Tottenham: Das Rätsel um Kevin Wimmer

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Die Situation ist paradox.

Vor der Saison wurde Kevin Wimmer bei Tottenham für seine starken Leistungen mit einem neuen Vertrag belohnt. Nun saß er in den ersten fünf Liga-Spielen aber nicht einmal auf der Bank.

Nicht nur österreichische Anhänger fragen sich deswegen, was da los ist. "Immer, wenn er spielte, hat er die Fans extrem beeindruckt", meint Tottenham-Insider Alasdair Gold. "Umso größer war der Schock, als er in den ersten fünf Saisonspielen nicht einmal mehr auf der Bank Platz nahm."

 Teenager hat Wimmer den Rang abgelaufen

Der Journalist des Lokalblattes "Hertfordshire Mercury" kennt die Hintergründe, die zur Degradierung führten. Sie haben mit einer Muskelverletzung zu tun, wegen der Wimmer erst spät in die Vorbereitung einstieg. 

"Er hat auf der Sommer-Tour des Klubs einige Spiele verpasst. Da ist Cameron Carter-Vickers für ihn eingesprungen. Der hat bei Trainer Mauricio Pochettino mächtig Eindruck hinterlassen."

Cameron wer? Der 18-jährige US-Amerikaner ist jener Spieler, der Wimmers Platz auf der Spurs-Bank einnahm. In der Innenverteidiger-Hierarchie steht das Abwehr-Talent momentan vor dem Oberösterreicher.

Pochettino begründet Wimmers Situation

Carter-Vickers hat es Pochettino angetan. "Wenn man sich die Testspiele gegen Atletico, Juventus und Inter ansieht, denke ich, dass er sich sogar einen Stammplatz verdient hätte", sagt der Argentinier. "Er hat es sich verdient, auf der Bank zu sitzen. Warum auch nicht? Nur weil er jung ist? Es geht um die Leistung."

Eine klare Ansage. In der Gunst des Coaches hat der Teenager Wimmer den Rang abgelaufen. "Kevin hat in der Vorbereitung erst spät mittrainiert. Er spielte in Australien nicht, während Cameron seine Sache gut gemacht hat", so der Spurs-Trainer.

Experte Gold vermutet allerdings noch ein zweites Motiv hinter Pochettinos Entscheidung. Demnach fällt Wimmer zur Last, dass er im Gegensatz zu Carter-Vickers Linksfuß ist.

Es gibt einen weiteren Grund

Denn mit dem nominellen Außenverteidiger Ben Davies gibt es auf der Tottenham-Ersatzbank bereits einen Spieler, der im Notfall als linker Part im Abwehrzentrum einspringen kann. "Davies hat bei der EURO mit Wales bewiesen, dass er diese Position ausfüllen kann. Mit ihm und Rechtsfuß Carter-Vickers auf der Bank ist Pochettino für beide Innenverteidiger-Rollen abgesichert. Da besteht kein Bedarf für Wimmer."

Zuletzt saß der Ex-Kölner gegen Middlesbrough erstmals in dieser Premier-League-Saison auf der Bank. Beim 5:0 im League Cup gegen Gillingham unter der Woche sammelte er die ersten Spielminuten in dieser Saison. Neben ihm gab dabei Jungspund Carter-Vickers sein Profi-Debüt. Das belgische Stamm-Duo aus Jan Vertonghen und Toby Alderweireld, das auch beim letzten Spiel (siehe Video) zum Einsatz kam, erhielt eine Pause.  

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Verzwickte Situation

Ansonsten rotiert Pochettino aber nur ungern in der Abwehr. Der Journalist meint: "Schon letztes Jahr war nicht zu erwarten, dass Wimmer oft spielen würde. Während Vertonghens Verletzungspause hat er jedoch seinen Qualitäten unter Beweis gestellt. Er ist ein exzellenter Verteidiger, der auch gut mit dem Ball umgehen kann."

Insgesamt kam der 23-jährige ÖFB-Nationalspieler bisher trotz hochkarätiger Konkurrenz auf 22 Einsätze für Tottenham. Heuer kommen zudem die Champions-League-Strapazen hinzu.

Nichtsdestoweniger schaut es für Wimmers Stammplatz-Avancen derzeit schlecht aus. Vertonghen (29) und Alderweireld (27), die beide noch lange nicht zum alten Eisen gehören, sind unumstritten. Zusätzlich sitzt ihm nun Carter-Vickers im Nacken. Die Wechsel-Gerüchte, die im Sommer um seine Person auftauchten, kamen nicht von ungefähr. Gold glaubt dennoch, dass ein Transfer keine realistische Option war. "Außer es wäre ein wirklich großes Angebot für ihn eingetrudelt."

So besitzt Wimmer bei den Spurs nun zwar einen langfristigen und wohl auch gut dotierten Vertrag bis 2021, mit seiner sportlichen Situation kann er dennoch nicht rundum zufrieden sein. Er wird weiterhin auf seine Chance warten müssen. Im Fußball kann es oft sehr schnell gehen. Das ist seine Hoffnung.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang»
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