Zwischen Genie und Wahnsinn

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Balotelli: "Ich bin intelligenter als der Durchschnitt"

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Mario Balotelli liebt es, auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn zu spazieren.

Der italienische Teamstürmer pflegt mit Hingabe sein Desperado-Image und polarisiert damit wie kein Zweiter in der "Squadra Azzurra".

Alles dreht sich um Balotelli, auch wenn er auf dem Platz keine Glanzleistung hinlegt - so etwa beim 1:1 gegen Spanien, als die italienischen Journalisten von Teamchef Cesare Prandelli über den 21-Jährigen fast genauso viel wissen wollten wie über das Spiel selbst.

"Ich glaube, ich bin ein Genie"

Durch die leichtfertig vergebene Chance wurde Balotelli zum Feindbild vieler Tifosi.

Doch auch mit selbstgerechten öffentlichen Aussagen zog sich der Angreifer schon oft den Unmut jener Fans zu, für die ein Fußballer bodenständig zu sein hat.

"Ich glaube, ich bin ein Genie", sagte er etwa kürzlich der französischen Fachzeitschrift "France Football".

Intelligenter als der Durchschnitt?

In dem Interview gewährte Balotelli weitere Einblicke in seine Gedankenwelt. "Ich glaube, dass ich intelligenter bin als der Durchschnitt."

Und weiter: "Das Talent, das Gott mir gegeben hat, ist schön und wundervoll. Aber es ist auch schwierig, weil man immer auf andere Menschen trifft, die einen beurteilen wollen."

"Doch es gibt nur wenige Menschen mit einem solchen Talent, daher gibt es auch nur wenige, die beurteilen können, was ich tue."

Immer wieder Aussetzer

Die Öffentlichkeit hat ihr Urteil schon gefällt. Balotelli gilt als störrisches, unbelehrbares Problem-Kind, das abseits des Rasens präsenter ist als auf dem Platz.

Genährt wird die Meinung durch so manch auffälliges Verhalten: Seit seinem 27-Millionen-Euro-Transfer von Inter Mailand zu Manchester City im Sommer 2010 häufte er Parkstrafen jenseits der 10.000 Euro an, weil er sein Auto dort abstellt, wo es ihm gerade passt.

Gerne flaniert er durch die Innenstadt von Manchester und verteilt Geld an Passanten, und als er zum Einkaufen geschickt wurde, um Haushaltsgeräte zu besorgen, kam er mit einem Riesen-Trampolin und zwei Vespas nach Hause - aber ohne Bügeleisen und Wischmop.

Sogar Mourinho verzweifelte

Balotelli bewarf Jugendspieler von ManCity mit Dartpfeilen ("Weil mir fad war"), ließ sich von einem Freund fast sein Haus durch einen Feuerwerkskörper abfackeln und marschierte während der Unterrichtszeit in eine Schule, weil er pinkeln musste.

An so einem Spieler verzweifelte sogar Jose Mourinho.

"Er sagt, niemand kann mich verstehen, aber der einzige, der mich nicht verstehen kann, ist er", meinte Balotelli über seinen Trainer bei Inter Mailand.

"Zuneigung ist weiter da"

Mit City-Coach Robert Mancini hat Balotelli ein weit innigeres Verhältnis.

"Wenn er nicht hier wäre, wäre ich niemals nach Manchester gekommen."

Und dennoch schien das Band zerschnitten, als der Angreifer im April wieder einmal eine Rote Karte sah. Mancini wollte seinen Bad Boy verkaufen und schwenkte schließlich doch wieder um.

"Mit ihm ist es wie in einer Familie, wenn sich ein Kind danebenbenimmt. Die Zuneigung der Eltern ist weiterhin da", erklärte Mancini.

Eltern sind "Glory Hunter"

Die Zuneigung seiner leiblichen Eltern gewann Balotelli nach eigener Meinung erst spät.

Der Stürmer wurde in Palermo als Sohn ghanaischer Einwanderer geboren und mit drei Jahren zu einer Pflegefamilie in Brescia gegeben.

Als er zum Star aufstieg und seine Erzeuger wieder den Kontakt zu ihm suchten, bezeichnete er sie als "Glory Hunter".

"Lässt uns nicht im Stich"

Da Balotelli nicht adoptiert wurde, erhielt er erst nach seinem 18. Geburtstag die italienische Staatsbürgerschaft - und unmittelbar darauf die Einberufung in die U21-"Squadra Azzurra".

Im A-Team debütierte er im August 2010 unter Teamchef Prandelli, der trotz der Skandale fest zum Freund von Marko Arnautovic steht.

"Ich bin hundertprozentig sicher, dass er die Nationalmannschaft nicht im Stich lassen wird", meinte Prandelli.

Den Beweis dafür kann Balotelli am Donnerstag gegen Kroatien antreten.

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