Geliebter Feind

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Sportlich läuft es für Robert Beric derzeit bei St. Etienne passabel, abseits des Rasens hat der Ex-Rapidler nun den Unmut der Fans auf sich gezogen.

Der dreifache Saisontorschütze des Rekordmeisters erklärt gegenüber "Ekipa24" aus Slowenien, dass er sich mit seiner neuen Heimat nur schwer anfreunden könne. 

"St. Etienne ist am Abend wie ausgestorben. Es ist eben eine Industriestadt. Ich weiß nicht, wo ich abends hingehen soll", sagt Beric und geht sogar noch einen Schritt weiter.

Er und seine Kollegen würden sich nur selten in der Stadt aufhalten und lieber woanders ihre Freizeit verbringen: "Ich fahre lieber nach Lyon, dort gibt es viele Restaurants und Nachtklubs."

Arbeiter-Hochburg gegen Bourgeoisie

Spätestens nach diesem Satz war bei einigen Anhängern der "Verts", also der Grünen, Schluss mit lustig. Denn kein Klub und damit keine Stadt ist wohl unbeliebter beim Anhang von St. Etienne als Lyon.

Olympique und die AS tragen seit 1951 das sogenannte "Derby Rhone-Alpes" aus, das in Frankreich schlicht auch nur "Le Derby" genannt wird.

Dessen Brisanz liegt, abgesehen davon, dass es sich um zwei Klubs mit ausgeprägten Fanszenen handelt, auch im Unterschied der beiden Städte. Während St. Etienne als Arbeiter-Hochburg gilt, ist Lyon vom Mittelstand geprägt.

Das jüngste Aufeinandertreffen fand Anfang Oktober statt. Lyon gewann mit 2:0, Beric musste nach 45 Minuten angeschlagen vom Feld und konnte auch im WM-Quali-Doppel für Slowenien gegen die Slowakei (1:0) und England (0:0) nicht spielen.

VIDEO: Die Highlights des prestigeträchtigen Derbys zwischen Lyon und St. Etienne: | Artikel wird darunter fortgesetzt



Zum Slowenen scheint sich die herzliche Abneigung der beiden Vereine gegenüber dem jeweils anderen offenbar dennoch noch nicht herumgesprochen zu haben. Für französische Medien waren die Äußerungen des früheren Rapid- und Sturm-Angreifers ein gefundenes Fressen.

Blog schreibt Stadtführer für Beric

Kreativ wies die Fansite "envertecontretous.fr" ("Grün gegen alle") Beric zurecht. Unter dem Artikel: "Es gibt in St. Etienne viel zu erleben, Robert", wurden ihm diverse Attraktionen in St. Etienne nähergebracht.

Gleichzeitig legte man ihm auch augenzwinkernd nahe, dass er bei den Aktivitäten in St. Etienne sein Französisch aufbessern könnte.

Damit habe er nämlich seine Probleme, wie Beric selbst zugibt. Auf die Frage, ob es denkbar sei, dass er seine Karriere in Frankreich beendet, meint der 25-Jährige: "Der Süden des Landes ist schön, aber aufgrund der Sprache kann ich mir das nur schwer vorstellen."

"In Österreich ist das Leben organisierter"

Dabei wären sich die Slowenen und die Franzosen gar nicht so unähnlich: "In Österreich ist das Leben viel organisierter mit der ganzen Disziplin. In Frankreich ist das anders. Da wird viel improvisiert. Das ist ähnlich wie bei uns."

Beric und Frankreich - das mag vielleicht noch nicht die ganz große Liebe sein, einen weiteren Karriereplan habe der Stürmer aber noch nicht geschmiedet:

"Ich hasse es, Pläne zu machen, weil sie zumeist sowieso nicht so eintreten wie man sich das vorstellt."

 

Andreas Terler


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