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Reichelt: "Das Gefühl muss einfach passen!"

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Hannes Reichelt hat beim "Hitradio Ö3" auch in dieser Saison wieder alle Rechte.

Immerhin trägt der Salzburger das Logo des Radiosenders auf Helm, Haube und Kappe.

Damit ist beim Sponsor genauso alles beim Alten geblieben, wie auch beim Material. Mit Salomon kämpfte sich der 31-Jährige zurück in die Weltspitze - und genau dort will er auch im Winter 2011/2012 bleiben.

Im LAOLA1-Interview spricht er über seine Vorbereitung, die Lehren eines Erfolgs-Winters und seine sommerlichen Höhenflüge.


LAOLA1:
Hannes, du hast in dieser Woche deinen Sponsor-Vertrag verlängert, dein Leben bleibt also ein Hit.

Hannes Reichelt: Es ist schon beruhigend, wenn du etwas am Kopf hast. Letzte Saison hat es relativ lange gedauert, bis ich einen Sponsor am Helm hatte, da fragt man sich schon: Was habe ich falsch gemacht? Dass jetzt schon alles klar ist, ist irgendwo auch eine Bestätigung, dass ich im letzten Winter vieles richtig gemacht habe.

LAOLA1: Was darf man sich für den Weltcup-Auftakt in Sölden von dir erwarten? Wie ist die Form?

Reichelt: In der Qualifikation habe ich eine gute Figur abgegeben, wirklich gute Läufe gezeigt. Aber was das jetzt für das Rennen bedeutet, ist schwer zu sagen. Ich habe dieses Platzierungsdenken auch komplett gestrichen, das ist immer noch daneben gegangen.

LAOLA1: Aber eine gewisse Zielsetzung wird es ja doch geben?

Reichelt: Ich will im Ziel sagen können, dass ich zwei gute Läufe gefahren bin. Wenn es dann eine Top-Platzierung ist, weiß ich, dass mein Gefühl passt. Sonst muss ich an meinem Gefühl arbeiten.

LAOLA1: Wie war das Gefühl im Training?

Reichelt: In Südamerika war ich am Winterschnee sehr konstant und gut unterwegs. Am Gletscherschnee ist es nicht ganz so gut gelaufen. Aber ich bin ja dafür berüchtigt, eher der Gefühlsläufer zu sein, da kommt mir der Winterschnee mehr entgegen.

LAOLA1: Die Rennpiste ist eine „Glatz'n“, wie es im Rennfahrer-Deutsch heißt, also sehr eisig. Da hatten die Österreicher in der letzten Saison Probleme?

Reichelt: Deshalb ist es gut, dass wir gleich beim ersten Rennen diese Verhältnisse haben. So können wir noch reagieren. Aber wir haben klarerweise in diese Richtung gearbeitet, das Problem ist aber, dass man solche Verhältnisse nicht immer hat.

LAOLA1: Was hast du vom letzten, für dich sehr erfolgreichen Winter für die neue Saison mitgenommen?

Reichelt: Viel Selbstvertrauen. Und ich habe geschaut, dass die Technik, die sich in den letzten zwei Jahren doch geändert hat, standfester wird. Im Speed-Bereich habe ich viel gearbeitet, ich war in Argentinien und mit den Abfahrern in Chile. Da habe ich gesehen, dass in den Flachpassagen viel weitergegangen ist. Das ist ein wichtiger Schritt für die schnellen Disziplinen.

LAOLA1: Wie kann man sich das vorstellen, dieses Suchen und Finden von weiteren Prozenten?

Reichelt: Das ist ein langer Prozess, der viel Zeit braucht. Und wir sprechen da von kleinen Änderungen. Aber der Skisport schläft nicht, die Technik entwickelt sich weiter. Da darf man als Läufer nicht stehenbleiben, sonst verpasst man den Anschluss. Sicher, manchmal ist das eine Überwindung, aber so wird einem wenigstens nicht fad.

LAOLA1: Apropos keine Langeweile. Wie steht es um deine Pilotenausbildung?

Reichelt: Ich bin einige Stunden für die Privatpiloten-Lizenz abgeflogen. Aber richtig weitermachen werde ich erst im nächsten Jahr. Mir fehlen noch die Stunden, um den nächsten Schritt zu tun. Aber nachdem ich im Frühling den Skiführer gemacht habe, wo es eigentlich gut zum Fliegen gegangen wäre, und es dann im Sommer, als ich mehr Zeit hatte, vom Wetter nicht gepasst hat, waren es weniger Flüge als ich mir vorgenommen habe.

LAOLA1: Gibt es da ein konkretes Ziel, das du über den Wolken verfolgst?

Reichelt: Irgendwann möchte ich Linienpilot sein. Das war immer schon ein Traum von mir, schon als kleiner Bub. Darauf arbeite ich hin. Ob es gleich nach der Karriere als Pilot weitergeht, weiß ich aber noch nicht. Weil bei den Prüfungen gibt es gewisse Regeln, die mir nicht so in die Hand spielen. Aber der Christoph Gruber macht es auch jetzt fertig, und das ist irgendwo auch gut, weil so fällst du nach dem Skifahren nicht in ein Loch.

LAOLA1: Hast du also früher mehr vom Fliegen oder doch vom Skifahren geträumt?

Reichelt (lacht): Das war immer abhängig von der Jahreszeit. Im Winter war natürlich das Skifahren die Nummer 1, da habe ich meinen Idolen Eberharter und Nierlich zugeschaut. Da wollte ich immer Skifahrer werden. Im Sommer, wenn das Skifahren nicht so präsent ist, stellt man sich dann eben andere Sachen vor.

LAOLA1: Was sind so Träume, die du dir in dieser Saison erfüllen möchtest?

Reichelt: Jeder Weltcup-Sieg ist für mich etwas wert. Und dadurch, dass wir weder WM noch Olympische Spiele haben, wird die Sache mit den Kugeln noch mehr wert und in den Mittelpunkt rücken. Eine habe ich ja schon daheim stehen, wenn alles passt, weil man braucht neben dem Können auch viel Glück und Gesundheit dazu, könnte durchaus eine zweite dazu kommen.

LAOLA1: Wenn du sagst, dass die Kugeln mehr in den Mittelpunkt rücken, hast du das Gefühl, dass der Gewinn einer Disziplinenwertung untergeht?

Reichelt: Das Problem ist einfach, dass die Leute im März nicht mehr so motiviert sind, fürs Skifahren. Und genau da werden die Kugeln vergeben. Die eingefleischten Fans wissen natürlich, wer vorne ist. Aber viele Leute haben da schon mit dem Winter abgeschlossen und denken an den Sommer.

LAOLA1: Die meisten Athletinnen und Athleten stellen die Kugel sogar über eine WM-Medaille?

Reichelt: Sportlich ist es sicher ausschlaggebend, weil es zeigt, dass du über eine ganze Saison in einer Disziplin top warst. Ich habe schon bewiesen, dass ich es kann, aber auch, dass ich an einem Tag schnell sein kann. Das ist schon super, wenn man solche Dinge auf seiner To-Do-Liste abhaken kann.

LAOLA1: Das ist wahrscheinlich sehr befreiend, oder?

Reichelt: Auf jeden Fall. Man verspürt nicht mehr diesen inneren Druck, dass man verbissen einem Ziel hinterherläuft, weil man noch nichts gewonnen hat. Natürlich will man weiterhin ganz vorne mitfahren, aber es geht dann schon ein bisschen lockerer.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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