das ist schon außergewöhnlich, auf welchem Niveau die Jungs in dem Rhythmus bis zum Ende gehen können. Das hat wenig mit dem Cheftrainer zu tun, das ist die Arbeit von Teilbereichen. Ich bin sehr froh, dass wir dort so gut aufgestellt sind."

RBS-Profi Xaver Schlager sieht auch die Einstellung der Mannschaft als entscheidend: "Wir geben nicht auf. Man muss dran glauben. Ein Tor kann das ganze Spiel entscheiden, darauf muss man immer hinarbeiten. Das funktioniert in letzter Zeit ganz gut."

Stark schneidet auch der SKN St. Pölten ab, Sturm und die Admira konnten indes ab der 76. Spielminute nur jeweils zwei Tore erzielen.

Die erste Tabelle spiegelt allerdings nicht die ganze Wahrheit wider. Nachdem Salzburg mit 34 Toren bei weitem die meisten in dieser Saison geschossen hat, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die "Bullen" auch in der Schluss-Viertelstunde öfter treffen als etwa die Admira mit nur einem Dutzend Treffer auf der Habenseite wesentlich größer.

Folgende Tabelle setzt die Tore ab der 76. Minuten in Relation zur Gesamtzahl der erzielten Tore bzw. der kassierten Gegentreffer:


Tore und Gegentore ab der 76. Minute (Anteil an insgesamt erzielten/kassierten Toren)

Rang Verein Anteil Tore ab 76. Anteil Gegentore ab 76 Differenz
1. St. Pölten 38,9% 15,4% +23,5
2. Salzburg 38,2% 15,4% +22,8
3. Wacker 26,7% 19,0% +7,7
4. Hartberg 21,7% 16,7% +5,0
5. Mattersburg 25,0% 23,1% +1,9
6. Altach 21,1% 21,7% -0,6
7. WAC 23,1% 26,3% -3,2
8. Admira 16,7% 24,1% -7,4
9. Austria 30,8% 43,8% -13,0
10. Rapid 20,0% 33,3% -13,3
11. LASK 20,8% 41,7% -20,9
12. Sturm 12,5% 35,3% -22,8

Hier hat St. Pölten die Nase sogar knapp vor Serienmeister Salzburg. Auch der TSV Hartberg und Wacker Innsbruck steigen mit einem klaren Plus aus, wenngleich sie deutlich hinter dem Spitzen-Duo zu finden sind.

Die Admira steht indes plötzlich gar nicht mehr so schlecht da, weil nicht einmal ein Viertel der Gegentore nach der 76. Minute gefallen sind. Erstaunlich ist die Bilanz der Wiener Austria, die zwar verhältnismäßig oft späte Tore schießt, aber unglaubliche 43,8 Prozent der Gegentreffer, also fast die Hälfte, in der finalen Phase kassiert.

Noch schwächer als die beiden Wiener Teams schneiden der LASK und der SK Sturm ab. Bei den Grazern ist auffällig, dass offensiv kaum mehr etwas geht, wenn sich das Spiel zu Ende neigt, bei den Oberösterreichern indes lässt eher die Defensive zu wünschen übrig.

Doch auch in diesem Fall ist die Aussagekraft der Tabelle noch nicht konkret genug, wenngleich sie schon wesentlich konkreter als Erstere ist. Denn nicht jedes Tor in der Schluss-Viertelstunde ist gleich viel wert. Mal führt ein Team schon mit 3:0, hat die drei Punkte also schon in der Tasche und erhöht das Ergebnis einfach nur, mal liegt wiederum Team A und Führung und Team B schnappt sich mit zwei späten Toren doch noch die drei Zähler.

Wie bereits erwähnt, hat sich in 21 Spielen das Ergebnis noch durch späte Tore geändert, im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich in 23 Spielen der Ausgang der Partie trotz später Tore nicht mehr verändert hat.


Punkte-Ausbeute in der Schluss-Viertelstunde

Rang Verein Punkte-Konto
1. Salzburg +7
2. St. Pölten +6
3. Hartberg +4
4. Austria +1
4. WAC +1
6. Altach 0
6. Sturm 0
8. Wacker -1
9. Mattersburg -2
10. Rapid -2
11. Admira -3
12. LASK -4

Salzburg und St. Pölten führen auch diese Tabelle an. Beide Mannschaften haben in der laufenden Saison in der Schluss-Viertelstunde noch keine Punkte abgegeben. Die "Bullen" haben drei Mal noch ein Unentschieden in einen Sieg verwandelt und einmal eine drohende Niederlage abgewendet.

St. Pölten konnte in drei Fällen noch zusätzliche Punkte einfahren. In der ersten Runde gegen den WAC haben die Niederösterreicher sogar noch einen Rückstand in einen Sieg verwandelt, das ist sonst nur der Austria gegen Mattersburg und dem WAC bei der Austria gelungen.

Sieben der 13 Salzburger Tore waren übrigens "umsonst", haben punktetechnisch also nichts zur Sache getan.

Wesentlich positiver als in den beiden oberen Tabellen steigt die Austria aus. Immerhin konnte das Blatt noch drei Mal zum Positiven gewendet werden, drei der sieben Gegentore in der finalen Phase entpuppten sich als "egal".

Am schwächsten ist die Bilanz des LASK - die Athletiker haben in den Runden 11, 12 und 13 drei Mal einen Sieg aus der Hand gegeben und in dieser Phase sechs Punkte liegenlassen. Die Admira und der FC Wacker konnten als einzige Teams in den letzten 15 Minuten in dieser Saison noch nie ein Spiel drehen.

Und was die berühmte "Rapid-Viertelstunde" angeht, ist der Mythos - zumindest in dieser Saison - ins Reich der Fabeln zu verweisen.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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