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Neo-Horn-Trainer: "Lernte von Hiddink & Advocaat"

LAOLA1 Foto: ©

Internationaler Flair in Horn ist nichts Neues.

Seit Keisuke Honda und den japanischen Geldgebern ist das Waldviertel mulitlingual. Nach kurzer Pause und Besinnung auf die heimischen Wurzeln ist mit UFA Media ein neuer Sponsor mit Sitz in Nordmazedonien aufgetaucht, der sowohl auf Spieler- als auch Trainerseite für Bewegung sorgt.

Die Niederösterreicher, die trotz des Einflusses des neuen Geldgebers die Letztentscheidung haben sollen, installierten Mitte August den Russen Aleksandr Borodyuk als neuen Cheftrainer. Dieser war zuletzt bis 2018 kasachischer Teamchef, bei Kairat Almaty und davor in seiner Heimat bei Torpedo und Dinamo Moskau sowie als Co-Trainer im russischen Nationalteam aktiv.

Der 57-Jährige hat viel zu erzählen - über seine aktive Karriere, die ihn unter anderem zu Top-Klubs nach Deutschland führte, oder über die namhaften Top-Trainer mit denen er zusammenarbeiten durfte. Über Horn kann er allerdings noch nicht viel erzählen.

Denn erst vor wenigen Tagen durfte er nach Österreich einreisen, die Ausstellung der "Rot-Weiß-Rot-Karte" ließ auf sich warten, danach das Visum. Bis zum Saisonstart bleiben ihm insgesamt nur zwei Wochen, um sich ein Bild zu machen.

Gute Voraussetzungen bringt Borodyuk aber allemal mit, denn beim Besuch bei LAOLA1 verrät er darauf angesprochen: "Ich habe sehr viel von Guus Hiddink und Dick Advocaat gelernt."

Karriere von zwei Welt-Trainern geprägt

Für zwei Spiele war er russischer Interims-Teamchef, von 2006 bis 2012 dann Co-Trainer unter Hiddink und Advocaat. Eine Zeit, die den Russen bis heute in seiner Herangehensweise als Trainer geprägt hat.

"Beide sind sehr, sehr gute Trainer. Ich bin sehr zufrieden, wie die Zusammenarbeit gelaufen ist. Aber es stimmt schon: Das sind zwei ganz große Welttrainer", erinnert Borodyuk an die Erfolge der beiden Trainerfüchse. Hiddink erreichte mit den Niederlanden 1998 und mit Südkorea 2002 Platz 4 bei der WM, führte Russland ins EM-Halbfinale 2008 in Österreich und der Schweiz, war Weltpokalsieger mit Real Madrid und FA-Cup-Sieger mit Chelsea neben sechs Meistertiteln in den Niederlanden mit PSV Eindhoven.

Advocaat stürmte mit den Niederlanden 1994 ins Viertelfinale und 2004 ins EM-Halbfinale, wurde UEFA-Cup-Sieger 2008 mit Zenit St. Petersburg und Meister mit PSV, Zenit und den Glasgow Rangers. "Bei Guus und Dick ist das ein ganz anderer Stil, ich wollte viel von ihnen lernen. Aber jetzt will ich, dass es mein Stil ist, den die Mannschaft spielt. Heute ist es viel taktischer, es wird 3-4-3 oder 3-5-2 gespielt. Wir brauchen auch in Horn eine sehr gute spielerische Mannschaft", weiß Borodyuk.

Dieser kann sich in gutem Deutsch ausdrücken, obwohl er das selbst nicht wahrhaben will. "Ich habe 30 Jahre nicht mehr Deutsch gesprochen, ich habe schon alles vergessen", erinnert er an die Zeiten als er fünf Jahre für Schalke, dann bei Freiburg und auch Hannover 96 in Deutschland spielte.

Goldene Schalke-Zeiten und Wunsch nach Offensiv-Fußball

Eine Zeit, die er nicht missen möchte und die seine aktive Karriere Anfang der 90er prägte. Vor allem nach Gelsenkirchen hat er noch gute Kontakte und erinnert sich an namhafte Weggefährten.

"Schalke war ein sehr großer Verein, ich war dort sehr zufrieden vor fast 30 Jahren. Viele meiner Freunde sind noch bei Schalke. Helmut Kremers, Klaus Fischer, das sind große Namen als Spieler und Trainer. Aber es waren auch Ingo Anderbrügge, Jens Lehmann und viele, viele gute Spieler in meiner Zeit."

Damals agierte der russische Legionär als Stürmer, was sich auch direkt auf das Spiel des SV Horn auswirken könnte. Denn Offensive ist bei ihm Trumpf, auch wenn er das zumindest mit Worten defensiver angeht.

"Wir wollen offensiv spielen, aber wir müssen daran denken, wie unsere Gegner spielen. Vielleicht kommt eine starke Mannschaft, auf die wir uns anders vorbereiten müssen. Im Fußball braucht man eine gute Balance zwischen Offensive und Defensive, die Mannschaft muss kompakt spielen. Natürlich wollen wir Tore schießen, aber so ist das im Fußball", meint Borodyuk und lässt seine philosophische Sichtweise folgen:

"Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. Für einen Fußballtrainer ist das eine philosophische Frage: Wenn die Mannschaft gewinnt, hat die Mannschaft gewonnen. Wenn die Mannschaft verliert, hat der Trainer verloren. Ich denke, das ist überall so."

"Das ist ein großes Problem!"

Erst mit September startete sein Abenteuer in Horn, mit den ersten Tagen ist er zufrieden. Für genauere Auskünfte ist es jedoch zu früh, da die Vorbereitung in Tirol vor allem noch sein jetziger Co-Trainer Genadi Petrov bestritt und ihn informierte.

"Ich habe erst wenige Tage trainiert, die Mannschaft davor nie gesehen. Mein Assistent hat das Team gut vorbereitet in Tirol, ich habe sie sonst nur im TV gesehen. In zwei, drei Wochen kann ich vielleicht sagen, wie die Mannschaft spielen kann. Ich brauche Zeit."

Eine Mannschaft zu formen, wird eine interessante Aufgabe. Mit zum Beispiel Ivor Horvat (28/CRO), Sanin Muminovic (29/CRO), Antonio Azinovic (28/CRO) oder etwa Marco Siverio (25/ESP) verstärkte sich Horn mit Routiniers, die schon in höheren Ligen etwas vorzuweisen haben. Mit 20 Abgängen und 12 Neueinkäufen präsentiert sich Horn in einem ganz anderen Gesicht, nicht gerade zum Wohlwollen des neuen Chefbetreuers.

"Das ist ein großes Problem! Ich denke, dass es ungefähr ein Monat dauert, damit alle Spieler meine Philosophie von Fußball verstehen und sich auch zusammen und taktisch sehr gut verstehen. Es sind viele Ausländer gekommen, jeder Spieler spricht eine andere Sprache. Aber auf dem Platz müssen es alle verstehen. Das ist Fußball, das ist eine internationale Sprache. Wir wollen nur nach vorne schauen", bleibt Borodyuk optimistisch.

Noch keine Prognose möglich

Positiv bewertet er, dass fünf, sechs Spieler aus der Akademie nachkommen und so Nachschub aus den eigenen Reihen gegeben ist.

Aber für Prognosen ist es noch zu früh. "Ich könnte jetzt sagen, dass wir Erster werden und uns für die Bundesliga qualifizieren wollen oder die Champions League gewinnen oder den Pokal - aber das ist alles schwer einzuschätzen", so der Horn-Coach. "Ich muss jetzt abwarten, was wir spielen."

In der Vorsaison beendeten die Waldviertler die Saison auf Rang 13, punktegleich mit dem 14. FAC, der abgestiegen wäre. Hätte es einen Absteiger gegeben, wäre es äußerst knapp geworden. Warum es in dieser Saison unter Borodyuk besser werden soll?

"Das ist eine gute Frage! Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen, aber mein Ziel ist es, dass die Mannschaft nach oben kommt. Aber dafür müssen wir hart arbeiten." Die Arbeit hat eben erst begonnen. In welche Richtung es geht, wird sich spätestens beim Saisonstart weisen.

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