Amstettens ungewöhnliche Vereinsphilosophie

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Mit der reformierten 2. Liga startet eine neue Ära in Fußball-Österreich – und damit beginnt auch für den SKU Amstetten eine vollkommen neue Phase in seiner Historie.

Die Niederösterreicher sind als Dritter der abgelaufenen Regionalliga-Saison in die 2. Liga aufgestiegen und spielen erstmals in der Vereinsgeschichte in der zweithöchsten Spielklasse.

Zum Auftakt bekommen es die Mostviertler in der 1. Runde am Sonntag (LIVE ab 10:30 im LAOLA1-Stream) daheim mit dem FAC zu tun.


Aufstieg war nicht geplant

Trotz des Aus im ÖFB-Cup (2:4 gegen Deutschlandsberg) ist die Vorfreude auf den Liga-Start riesengroß.

"Bei uns herrscht eine große Euphorie. Auch das Interesse ist sehr groß, das hat man schon in den Testspielen gemerkt. Es war für das ganze Mostviertel wichtig, dass wir diesen nächsten Schritt machen", erklärt Trainer Robert Weinstabl bei LAOLA1.

Denn nach dem Aufstieg in die Regionalliga im Sommer 2011 verbrachte der Klub zuletzt sieben Saisonen in der dritten Leistungsstufe.

Im vergangenen Sommer löste Weinstabl Heinz Thonhofer nach fünf Jahren als Coach ab und schaffte gleich den Aufstieg – was eigentlich zunächst gar nicht geplant war.

"Ich bin verpflichtet worden, um gewisse Dinge zu verändern. Das heißt: Neue Trainings-Reize und Inputs zu setzen. Der Aufstieg war eigentlich kein Thema. Wir wollten uns zunächst entwickeln und schauen, wohin die Reise geht. Nach der sehr kompakten Hinrunde mit der Etablierung im vorderen Drittel haben wir uns entschlossen, dass wir es wissen wollen. Das Thema Aufstieg ist dann so richtig im November, Dezember aufgekommen. Und in weiterer Folge hat uns der Verein mit dem Ansuchen der Lizenz das sportliche Signal gegeben. Ich bin richtig froh, dass wir es geschafft haben", berichtet der 34-jährige Chefcoach, der seine Funktion auf der Bank hauptberuflich ausübt.

Nur drei Profis

Sonst besteht der Verein fast ausschließlich aus Amateur-Spielern – lediglich die Neuzugänge Thomas Hinum und Marjan Markic sowie Goalgetter Milan Vukovic fungieren als Profis.

Das Besondere dabei: Der Klub setzt explizit auf Spieler aus der eigenen Region. "Was in Amstetten geleistet wird, ist fast einzigartig in Österreich. Unser Kader besteht zu 80 Prozent aus Spielern aus dem Mostviertel. In der Form gibt es das sehr selten. Jetzt sind ein paar Spieler, die nicht aus der Region kommen, dazugekommen, aber das war notwendig. Wir haben aber auch mit Philipp Offenthaler jemanden verpflichtet, der 15 km außerhalb von Amstetten wohnt. Und Thomas Hinum kommt ebenfalls aus dem Mostviertel. Wir werden unserem Weg treu bleiben. Das zeichnet den Verein und das Umfeld aus", zieht Weinstabl den Hut.

Mit der Verpflichtung von Ahmet Muhamedbegovic von St. Pölten ist die Kaderplanung so gut wie abgeschlossen, wobei der gebürtige Eisenstädter bei diesem Thema gerne Sturms Heiko Vogel zitiert: "Er hat gesagt: Als Trainer ist man mit der Transferpolitik nie zufrieden. Doch primär war bei uns wichtig, dass wir die Truppe zusammenhalten konnten."


Umstellung für 2. Liga

Um in der 2. Liga reüssieren zu können, musste im Vergleich zur Regionalliga vor allem die Trainingsintensität erhöht werden. Daher lobt der Coach die Einstellung seiner zum großen Teil berufstätigen Spieler.

"Da muss ich ein großes Kompliment an die Mannschaft aussprechen. Die Spieler haben zugestimmt, den Weg trotz Mehraufwand mitzugehen. Für mich hat sich ja nicht so viel geändert. Ich durfte die Aufgabe schon in der Regionalliga hauptberuflich ausüben. Ich habe mit den Spielern, die das professionell machen, immer schon Vormittags und Nachmittags gearbeitet. Es kommt daher nicht unbedingt Mehrbelastung auf mich zu – wobei wir das Ganze sowieso nicht als Belastung, sondern als zusätzliche Motivation sehen. Das einzige, was sich gravierend ändert, sind die Auswärtsfahrten."

Diskrepanzen zwischen Profis und Amateuren gibt es keine – im Gegenteil. Der Zusammenhalt und Charakter des Teams zeichnen Amstetten aus.

"Das hat uns auch schon im vergangenen Jahr ausgezeichnet. Es waren einige Spiele dabei, die nicht optimal verlaufen sind. Doch wir sind nach bitteren Niederlagen immer aufgestanden."

Ambitionierte Ziele

Die genaue Zielsetzung für die Premieren-Saison verrät der Coach nicht – nur soviel: "Wir haben als reiner Amateurverein ambitionierte Ziele."

Grundsätzlich kann Weinstabl die Ausgangslage in der neuen 2. Liga "schwer einschätzen. Wichtig ist ein guter Start. Wir wollen natürlich nichts mit dem Abstieg zu tun haben. In Folge wollen wir uns sukzessive in der Liga stabilisieren."

Generell glaubt der Ex-Sollenau-Betreuer, dass der Unterschied zwischen den Amateurklubs und den reinen Profiklubs erkennbar sein wird. "Vielleicht noch nicht so sehr in den ersten Runden, aber im Laufe der Zeit wird es sich bemerkbar machen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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