"Hatte bei Austria ein gutes Bauchgefühl"

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Seit Ende Juni trägt Petar Filipovic das Austria-Trikot.

Der Deutsch-Kroate soll den abgewanderten Vance Shikov in den Innenverteidigung ersetzen und gilt als absoluter Wunschspieler von Trainer Thorsten Fink.

Als das Angebot der Austria bei ihm eintrudelte, musste der 25-Jährige nicht lange überlegen. „Mir war schnell klar, dass ich das machen will“, erklärt er.

Denn: „Ich habe mir in den Kopf gesetzt, dass ich entweder zu einem österreichischen Topklub oder zurück nach Deutschland gehe.“

Obwohl zuletzt Klubs aus seiner Heimat anklopften,  habe das „bessere Bauchgefühl“ für die Wiener gesprochen.

Im LAOLA1-Interview spricht Filipovic über seinen neuen Arbeitgeber, blickt auf seine Zeit bei St. Pauli zurück und erklärt, was er im Nachhinein in seiner Karriere anders machen würde.


Rieds Neue machen sich startklar:


LAOLA1: Von Ried nach Wien. Petar, wie ist der Transfer zustande gekommen?

Petar Filipovic: Die Austria hat schon längere Zeit Interesse bekundet. Als ich davon erfahren habe, war mir schnell klar, dass ich das machen will. Danach mussten sich nur mehr die beiden Vereine einigen. Das hat eine gewisse Zeit gedauert, wobei es schlussendlich eigentlich schnell gegangen ist. Ich möchte mich an dieser Stelle bei der SV Ried bedanken. Der Verein hat mir keine Steine in den Weg gelegt.

LAOLA1: Du hattest eine gute Zeit in Ried. Ich nehme an, es wird daher auch ein weinendes Auge beim Abschied gegeben haben.

Filipovic: Ried hat mich vor eineinhalb Jahren super aufgenommen. Es war alles so, wie ich es mir vorgestellt habe. Es zeugt von Menschlichkeit und Korrektheit, dass sie mir so entgegengekommen sind – ich war ja eine Stütze der Mannschaft. Es fiel dem Klub sehr schwer, mich gehen zu lassen, deshalb bin ich glücklich, dass Ried von dem Transfer profitieren konnte.

LAOLA1: Austria ist ein Topklub in Österreich. Der Wechsel dorthin daher der nächste logische Schritt für dich?

Filipovic: Auf jeden Fall. Sie gehören neben Red Bull Salzburg und Rapid zu den Top Drei. Egal in welcher Liga – man strebt immer danach, bei den Topvereinen zu spielen.

LAOLA1: Im Winter gab es Interesse von Sparta Prag. Warum ist es zu keinem Engagement gekommen?

Filipovic: Es gab ein paar Vereine, die dran waren, die Interesse zeigten – aus verschiedenen Ligen. Ich habe mir aber in den Kopf gesetzt, dass ich entweder zu einem österreichischen Topklub oder zurück nach Deutschland gehe. Daher habe ich mich mit den anderen Auslands-Angeboten nicht beschäftigt. Ich erhielt etwa aus der Türkei, oder aus der Schweiz einen Anruf, aber das war im Winter kein Thema. Damals ist Oliver Kragl gegangen und daher hätte mich  Stefan Reiter für keine noch so hohe Ablösesumme gehen lassen.

LAOLA1: Motiviert es oder ist es eher ein Druck, wenn zahlreiche Vereine Interesse zeigen und dich beobachten lassen?

Filipovic: Es ist ganz klar positiv, denn es spiegelt die eigene Leistung wider. Und wenn man das Feedback bekommt, dass man unter Beobachtung steht, zeugt es nur von der eigenen Qualität.

LAOLA1: Hattest du im Sommer noch andere Angebote vorliegen?

Filipovic: Es gab ein paar Sachen aus Deutschland, ich habe aber die Austria vorgezogen, weil ich da ein besseres Bauchgefühl hatte. Deswegen bin ich auch sehr glücklich, dass der Transfer über die Bühne gegangen ist.

LAOLA1: Während in Ried eine Dreierkette praktiziert wurde, wird bei der Austria mit Viererkette agiert. Ist das eine große Umstellung?

Filipovic: Im Spielaufbau ist es relativ ähnlich. Wenn sich der defensive Mittelfeldspieler zwischen uns Innenverteidiger fallen lässt, machen wir den Aufbau auch mit einer Dreierkette. Daher denke ich, dass es sehr ähnlich sein wird. Es wird kein Problem geben.

"Ich bin hingegangen, ohne zu wissen, wie dort die Bedingungen aussehen... Mir hat einfach die deutsche Mentalität gefehlt. In Kroatien läuft es ganz anders und damit bin ich nicht wirklich zurechtgekommen."

Filipovic über seine Zeit in Kroatien

LAOLA1: Angefangen hat für dich alles bei St. Pauli. Du bist von der Jugend über diverse Nachwuchsteams zu den Profis gekommen. Wie war diese Zeit?

Filipovic: St. Pauli ist ein richtiger Kultverein. Zu meiner Zeit hatten wir eine echt tolle Jugendarbeit. Ich kann nichts Negatives über den Klub sagen. Ich war ab meinem elften oder zwölften Lebensjahr dort tätig. Bei der ersten Mannschaft verlief es leider etwas unglücklich. Ich bin unter Holger Stanislawski hoch gekommen. Es wollte mich unbedingt oben haben, deswegen habe ich einen Profi-Vertrag unterschrieben – leider ist er kurz danach nach Hoffenheim gegangen. Es kam ein neuer Trainer und daher anders als geplant. Ich war jung, es herrschte innerhalb des Klubs großer Druck… Im Nachhinein schade.

LAOLA1: Ab Sommer 2012 warst du bis Ende Oktober vereinslos, bist dann nach Kroatien zu Cibalia gegangen. Was ist passiert?

Filipovic: Es war im Nachhinein ein Fehler dorthin zu gehen, aber man kann es vorher nicht wissen. Nachdem ich bei St. Pauli den Profivertrag unterschrieben habe, kam eben ein neuer Trainer und ich wurde nur in der zweiten Mannschaft eingesetzt. Dazu habe ich mich gegen Saisonende auch noch verletzt. Ich konnte überhaupt nicht trainieren, weshalb mein angedachter Wechsel zu einem anderen Klub nicht zustande kam. Dann stand ich ohne Verein da. Es war eine katastrophale Zeit. Warum ich dann in die kroatische Liga gewechselt bin? Ich habe einmal ein U21-Freundschaftsspiel in Kroatien bestritten. Da war auch der Präsident von Cibalia anwesend. Sie sind dann über Umwege an mich herangekommen und haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ein, zwei Jahre in Kroatien zu spielen. Zuerst habe ich abgesagt, weil ich in Deutschland bleiben wollte, aber nach ein paar Wochen, wo alle Vereine schon mit der Vorbereitung begonnen haben und ich immer noch nicht trainieren konnte, habe ich zugesagt. Ich bin hingegangen, ohne zu wissen, wie dort die Bedingungen aussehen. Der Verein ist dann abgestiegen. Ich wollte aber nicht in der zweiten Liga in Kroatien spielen. Dann hat sich Slaven Belupo gemeldet, ein wesentlich struktureller geführter Klub, der damals Dritter wurde, nur knapp die EL-Quali verpasste und in Kroatien recht anerkannt ist. Dort ist es zu Beginn auch gelaufen, aber mir hat einfach die deutsche Mentalität gefehlt. In Kroatien läuft es ganz anders und damit bin ich nicht wirklich zurechtgekommen.

LAOLA1: Was erwartest du dir jetzt bei der Austria?

Filipovic: Ich möchte mich durchsetzen und Stammspieler werden. Ich glaube, die Austria kennt meint Qualitäten, sonst hätte sie mich nicht verpflichtet. Die Mannschaft ist im Großen und Ganzen zusammengeblieben, hat ein riesengroßes Potenzial. Ich denke, wir können ganz oben mitspielen.

LAOLA1: Apropos ganz oben mitspielen. Die Erwartungshaltung ist in Wien viel höher als in Ried. Musst du dich darauf einstellen?

Filipovic: Als Fußballer hat man immer Druck, egal ob es gegen den Abstieg, um die Meisterschaft oder einen Platz im Tabellenmittelfeld geht. Ich sehe das positiv. Wenn man ganz ohne Druck spielt, fehlt etwas. Ein positiver Druck gehört dazu. Damit habe ich kein Problem.


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