Schwung im Hinblick auf die WM-Qualifikation wollte das österreichische Nationalteam in Kasachstan mitnehmen.
Herausgekommen ist zum Abschluss der verkorksten EM-Qualifikation ein symptomatischer Auftritt für ebendiese.
Nach dem 4:1-Erfolg in Aserbaidschan bedeutet die Nullnummer von Astana einen Dämpfer, wenngleich einen ob der sportlichen Bedeutungslosigkeit der Partie verkraftbaren.
„Ich glaube, man hat eindeutig gesehen, dass es das letzte Spiel in der Qualifikation ist, wo es um nichts mehr geht“, resümierte Sebastian Prödl, „wir haben versucht, nach vorne zu spielen und Chancen zu erarbeiten. Wir haben auch Möglichkeiten vorgefunden, leider ist uns das Tor nicht gelungen. Vielleicht haben wir nicht die letzte Überzeugung gehabt, das Spiel zu gewinnen.“
„Das können keine Ausreden sein“
Nun könnte man von Reisestrapazen über Zeitumstellung bis hin zum Kunstrasen und den ungewohnten Bedingungen in einer Halle viele Argumente für die holprige Partie nennen. Teilweise waren sie nach Schlusspfiff auch zu hören.
Wobei der Werder-Legionär unmissverständlich klarstellt: „Das können gerne Gründe sein, aber keine Ausreden, warum man hier nicht gewinnt.“
Ein richtiger Ansatz. Denn dass Österreich über die besseren Einzelspieler als die aufopfernd kämpfenden Kasachen verfügt, steht außer Frage.
„Wir haben mehr Qualität in der Mannschaft, aber die konnten wir nicht umsetzen. Das ist vielleicht an der Spritzigkeit gelegen, vielleicht auch an der fehlenden Überzeugung, durchzugehen und den letzten Punch zu setzen“, monierte Andreas Ivanschitz, der die Kasachen als wesentlich aggressiver einschätzte als Aserbaidschan.
„Kombinationsspiel nicht wie gewünscht“
Dem Mainz-Legionär gelang diesmal deutlich weniger als bei seiner gelungenen Rückkehr in Baku, wo er nach zweieinhalb Jahren ÖFB-Auszeit einen Treffer und zwei Assists beisteuerte.
Dennoch zog der 27-Jährige ein zufriedenes Fazit: „Das Comeback ist aus meiner Sicht voll aufgegangen, auch wenn es heute ein durchwachsenes Spiel war. Ich bin einfach froh, wieder dabei zu sein und zwei Mal die Hymne gehört zu haben.“
Unter dem Strich ging das Remis in Ordnung, denn in der Schlussphase fanden auch die lange Zeit harmlosen Kasachen die eine oder andere hochkarätige Torchance vor, wie etwa den Latten-Kopfball von Gridin.
„Wollen wir uns qualifizieren, müssen wir solche Spiele gewinnen“
Janko: „Die Kasachen sind eigentlich nur mit Hauruck-Aktionen gefährlich geworden – mit hohen Bällen nach vor und dann haben sie ihren Leuten vorne die Daumen gedrückt. Teilweise wurde es wirklich gefährlich, aber im Großen und Ganzen haben wir sie ganz gut im Griff gehabt. Dennoch ist das zu wenig, das ist auch klar.“
Vor allem in kommenden Qualifikationen wäre es zu wenig. Ein Problem der ÖFB-Elf bleibt es, nach guten Leistungen weitere ansprechende Auftritte nachzulegen. Eine Aufgabe von Neo-Teamchef Marcel Koller wird es daher sein, für mehr Konstanz zu sorgen.
„Wir haben in Aserbaidschan ganz gut gespielt, aber wenn wir eine Qualifikation erfolgreich bestreiten wollen, und die kommende wollen wir erfolgreich bestehen, dann müssen wir solche Spiele gewinnen“, bestätigte Janko.
Die letzte Chance in diesem Jahr, Schwung mitzunehmen, bietet sich am 15. November in der Ukraine, wenn erstmals Koller auf der rot-weiß-roten Trainer-Bank Platz nimmt.
Peter Altmann
Ivanschitz war gemeinsam mit den weiteren für das Spiel nach vorne verantwortlichen Akteuren nicht in der Lage, für den nötigen Spielfluss zu sorgen.
Interims-Teamchef Willi Ruttensteiner kritisierte: „Das Kombinationsspiel war nicht so wie gewünscht. Das ist an Bewegungsfehlern und technisch-taktischen Fehlern gelegen. Wenn dann einzelne Spieler nicht ihren besten Tag haben und man die Chancen nicht verwertet, wird es schwierig, so ein Spiel zu gewinnen.“
„Die letzten Pässe waren teilweise zu schlampig“
Vor allem der Raum über die Flanken wurde zu wenig ausgenutzt, da die Flügelspieler Ivanschitz und David Alaba zu sehr in die Mitte zogen, wie die LAOLA1-Taktik-Analyse herausarbeitet – ein Mitgrund, warum Kapitän Marc Janko an vorderster Front wieder einmal in der Luft hing.
Dazu kam die oftmals mangelnde Präzision im Passspiel. „Die letzten Pässe in die Spitze waren teilweise schlampig gespielt, wir haben zu viele Fehlpässe gemacht. Da ist es für uns Stürmer natürlich ein bisschen schwieriger, uns in Szene zu setzen“, erklärte Janko, der grundsätzlich das Gefühl hatte, dass gegen Ende hin „ein bisschen die Luft draußen“ gewesen sei.
„Meiner Meinung nach hätten wir den Ball viel länger halten müssen, um den Gegner müde zu laufen. Das haben wir leider nicht gemacht und die Bälle immer viel zu leicht verloren. So sind sie in Kontern stark geworden, der Stürmer war auch sehr unangenehm“, beschrieb Aleksandar Dragovic die Problematik.