Van Niekerk außergewöhnlicher als Bolt

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Es ist natürlich Usain Bolt, dem die Titelseiten des Tages gehören. Mit seinem dritten Olympia-Gold über 100 Meter hat der Jamaikaner weiter an seiner Legende gebastelt und abermals etwas Einmaliges geschafft. Berauschend war der Endlauf über die 100 Meter aber nicht. 9,81 Sekunden mögen zwar eine Zeit sein, von der 99,9 Prozent aller Sprinter träumen, in Bolts Welt ist das aber nicht sonderlich schnell. Wenngleich das nicht überraschend kommt. Des Superstars Vorbereitung auf die Spiele in Rio war von Verletzungen geprägt, seinen Zenit hat er längst überschritten.

Doch auch die Organisatoren in Brasilien haben etwas dazu beigetragen. Nur eine Stunde und 20 Minuten blieben zwischen Halbfinale und Finale Zeit. So mancher Laie tendiert wohl dazu, die Belastungen eines 100-Meter-Sprints zu unterschätzen. Marc Burns, ehemaliger Spitzensprinter aus Trinidad & Tobago, hat einmal erklärt: „Durch den ganzen Stress, dem du deinen Körper bei einem Rennen unter 9,9 Sekunden aussetzt, kannst du danach manchmal tagelang nicht richtig gehen.“ Das mag vielleicht übertrieben sein, Fakt ist aber auch, dass sich Bolt und Silber-Gewinner Justin Gatlin unisono nach dem 100-Meter-Finale über die kurze Regenerationszeit beschwert haben.

Geht es rein nach der Leistung, hätte sich nach diesem Abend in Rio sowieso ein anderer die Titelblätter verdient – Wayde van Niekerk. Der Südafrikaner hat über die 400 Meter einen neuen Fabel-Weltrekord aufgestellt. Alle Experten hatten einen spannenden Dreikampf zwischen van Niekerk, LaShawn Merritt und Kirani James erwartet, doch der 24-Jährige lief das Rennen seines Lebens und überquerte die Ziellinie nach 43,03 Sekunden. Und das auch noch auf der Außenbahn! Unglaublich! Damit hat er den 17 Jahre alten Weltrekord von Sprint-Legende Michael Johnson um sensationelle 15 Hundertstel verbessert.

Trainiert wird van Niekerk übrigens von der 74-Jährigen Urgroßmutter Anna Botha, die seit 1968 im Geschäft ist

Die Weltrekord-Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte auf der immens anspruchsvollen Stadionrunde zeigt, dass van Niekerks Zeit eine halbe Ewigkeit halten könnte. 1968 lief Lee Evans mit 43,86 Sekunden erstmals unter 44, erst 20 Jahre später konnte Butch Reynolds diese Marke verbessern – seine 43,29 Sekunden hielten elf Jahre und machen ihn immer noch zum drittschnellsten Mann aller Zeiten über diese Distanz. Dann kam Johnson. Und jetzt ist van Niekerk da.

Der Südafrikaner ist ein absolutes Ausnahmetalent. Er ist der einzige Mensch, der bisher die 100 Meter unter 10 Sekunden (9,98), die 200 Meter unter 20 Sekunden (19,94) und die 400 Meter unter 44 Sekunden (43,03) gelaufen ist. Trainiert wird er übrigens von der 74-Jährigen Urgroßmutter Anna Botha, die seit 1968 im Geschäft ist. Nicht minder großartig als dieser Fakt ist der Umstand, dass seine Cousine Chestin Kolbe in Rio auch eine Medaille geholt hat – Bronze im „Rugby sevens“.

Unmittelbar nach seinem Sieg über die 100 Meter gratulierte Bolt übrigens dem Südafrikaner zu dessen Weltrekord. Von einer Wachablöse kann man aber nicht sprechen. Van Niekerk spezialisierte sich in den vergangenen Jahren auf die Stadionrunde und nahm die 100 und die 200 Meter eher nur so nebenbei mit. Die 400 Meter finden in der breiten Öffentlichkeit aber nicht jene große Beachtung, als dass der Neo-Weltrekordler in absehbarer Zukunft zum Superstar aufsteigen könnte. Immerhin erwartet uns aber noch der direkte Vergleich mit Bolt über die 200 Meter – allerdings mit van Niekerk als krassen Außenseiter.



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