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"Linz hat auf darauf gebrannt – es war sensationell"

LAOLA1 Foto: ©

Linz – Das lange Warten hatte sich mehr als ausgezahlt.

Nach Jahren war es in Linz wieder zu spüren und zu sehen: das große Knistern vor dem Anpfiff, die große Vorfreude in den Gesichtern und der große Enthusiasmus währenddessen.

Neun Jahre nach dem Cup-Duell und 14 Jahre nach dem letzten Liga-Spiel standen sich Blau-Weiß und Schwarz-Weiß wieder gegenüber – und trotz 1:1 gab es einen klaren Sieger: die Fans.

Klares Bundesliga-Niveau

„Der SKV ist wieder da“ versus „Zurück zu den Wurzeln“ – die jeweiligen Fan-Choreographien untermalten das tolle Ambiente, das trotz Stadion-Umbauarbeiten Bundesliga-Niveau hatte.

11.900 Zuschauer sorgten für ein ausverkauftes Linzer Rund. Nur zum Vergleich: Den BL-Auftakt-Schlager zwischen RB Salzburg und Austria Wien sahen 12.100 Zuschauer live …

„Ich bin mir sicher, dass wir zwischen 15.000 und 17.000 Zuschauer hereingebracht hätten“, meinte BWL-Sportdirektor Gerald Perzy. Die Hausherren hatten um 12:20 Uhr ausverkauft gemeldet.

„Geniale Geschichte“

Aber auch mit ein paar Tausend Fans weniger fühlten sich Menschen, die alt genug sind, an die Derbys auf Bundesliga-Ebene zurückerinnert.

„Es war eine geniale Geschichte. Linz hat auf dieses Derby gebrannt und es war einfach sensationell geil“, kam BWL-Routinier David Wimleitner aus dem Jubeln gar nicht mehr heraus.

Und das, obwohl der Goalie nach einem Zusammenprall mit LASK-Stürmer Hannes Aigner mit Verdacht auf Nasenbeinbruch und Blut in der Nase weiterspielte.

„Ich hätte mir gedacht, es rinnt blau raus, aber es war rot. Da müssen schon mehr kommen, dass ich nicht weiterspiele“, lachte Wimleitner, der noch im letzten Derby beim LASK im Tor stand.

Auf der anderen Seite floss ebenso – auf unabsichtliche Art und Weise – Blut. Ulrich Winkler wurde beim Tor von Dominic Hassler im Zweikampf ein Zahn ausgeschlagen.

Intensives, faires Fan-Duell

Intensiv ging es auch auf den Tribünen zu – auf jene Art und Weise, die dem neutralen Fußball-Fan gefällt: durch die Stimmen der Anhänger.

Manch Spruch(band) hätte man sich schenken können, aber es überwog eindeutig das Positive.

1792 Anhänger drängten auf Seiten des LASK in den Auswärtssektor. Der ungewohnte Platz hemmte sie nicht. Ganz im Gegenteil, waren die schwarz-weißen Fans zwar weniger, aber lauter.

Nur beim 0:1 war das naturgemäß anders. Hier entwickelte sich für kurze Zeit das Linzer Stadion zu einem blau-weißen Tollhaus („Die Nummer eins in Linz sind wir“).

Gänsehaut pur

Diese Szene, wie später auch der Ausgleich, sorgten im Gesamten für ein großes Derby-Fest. Das sahen auch die Beteiligten nach dem Spiel so.

„Ich war die letzten Tage sehr angespannt, habe jahrelang davon geträumt, so ein Spiel zu spielen“, hatte BWL-Kapitän Tino Wawra  schon beim Auflaufen Gänsehaut.

Ähnlich ging es dem Torschützen zum 1:1 Harald Unverdorben, seines Zeichens ebenfalls Oberösterreicher: „Es sind so Highlights, für die man lebt. Es ist einfach toll, vor so einer Kulisse zu spielen. Es sollte eigentlich immer so sein.“

LASK-Coach Walter Schachner spielte selbst vor mehr als 70.000 Fans ein Turiner Derby.

Nichtsdestoweniger war der Steirer von der Atmosphäre begeistert: „Es war eine tolle Stimmung, es war super.“

Sein Gegenüber Thomas Weissenböck bemerkte richtig: „Man hat gesehen, was für ein Potenzial da ist.“

„Fans lechzen nach Bundesliga-Fußball“

Sportdirektor Perzy hielt fest, was sich alle dachten: „Es war eine tolle Atmosphäre und hatte auf jeden Fall Bundesliga-Niveau. Man sieht, die Fans lechzen nach Bundesliga-Fußball. Zumindest haben sie aber noch drei wunderbare Derbys vor sich und da werden sie sicher wieder kommen.“

Das erste Linzer Derby seit 14 Jahren – es war schon etwas ganz Spezielles.

Es kommt etwa nicht so oft vor, dass über ein Erste-Liga-Spiel, das nicht die Titel-Entscheidung betrifft, in so einem Ausmaß österreichweit berichtet wird.

„Ich schaue sonst keine Erste-Liga-Spiele live an“, gab ÖFB-Teamchef Didi Constantini, der den LASK 1993 für drei Monate trainierte und sich erneut auf die Gugl verirrte, unumwunden zu.

Auch wenn der Fußball in der drittgrößten Stadt Österreichs aktuell nicht erstklassig ist, hat dieses 79. Derby zwischen Blau-Weiß und Schwarz-Weiß eines gezeigt: Linz ist schon wieder Bundesliga-reif.

 

Bernhard Kastler

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