Darauf gilt es in den Divisionals zu achten

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Am 7. Februar steigt Super Bowl 50 im Levi's Stadium zu Santa Clara, Kalifornien - und die Reise dorthin geht weiter.
 
Nach dem spektakulären Auftakt-Wochenende im NFL-Playoff sind acht Teams im Rennen um die begehrte Vince-Lombardi-Trophy verblieben.
 
Am Samstag gehen die Divisionals über die Bühne: New England (2) empfängt Kansas City (5) um 22:35 Uhr MEZ sowie duellieren sich Arizona (2) und Green Bay (5) um 2:15 Uhr in der Nacht.
 
Am Sonntag kämpfen Carolina (1) und Seattle (6) ab 19:05 Uhr um das Weiterkommen. Abgeschlossen wird die zweite Postseason-Runde mit Denver (1) gegen Pittsburgh (6) um 22:40 Uhr.
 
LAOLA1 weiß, worauf es bei diesen Spielen zu achten gilt.

New England Patriots (2) vs. Kansas City Chiefs (5) - Sa., 22:35 Uhr

  • Das heißeste Team gegen den heißesten Favoriten!

Wer kann sich noch an das letzte Duell der beiden Teams erinnern? Mit 41:14 schossen die Chiefs New England Ende September 2014 aus dem Stadion, die Saison der Patriots wurde allgemein abgeschrieben. Das Ende der Geschichte ist mit dem folgenden Super-Bowl-Triumph der Truppe von Bill Belichick bekannt. Den Fehler, New England abzuschreiben, sollte man ohnehin nie begehen. Wobei die Patriots gegen Ende der Regular Season ins Taumeln gerieten und sogar noch den Heimvorteil während der Playoffs verschenkten. Hauptgrund für die Misere war die problematische Personalsituation - vor allem in der O-Line und auf der Receiver-Position. So gesehen haben auch die Team-Ärzte ein Wörtchen mitzureden, wie leicht oder schwer sich Tom Brady und Co. gegen die Chiefs tun könnten. Bei der Pleite in Miami zum Regular-Season-Abschluss ließ die O-Line den Superstar-QB sträflichst im Stich und lieferte mit unerfahrenen Kräften eine indiskutable Leistung. Ohne Julian Edelman fehlte Brady zuletzt auch die bevorzugte Anspielstation für schnelle Pässe, um dem aus dem O-Line-Versagen resultierenden Druck zu entgehen. Edelman sollte erstmals seit Mitte November wieder zur Verfügung stehen, was so gesehen der wichtigste Schlüssel für die Patriots sein und womöglich auch Superstar-TE Rob Gronkowski Räume öffnen könnte. Unterm Strich geht es für das Team aus Massachusetts nicht nur darum, der Favoritenrolle gerecht zu werden, sondern eher früher als später auch wieder diesen berüchtigten Nimbus der Unbesiegbarkeit aufzubauen. Denn der ging zuletzt verloren. Geriet man nachhaltig außer Tritt, könnte der Traum der Titelverteidigung früher als erhofft ausgeträumt sein - schon gegen die heißen Chiefs.

Apropos Nimbus der Unbesiegbarkeit. Den haben sich die Chiefs nach ihrem 1-5-Horror-Start mit elf Siegen in Folge seit der letzten Niederlage am 18. Oktober aufgebaut. Das Divisional-Round-Gastspiel in Foxborough wird dabei naturgemäß zu einer der höchsten Hürden für das Team von Head Coach Andy Reid, der mit seiner langjährigen Erfahrung ein würdiges Gegenüber für Patriots-Mastermind Bill Belichick darstellen sollte. Die Defense von Kansas City spielte zuletzt in starker Form und wird gegen die wieder gesündere Offense von New England entsprechend gefordert werden - sowohl gegen den Pass (Eric Berry! Marcus Peters!), als auch im Pass Rush. Und genau hier liegt ein wichtiger Schlüssel. Die Chiefs wissen, wie man Jagd auf den gegnerischen QB macht - Justin Houston, Tamba Hali und Co. gegen die wackelige O-Line der Patriots könnte ein Mismatch zu Gunsten der Gäste und ein Albtraum für Brady sein. Der Offense könnte mit Jeremy Maclin der wichtigste Receiver fehlen. Selbst wenn er doch noch einsatzfähig sein sollte, ist kaum vorstellbar, dass er im Vollbesitz seiner Kräfte sein wird. Der Chiefs-Angriff um QB Alex Smith ist unspektakulär, aber als Gegner schwierig zu bespielen - Stichwort Travis Kelce. Ebenso wie die Patriots ist man nicht unbedingt anfällig für Turnover, die eine wichtige Rolle spielen könnten. Gelingt es auch auswärts gegen den amtierenden Champion einen guten Mix aus Laufspiel und kurzen, aber effektiven Pässen zu etablieren, somit die Uhr zu kontrollieren und Brady vom Feld zu halten, ist eine Überraschung nicht auszuschließen. In dieser Partie wird sich wohl endgültig klären, wie heiß der Außenseiter aus Missouri wirklich ist.

DIE PICKS

Peter Altmann: 23:20 NE

Bernhard Kastler: 17:14 NE

Arizona Cardinals (2) vs. Green Bay Packers (5) - So., 2:15 Uhr

  • Einseitigkeit oder ein Punktefestival?

Mit 38:8 schoss Arizona die Packers Ende Dezember aus dem Stadion. Ob sich die Kräfteverhältnisse binnen drei Wochen entscheidend geändert haben? Wer weiß! Denn nur eine Woche nach diesem Kantersieg schlichen die Cardinals als geprügelte 6:36-Verlierer gegen Seattle vom Feld in Glendale. Danach hatten sie spielfrei. Welches Gesicht wird Arizona diesmal zeigen? Fakt ist: Das Team aus Phoenix hat eine der schlagkräftigsten, wenn nicht die schlagkräftigste, Offenses dieser Saison zu bieten. Anders als in den Playoffs der Vorsaison, in denen das Fehlen von QB Carson Palmer den Traum von einer Heim-Super-Bowl zunichte machte, ist der Altstar fit und praktischerweise in der Form seines Lebens. Der gerne aggressiv und vertikal agierende Passangriff Arizonas mit Könnern wie Larry Fitzgerald, John Brown oder Michael Floyd auf der Receiver-Position, wird für die junge Packers-Secondary eine riesige Herausforderung. Wenn als Ergänzung auch noch Running-Back-Jungstar David Johnson seine Form von Ende der Saison in die Playoffs rettet, könnte es ein punktereicher Abend für die Cardinals werden.

Muss Green Bay viele Punkte hinnehmen, gilt es dagegen zu halten. In der Theorie mit einem QB wie Aaron Rodgers kein Problem, in der Praxis gestaltete sich dies in den letzten Wochen bekanntlich schwieriger. Ob eine - zumindest nach Anfangsschwierigkeiten - überzeugende Darbietung in der Wild-Card-Runde gegen Washington reicht, um alle Zweifel zu beseitigen? Auch ohne den verletzten Tyrann Mathieu gibt es einfacher zu bezwingende Abwehrreihen als die vielschichtige Cardinals-Defense. Positiv ist, dass die beim Debakel vor drei Wochen ersatzgeschwächte und arg unter Druck geratene O-Line personell wieder besser dastehen sollte. Am Ende wird es davon abhängen, ob der Aufwärtstrend von RB Eddie Lacy ein nachhaltiger ist und somit als Entlastung für Rodgers dient, beziehungsweise ob Rodgers einen Traumtag erwischt, was ihm jedoch bekanntlich jederzeit zuzutrauen ist. Mit ungenauen Würfen, wie sie sich zuletzt zu oft eingeschlichen haben, wird es für die Packers nur wenig zu erben geben. Favorit ist Arizona, aber wenn Green Bay an die "Normalform" anschließen kann, könnte dies ein Klassiker für Offense-Fanatiker werden. Nicht nur Nostalgiker denken diesbezüglich gerne an das Playoff-Duell vor sechs Jahren zurück, als sich die noch von Kurt Warner angeführten Cardinals gegen Green Bay mit 51:45 nach Overtime durchsetzten - ein unvergessener Schlagabtausch!

DIE PICKS

Peter Altmann: 38:24 ARI

Bernhard Kastler: 28:21 ARI

Carolina Panthers (1) vs. Seattle Seahawks (6) - So., 19:05 Uhr 

  • Seattle als Spielverderber einer Traumsaison?

Was für ein Showdown! Vielleicht kein Leckerbissen für Feingeister, aber wer die physische Komponente des Football-Sports liebt, muss dem Schlagabtausch zwischen Carolina und Seattle voller Aufgeregtheit entgegenfiebern. Zwei hammerharte Defenses, zwei QBs mit unglaublicher Mobilität, zwei Passangriffe, deren Schlagkräftigkeit im Saisonverlauf immer beeindruckender wurde und zwei Teams, deren Laufspiel die Basis, aber auch ein kleines Fragezeichen ist. Und das alles in einem auf dem Papier ausgeglichenen Kräftemessen mit Revanche-Charakter. Football-Herz, was willst du mehr? So glücklich sich Seattle in Minnesota in dieses Duell rettete, so sehr könnten sie zum Spielverderber einer beinahe magischen Panthers-Saison werden. Nur eine Niederlage kurz nach Weihnachten in Atlanta verhinderte eine Perfect Season. 15 Siege aus 16 Saison-Spielen sind jedoch wenig bis gar nichts wert, wenn man gleich im ersten Playoff-Match rausfliegt. Genau diesem Druck gilt es gegen eine der erfahrensten Postseason-Mannschaften der NFL-Gegenwart standzuhalten. Das Rüstzeug hat das Team aus North Carolina. QB Cam Newton ist der designierte MVP dieser Saison und als Dual-Threat (durch die Luft und als Läufer) ein schwer zu verteidigender und vor allem unberechenbarer Joker, den die gegnerische Defense bei jedem einzelnen Spielzug im Auge haben muss. Von seinen Anspielstationen ist sicherlich Tight End Greg Olsen die versierteste, doch auch wenig glamouröse Passempfänger wie Ted Ginn Jr., Jerricho Cotchery oder Devin Funchess haben im System von OC Mike Shula ihre Wertigkeit unter Beweis gestellt. Entscheidend wird, wie stark RB Jonathan Stewart nach seiner Verletzungspause zurückkehrt. Die Panthers-Defense ist jener der Seahawks nicht unähnlich. Interessant wird, wie man der Flexibilität von Seattle-QB Russell Wilson begegnet. Mit den Linebacker-Stars Luke Kuechly und Thomas Davis verfügt Carolina über Athleten mit der notwendigen Schnelligkeit und Härte, um sowohl Wilson und seine "Ausflüge" im Auge zu haben, als auch als Gegenmittel gegen das Laufspiel zu dienen.

Seattle hat im Oktober zu Hause gegen Carolina verloren. Für viele Beobachter war dies die "Geburtsstunde" dieser Panthers-Saison - jene Aufholjagd, nach der man Newton und Co. endgültig in die Riege der Titelanwärter aufnehmen konnte. Der Revanche-Charakter resultiert allerdings auch aus dem Playoff-Duell in der Vorsaison, als die Seahawks - ebenfalls in der Divisional-Round - vor eigenem Publikum die Oberhand behielten. Die Vorzeichen haben sich jedoch nicht nur aufgrund des gewechselten Heimrechts (letzte Heimniederlage der Panthers: November 2014) geändert. Damals qualifizierte sich Carolina als Underdog für die Playoffs und hatte nichts zu verlieren. Dies hat sich definitiv geändert. Die Seahawks wissen indes aus den vergangenen Playoff-Jahren, die sie weitestgehend erfolgreich absolviert haben, wie sie mit Challenges wie dieser umzugehen haben und können dabei auf gewohnte Stärken vertrauen. Die Defense mag schon mal furchteinflößender gewesen sein, eine der allerbesten der Liga ist sie jedoch immer noch. Wilson ist inzwischen ein viel kompletterer QB, der sich nicht nur auf seine Füße verlassen kann, sondern in Kombination mit seiner bevorzugten Anspielstation Doug Baldwin auch als Passer gereift ist. Bleibt das Laufspiel als Fragezeichen. Feiert Marshawn Lynch sein Comeback? Ist es wieder Zeit für den "Beast Mode"? Trainiert hat der Running Back unter der Woche, aber seit den Wild-Card-Games, als er trotzdem kurzfristig absagte, wissen wir, dass dies nichts heißen muss. Unter dem Strich ist Seattle ein Team, gegen das trotz der schweren Geburt gegen die Vikings kaum ein Gegner spielen möchte. Auch die Kälteschlacht in Minneapolis bewies zudem, welche Überlebenskünstler die Seahawks sein können.

DIE PICKS

Peter Altmann: 26:23 SEA

Bernhard Kastler: 30:27 SEA

Denver Broncos (1) vs. Pittsburgh Steelers (6) - So., 22:40 Uhr

  • Geht der Peyton-Manning-Schachzug auf?
Ein letztes Mal Manning-Mania? Dass die lebende, aber etwas altersschwache QB-Legende für die Playoffs als Starter der Broncos zurückkehrt, ist natürlich die Geschichte dieses Matchups - dicht gefolgt von den Personalsorgen bei den Steelers. Hat es Manning noch drauf? Die Eindrücke aus der Zeit vor seiner Verletzungspause wecken Zweifel, andererseits fand Denver dennoch Wege, um zu siegen. Und dies ist der Punkt: Das Team von Head Coach Gary Kubiak kennt auch andere Wege als einen aufgeigenden Spielmacher, um einen Gegner niederzuringen. Die Defense ist top, der Pass Rush von Von Miller und Demarcus Ware wird den Steelers Sorgen bereiten, die Secondary bietet mit Chris Harris und Aqib Talib zwei Könner. Funktioniert zusätzlich auch noch das Laufspiel - und das tat es nicht immer in dieser Saison -, könnte weniger Verantwortung auf Manning liegen. Die Defense der Steelers ist jedoch nicht zu unterschätzen. Vor der Saison galt sie als großes Sorgenkind, doch DC Keith Butler hat einen guten Job gemacht und sie auf ein vernünftiges Niveau gecoacht. Butler setzt gerne auf Schemata mit viel Druck auf den gegnerischen QB, was Manning nicht gerade liegt.
 
Die neben Manning größte Frage dieses Duells ist, mit wem es Denver überhaupt zu tun bekommt. Also mit welchen Pittsburgh-Spielern. Denn die Verletzungssorgen sind riesige. QB Ben Roethlisberger sollte zwar auflaufen können, aber die in der Wild-Card-Schlacht in Cincinnati erlittene Schulterverletzung könnte ihn extrem einschränken. Antonio Brown, der derzeit vielleicht beste Receiver der Liga, fällt nach seiner Gehirnerschütterung nach der Attacke von Vontaze Burfict definitiv aus - gerade sein Fehlen ist kaum zu kompensieren. Schon eher verkraftbar wäre es, wenn RB DeAngelo Williams erneut passen müsste. Fitzgerald Toussaint und Jordan Todman haben bei den Bengals einen soliden Job abgeliefert. Letztlich muss man wohl abwarten, wer erstens aufläuft und wie fit diese Herrschaften zweitens sind. In Bestbesetzung hätte diese Steelers-Offense allemal das Potenzial, die starke Broncos-Defense mehr als zu fordern - schlechter als beim 27:34 in Pittsburgh kurz vor Weihnachten sah sie die ganze Saison kaum aus. Zudem sei vermerkt, dass Broncos-Steelers immer wieder für einen Playoff-Klassiker gut ist, man denke nur an einen Herrn namens Tim Tebow und seine Overtime-Granate auf Demaryius Thomas. Insgesamt ist es bereits der achte Postseason-Showdown dieser beiden Franchises.
 
DIE PICKS
 
Peter Altmann: 16:14 DEN
 
Bernhard Kastler: 13:7 DEN
 
 

Peter Altmann

Wer gewinnt Super Bowl 50?

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