Afrikas Fußball-Elite geigt wieder auf

Afrikas Fußball-Elite geigt wieder auf
 

Mit einjähriger Verspätung rollt am Sonntag der Ball auf Afrikas größter Bühne endlich wieder: Der Afrika-Cup ist zurück!

Schon im Vorfeld sorgte das Turnier für reichlich Gesprächsstoff. Mehrere Verschiebungen des Turniers und Unmut bei Europas Profiklubs über die Abstellung ihrer bestimmten die Schlagzeilen.

Dabei bietet der Afrika-Cup auch in diesem Jahr so viel mehr: Von exotischen Debütanten bis zu den üblichen Verdächtigen deckt das Teilnehmerfeld das gesamte Spektrum ab.

LAOLA1 beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem Africa Cup of Nations 2021.

Wo und wann wird gespielt?

Gastgeber des aus dem Jahr 2021 wegen der Corona-Pandemie verschobenen Turniers ist Kamerun. Die westafrikanische Nation heißt Afrikas Fußballelite von 9. Jänner bis 6. Februar bereits zum zweiten Mal nach 1972 willkommen. Kamerun hätte eigentlich schon 2019 das Turnier austragen sollen, aus Sicherheitsgründen und aufgrund fehlender Infrastruktur wurde der Kontinentalbewerb kurzerhand an Ägypten vergeben.

Im Vorfeld sorgte, vor allem in Europa, der Termin des Africa Cup of Nations (AFCON) erneut für Aufregung. Die Dauer des Kontinentalvergleichs fällt für die meisten Klubs Europas in die Vorbereitung auf die Rückrunde bzw. in die ersten Pflichtspiele des Kalenderjahres. Ursprünglich hätte das Turnier auch, wie bereits der AFCON 2019, im Sommer stattfinden sollen, aufgrund "ungünstiger klimatischer Bedingungen" wurde der traditionelle Termin zwischen Jänner und Februar gewählt.

Mit der Terminfrage müssen sich die europäischen Klubs in diesem Jahr aber vorerst zum letzten Mal beschäftigen: Die Turniere 2023 (Elfenbeinküste) und 2025 (Guinea) sollen dann wieder in den Sommermonaten der nördlichen Hemisphäre stattfinden. Da scheinen "ungünstige klimatische Bedingungen" wie Hitze kein Problem mehr zu sein.

Eröffnungsspiel und Finale finden im 2020 eröffneten Olembe Stadium, das 60.000 Zuseher fasst, in Kameruns Hauptstadt Yaounde statt.

Spielplan des Afrika Cups>>>

Wer ist dabei?

Neben den großen Teams des Kontinents wie Titelverteidiger Algerien, Ägypten oder Gastgeber Kamerun schreiben zwei Debütanten Schlagzeilen: Gambia und die Komoren.

Gambia, wo um Arnautovic-Teamkollege Musa Barrow eine für das westafrikanische Land goldene Generation heranwächst, konnte sich in der Qualifikation punktgleich vor Gabun durchsetzen. Die Demokratische Republik Kongo, Stammgäste beim Afrika-Cup in den vergangenen Jahren, und Angola hatten gegenüber der Nummer 150 der Weltrangliste das Nachsehen.

Auf Weltranglistenplatz 132 befinden sich die Komoren, die sich in Gruppe G als Zweiter hinter Ägypten erstmals qualifizierten. Die Insulaner um Dragovic-Teamkollege El Fardou Ben Nabouhane, der 2018 Österreichs Meister Red Bull Salzburg in der Champions-League-Qualifikation abgeschossen hatte, ließen Kenia und Togo hinter sich.

Bei der Weltmeisterschaft in Katar werden Fußballfans die beiden Nationen aber nicht zu sehen bekommen. Schon im Juli 2019, noch vor Beginn der Afrika-Cup-Qualifikation, scheiterten die Komoren (1:3 gegen Togo) und Gambia (1:3 gegen Angola) in den K.o.-Duellen der ersten Runde der WM-Qualifikation.

Die Gruppen im Überblick:

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D Gruppe E Gruppe F
Burkina Faso Guinea Komoren Ägypten Algerien Gambia
Kamerun Malawi Gabun Guinea-Bissau Äquatorialguinea Mali
Kapverde Senegal Ghana Nigeria Elfenbeinküste Mauretanien
Äthiopien Simbabwe Marokko Sudan Sierra Leone Tunesien

Wer sind die größten Stars?

So gut wie alle afrikanischen Spieler mit Rang und Namen sind dabei. Gastgeber Kamerun wartet beispielsweise mit den Stürmerstars Karl Toko Ekambi (Lyon) und Eric Maxim Choupo-Moting (Bayern) sowie Tormann Andre Onana (Ajax) auf.

Chelsea-Goalie Edouard Mendy, Napoli-Verteidiger Kalidou Koulibaly, PSG-Mittelfeldmotor Idrissa Gueye und Liverpool-Talisman Sadio Mane wollen unter Anleitung von WM-Held Aliou Cisse den Senegal zum ersten Afrika-Cup-Titel führen.

Der bei Arsenal in Ungnade gefallene Pierre-Emerick Aubameyang wird Gabun ins Turnier führen, Klub-Kollege Thomas Partey läuft für Ghana auf, wo die 18-jährige Roma-Sensation Felix Afena-Gyan wohl ihr Länderspieldebüt für die "Black Stars" feiern wird. Dieses liegt bei seinem Sturmpartnern Andre Ayew (Al-Sadd/Katar) und Jordan Ayew (Crystal Palace) schon ein paar Jahre zurück.

Für Marokko schnürt das Sevilla-Trio Bono, Youssef En-Nesyri und Munir El Haddadi die Schuhe. Auch Achraf Hakimi (PSG) steht im Aufgebot der "Löwen vom Atlas". Teamchef Vahid Halilhodzic verzichtet hingegen auf Hakim Ziyech. Zwischenmenschliche Probleme und ein Formabschwung bei Chelsea sorgen dafür, dass der so begabte 28-Jährige in London bleibt.

Liverpool-Star Mohamed Salah führt Ägypten an, der 103-fache Nationalspieler Ahmed Musa (Fatih Karagümrük/Türkei) fungiert als Kapitän von Nigeria. Titelverteidiger Algerien baut unter anderem auf Manchester-City-Star Riyad Mahrez sowie Islam Slimani (Lyon), Said Benrahma (West Ham) und Ramy Bensebaini (Borussia Mönchengladbach).

Bei der Elfenbeinküste sollen Nicolas Pepe (Arsenal) und Sebastien Haller (Ajax) für die Tore sorgen, Eric Bailly (Manchester United) für die Stabilität in der Defensive.

Sind Spieler mit Österreich-Vergangenheit dabei?

Drei Spieler, die Österreichs Meister Red Bull Salzburg angehören, nehmen mit ihren Nationen am Afrika-Cup teil: Verteidiger Jerome Onguene scheint im Kader von Gastgeber Kamerun auf. Der in dieser Saison überragende Mo Camara wird Mali seinen Stempel aufdrücken. Der von den Mozartstädtern an Bordeaux ausgeliehene Gideon Mensah vertritt Ghana.

Das Trio hat beim Afrika-Cup Spieler mit Österreich-Vergangenheit als Teamkollegen. Die Ex-Altacher Samuel Oum Gouet, der im Sommer nach Belgien zum KV Mechelen wechselte, und Angreifer Moumi Ngamaleu - mittlerweile in der Schweiz bei den Young Boys - wurden wie Onguene in den Kader der "unzähmbaren Löwen" nominiert. Die Deutschland-Legionäre Diadie Samassekou (Hoffenheim) und Amadou Haidara (Leipzig) haben wie ihr malischer Teamkollege Camara Salzburg-Vergangenheit. Diese hat auch der Ghanaer Lawrence Ati-Zigi, der in der Schweiz beim FC St. Gallen das Tor hütet.

Das Liverpool-Duo Naby Keita (Guinea) und Weltstar Sadio Mane (Senegal) hat ebenfalls Salzburg-Vergangenheit. Beide Kicker nehmen in ihren Teams Schlüsselpositionen ein. Ganz ohne Salzburg-Vergangenheit kommt Zakaria Sanogo aus, der für Burkina Faso spielt. Der 25-Jährige ehemalige WAC- und Hartberg-Offensivspieler kickt aktuell beim armenischen Klub Ararat-Armenia.

Sind viele Spieler noch in Afrika aktiv?

Hier lassen sich zwischen den Teams signifikante Unterschiede erkennen. Die großen Teams des Kontinents wie Algerien oder Senegal kommen ohne Kicker aus, die in Afrika ihr Geld verdienen. Bei Nationen mit vergleichsweise konkurrenzfähigen Ligen wie Ägypten oder Tunesien stellen die zahlreichen einheimischen Spieler hingegen eine echte Verstärkung dar. Marrokko greift auf nur zwei Spieler aus der eigenen, stärksten Liga des Kontinents zurück.

Kein Team kommt ganz ohne Legionäre aus, die einzige Nation, wo alle Spieler in Afrika ihrer Arbeit nachgehen, ist Äthiopien. Bis auf zwei Kicker, die in Ägypten bzw. Algerien Fußball spielen, stammt der Rest des Kaders aus der heimischen Premier League. Nur einen Legionär hat der Sudan in den Reihen, dieser verdient sein Geld in Schweden.

Diese beiden Teams stellen aber die Ausnahme dar: Bei anderen Nationen mit niedrigem Anteil an Spielern, die außerhalb Afrikas kicken wie Malawi oder Simbabwe kickt der Großteil in schwachen Ligen im Ausland.

Wer sind die Favoriten?

Da sind ganz klar die Finalisten aus dem Jahr 2019 zu nennen: Senegal und der Titelverteidiger aus Algerien. Bei beiden Teams finden sich so gut wie alle Leistungsträger vom letzten AFCON wieder im Aufgebot, neue Hoffnungsträger wie Abdou Diallo bzw. Said Benrahma sorgen für frisches Blut. Der Senegal darf sich in Gruppe B mit Simbabwe, Guinea und Malawi schon als präsumtiven Gruppensieger sehen, während Algerien in Gruppe E den möglichen Stolperstein Elfenbeinküste sowie Sierra Leone und Äquatorialguinea meistern muss.

Wie bei der Europameisterschaft kommen die Gruppensieger sowie die Gruppenzweiten und vier besten Gruppendritten ins Achtelfinale.

Ägypten wird alleine schon wegen den Toren von Mo Salah ebenfalls ein gewichtiges Wort um den Titelgewinn mitreden, trifft aber schon in der Gruppenphase auf Nigeria. Marokko, seit 27 Pflichtspielen ohne Niederlage nach 90 Minuten, kann auf eine Unmenge an Talent im eigenen Kader zählen, selbst ohne Hakim Ziyech. Die Nordafrikaner erwartet aber eine knifflige Gruppe C mit Ghana, Gabun und den Komoren.

Gastgeber Kamerun, der Afrika-Cup-Sieger von 2017, wird sich auch gute Chancen ausrechnen. Die Gruppe A mit Burkina Faso, Kap Verde und Äthiopien darf kein Stolperstein sein. "Les Elephants" von der Elfenbeinküste, die sich nicht für die WM 2022 in Katar qualifzieren konnten, sind trotz deutlichen Leistungsabschwungs zu den Geheimfavoriten zu zählen wie auch die "Super Eagles" aus Nigeria. Für Tunesien, Ghana oder gar Mali müssten die Sterne vier Wochen lang goldrichtig stehen.

Wer konnte das Turnier bisher gewinnen?

Die größten Teams des Kontinents wie Ghana, Kamerun oder Rekord-Champion Ägypten konnten sich schon in die Sieger-Liste des Turniers eintragen. Mannschaften wie der Sudan, Äthiopien oder die Republik Kongo waren in den Urzeiten des AFCON erfolgreich, als maximal acht Mannschaften teilnehmen konnten. Beim Heimsieg Äthiopiens 1962 waren überhaupt nur vier Mannschaften am Start.

Den emotionalsten Titel-Gewinn schaffte Sambia 2012 beim Afrika-Cup in Gabun und Äquatorialguinea. Das Team rund um Goalgetter Christopher Katongo konnte sich im Finale von Libreville nach torlosen 90 Minuten mit 8:7 nach Elfmeterschießen durchsetzen. Knapp 19 Jahre zuvor ereignete sich nur unweit des Finalorts der Flugzeugabsturz der sambischen Fußballnationalmannschaft auf dem Weg in die senegalesische Hauptstadt Dakar, bei dem alle 30 Passagiere ums Leben kamen.

Der damalige Teamchef Herve Renard, der den Afrika-Cup 2015 mit der Elfenbeinküste erneut gewinnen sollte, widmete den Finaltriumph den Opfern der damaligen Katastrophe.

Nation Siege Jahre
Ägypten 7 1957, 1959, 1986, 1998, 2006, 2008, 2010
Kamerun 5 1984, 1988, 2000, 2002, 2017
Ghana 4 1963, 1965, 1978, 1982
Nigeria 3 1980, 1994, 2013
Algerien 2 1990, 2019
Elfenbeinküste 2 1992, 2015
Dem. Republik Kongo 2 1968, 1974
Äthiopien 1 1962
Sudan 1 1970
Republik Kongo 1 1972
Marokko 1 1976
Südafrika 1 1996
Tunesien 1 2004
Sambia 1 2012

Wie kann ich den Afrikacup im TV verfolgen?

Die Übertragungsrechte am Afrika-Cup liegen beim deutschen Pay-TV-Sender Sportdigital. Der Fußball-Kanal ist in Österreich über diverse Kabel- und Satelliten-Anbieter empfangbar und ist seit wenigen Wochen auch im Portfolio von DAZN vertreten. DAZN-Kunden können den Sender wie beispielsweise auch Eurosport im Rahmen ihres Abos im Stream empfangen.

Die Online-Plattform Onefootball überträgt darüberhinaus alle Spiele per Live-Stream mit englischem Kommentar.

VIDEO: Chelseas afrikanische Stars

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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