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Sommer-Check 2016/17: SK Sturm Graz

Mit vielen neuen Gesichtern will Sturm einen Europacup-Platz zurück.

Sommer-Check 2016/17: SK Sturm Graz

Es ist Sommer in Graz, es ist der Neustart nach der Enttäuschung.

In der Vorsaison hat der SK Sturm sein Ziel nicht erreicht, nun soll mit einem runderneuerten Kader wieder ein internationaler Startplatz her.

Die freudige Erwartung in der Steiermark hält sich aber in Grenzen. Das liegt nicht nur am personellen Umbau, sondern auch an der von den Fans mehr als zäh empfundenen Spielzeit 2015/16, in der Sturm gerade in der Offensive die Erwartungen nicht erfüllen konnte.

Das wirkte sich auch negativ auf Zuschauerzahlen aus, selbst der harte Kern hatte zwischenzeitlich genug und stieg aufgrund mehrfach angeprangerter Versäumnisse der letzten Jahre auf die Barrikaden.

Mit der Verpflichtung von Günter Kreissl als neuen sportlichen Geschäftsführer wurde ein Wunsch der Nordkurve erhört und der frührere "Mann für Alles" beim SC Wiener Neustadt ging sofort tatkräftig ans Werk.

Ist Sturm heuer wieder ein ernstzunehmender Kandidat für die vorderen Tabellenplätze oder wartet ein schwierigies Jahr auf die "Blackies"?

Hier die LAOLA1-Vorschau für den SK Sturm Graz.

ZUGÄNGE ABGÄNGE
Daniel Lück (Energie Cottbus) Tanju Kayhan (Göztepe)
Christian Schulz (Hannover 96) Christian Klem (WAC)
Philipp Huspek (Rapid Wien) Thorsten Schick (YB Bern)
Stefan Hierländer (RB Leipzig) Wilson Kamavuaka (Unbekannt)
Deni Alar (Rapid Wien) Danijel Klaric (Unbekannt)
Uros Matic (NAC Breda) Daniel Offenbacher (WAC)
Fabian Koch (Austria Wien) Michael Esser (SV Darmstadt)
Marc-Andre Schmerböck (WAC/Leih-Ende) Anastasios Avlonitis (Olympiakos/Leih-Ende)
  Benjamin Rosenberger (WAC/Leihe)
  Donis Avdijaj (Schalke/Leih-Ende)

Alle Mannschaftsteile wurden bei Sturm umgekrempelt. Angefangen von der Torhüterposition über den Abwehrchef bis hin zum Angriff.

Kreissl, der nach seinem Amtsantritt bei einigen Stammspielern das Feuer vermisste, ließ Worten Taten folgen. So durften sich unter anderem Stammspieler wie Offenbacher, Klem oder Schick neue Arbeitgeber suchen.

Nicht alle Abgänge waren geplant, allerdings spielten auch gewisse finanzielle Vorgaben eine Rolle. Bei dem einen oder anderen stimmten die Gehaltsvorstellungen laut Kreissl nicht mit der zuvor gezeigten Leistung überein, weshalb es zur Trennung kam.

Geld gab Sturm auch bei der Nachbesetzung keines aus, alle acht Neuzugänge wechselten ablösefrei an die Mur. Die Neuen verfügen allesamt über Erfahrung, kaum einer zählte aber zuletzt zum Stammpersonal beim jeweiligen ehemaligen Arbeitgeber.

Im Gespräch mit LAOLA1 zeigt sich Trainer Franco Foda dennoch zufrieden: "Wir haben Stammspieler abgegeben, aber Spieler bekommen, die gut und interessant sind. Hierländer, Schulz und Lück sind spät gekommen, sie brauchen noch etwas Zeit. Die anderen haben sich gut integriert."

Bis sich eine schlagkräftige Truppe gefunden hat, dürfte man sich noch etwas gedulden müssen. "Wenn du eine komplett neue Mannschaft auf die Beine stellen willst, bei der alles harmonisch abläuft, brauchst du Zeit. Ich weiß, dass man die oft nicht hat. Wir müssen schnell versuchen, dass dieses Team funktioniert. Ich bin überzeugt, dass uns das gelingen wird", meint Foda.


Die LAOLA1-Dreierkette über Sturm Graz:


WUNSCHELF & KADERBEWERTUNG:

TOR: 

Alles auf Anfang lautet das Motto im Tor. Mit Michael Esser hat der - von der LAOLA1-Redaktion gewählte - beste Tormann der Vorsaison den Klub verlassen. Die Suche nach einem Nachfolger zog sich in die Länge. Die Causa Dmitrovic erwies sich letztlich als zu heikel, zudem wäre nur ein Leihgeschäft machbar gewesen. Das kam für Sturm nicht infrage, weshalb Kreissl Daniel Lück aus dem Hut zauberte, der zuletzt in der 3. Liga in Deutschland bei Cottbus unter Vertrag stand. Durch diesen späten Transfer geht Christian Gratzei als Nummer eins und Kapitän in die Saison. Im Vorjahr hatte er nur einen einzigen Einsatz im Cup. Die Hoffnungen ruhen auf lange Sicht gesehen auf zwei ÖFB-Teamkeepern: Tobias Schützenauer (U19) und Fabian Ehmann (U18). "Wir haben jetzt mit Lück und Gratzei zwei erfahrene Torleute, die beiden Jungen können sich in Ruhe entwickeln", sagt Foda gegenüber LAOLA1. Beide sollen genug Zeit bekommen. "Das Ziel muss sein, dass in den nächsten ein bis drei Jahren ein Tormann aus der Akademie spielt."

LAOLA1-Bewertung: Oldie Gratzei muss nach einem Jahr auf der Bank erst einmal wieder in einen Rhythmus kommen, gleichzeitig soll sich der bis dato unbekannte Lück möglichst schnell integrieren und dann wohl übernehmen. Für beide Jung-Keeper heißt es bitte warten und entwickeln. In Summe Liga-Durchschnitt, aufgrund des Angebots von vier Keepern aber etwas besser als dieser.

ABWEHR:

Ein Routinier soll im Abwehrzentrum künftig das Sturm-Spiel dirigieren: Christian Schulz (33) kam ablösefrei von Bundesliga-Absteiger Hannover 96 und ist damit der Ersatz für Anastasios Avlonitis. Er dürfte, sobald er das gewünschte Fitness-Level erreicht hat, neben Lukas Spendlhofer gesetzt sein. Zu Saisonbeginn wird damit ÖFB-U21-Spieler Christian Schoissengeyr zum Zug kommen. "Er hat seine Sache in der Vorbereitung über weite Strecken gut gemacht", sagt Foda und streicht die wenigen Gegentore bei Testspielen hervor. Innenverteidiger Nummer vier ist mit Dario Maresic ein hochtalentierter, aber mit 16 Jahren noch sehr junger Mann. Auf der rechten Seite gibt es mit Fabian Koch neue Konkurrenz für Marvin Potzmann. Der Ex-Austrianer hatte aber in der letzten Phase der Vorbereitung mit muskulären Problemen zu kämpfen und ist erst vier Tage vor dem Liga-Start wieder ins Training eingestiegen. Links hat Charalampos Lykogiannis seinen Platz wohl sicher, sein Backup ist mit Lukas Skrivanek (19) ein weiteres junges Talent. "Wir haben als Backupspieler sehr junge Leute. Wenn es sein muss, werde ich auch diese Spieler spielen lassen. Davor habe ich keine Angst", sagt Foda.

LAOLA1-Bewertung: Es wird noch dauern, bis sich die Defensive gefunden hat. Mit Schulz scheint man aber einen guten Fang gemacht zu haben, der über reichlich Erfahrung auf Top-Niveau verfügt. Die Außenverteidiger müssen erst konstant performen, was in der Vorsaison nicht der Fall war.

MITTELFELD: 

Nicht weniger als zwölf Spieler stehen Foda im Mittelfeld zur Verfügung. Je nach Grundausrichtung gilt es vier bis fünf Positionen zu besetzen. Besonders zentral wird ein großer Konkurrenzkampf erwartet. Königstransfer im Mittelfeld ist Uros Matic, Bruder von Chelsea-Star Nemanja. Der 26-Jährige hat gegen Stadlau seine gute Technik bewiesen und Ruhe am Ball gezeigt. Ebenfalls neu ist Stefan Hierländer von RB Leipzig, der aber, wie Schulz, noch etwas Zeit benötigt. Neben Matic darf sich daher wohl James Jeggo zu Saisonbeginn beweisen. Nach einem Eingewöhnungs-Frühjahr zählte er in Stadlau zu den wenigen Aktivposten und steuerte den Assist zum 1:0 bei. Sandi Lovric wurde aufgrund der Hierländer-Verpflichtung doch für die U19 abgestellt und durfte EURO-Luft schnuppern, er will nach acht Liga-Einsätzen in der Vorsaison mehr. Am Weg zurück, allerdings von einem Kreuzbandriss, befindet sich Simon Piesinger. Auf den offensiveren Positionen gibt es mit Marc Andre Schmerböck einen Rückkehrer, der im vergangenen Frühjahr beim WAC aufzeigen konnte. Ebenfalls links will der um ein Jahr jüngere Andreas Gruber den nächsten Schritt machen. Kristijan Dobras wurde zuletzt von einer Verletzung gebremst. Auf der rechten Seite soll Neuzugang Philipp Huspek den abgewanderten Thorsten Schick ersetzen. Zentral hat der im Frühjahr immer mehr überzeugende Sascha Horvath beste Chancen, seine Konkurrenz heißt Marko Stankovic. Mit Romano Schmid (16) wartet ein offensiv universell einsetzbares Top-Talent auf seine erste Chance.

LAOLA1-Bewertung: Sturm hat mehrere Möglichkeiten im Mittelfeld und die Neuzugänge haben Potenzial, noch muss man aber erst eine Einheit werden. Über Außen braucht man mehr Druck. Hier müssen neue Spieler wie Huspek erst zeigen, dass sie ein Upgrade zu den Kaderspielern der Vorsaison sind.

ANGRIFF: 

Bei Rapid wurde er nicht mehr benötigt, bei Sturm soll er zu alter Stärke finden: Deni Alar ist die einzige Verstärkung im Angriff der Schwarz-Weißen und könnte dafür sorgen, dass man künftig wieder öfter mit zwei Sturmspitzen spielen wird. Bright Edomwonyi will an seine Frühjahrs-Form mit sechs Treffern anschließen, die ersten Pflichtspiel-Tore der Saison gingen aber beide auf das Konto von Routinier Roman Kienast.

LAOLA1-Bewertung: Sturm tat sich beim Toreschießen in der Vorsaison verdammt schwer, bislang verspricht auch die Verpflichtung von Alar keine Besserung. In neun Tests trafen die Grazer leidiglich elf Mal, mit Edomwonyi nur ein einziger der drei Stürmer doppelt. Die Flaute scheint sich bisher fortzusetzen.

TRAINER: 

Die Euphorie aus dem Sommer 2015 ist längst verflogen. Damals wurde der Kader nach den Wünschen von Franco Foda nachbesetzt, der frühere Libero konnte aber keine Konstanz ins Team bringen. Nach den Abgängen von Leistungsträgern wie Madl und Hadzic wurde das Saisonziel Europacup verpasst. Zunehmende Kritik ließ der 50-Jährige abprallen, die beim Comeback verkündete persönliche Weiterentwicklung war öffentlich kaum zu bemerken. Mit einem runderneuerten Kader muss Foda viel Überzeugungsarbeit leisten. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Vereinsverantwortlichen. Immerhin befindet er sich im letzten Jahr seines aktuell laufenden Vertrages.

LAOLA1-Bewertung: Taktisch konnte Sturm in der Vorsaison keinen Gegner so wirklich überraschen, im Bundesliga-Vergleich fällt Foda hier angesichts seines zur Verfügung stehenden Personals weiter ab. Defensive Ordnung vermag der Deutsche schnell herstellen, gefragt ist der nächste Schritt im Offensivspiel, damit am Ende mehr als Platz fünf herauskommt.

MANAGER-SCHNÄPPCHEN:

Im Frühjahr schaffte es Austro-Australier James Jeggo noch selten in den Kader. In der Sommer-Vorbereitung setzte Foda ihn aber oft ein und in Stadlau stand er in der Startelf. Auch gegen Red Bull Salzburg hat der zentrale Mittelfeldspieler gute Chancen auf die erste Elf. Im Manager ist er für 5,80 Millionen zu haben.

SO TIPPT DIE LAOLA1-REDAKTION:

Altmann Prantl Wechtl Karper Kastler Terler Nemetz Faber
1. Salzburg Salzburg Salzburg Salzburg Salzburg Salzburg SK Rapid Salzburg
2. SK Rapid SK Rapid SK Rapid SK Rapid SK Rapid SK Rapid Salzburg SK Rapid
3. Austria Austria Austria Austria Austria Austria Admira Austria
4. Sturm Graz Sturm Graz Sturm Graz Sturm Graz Sturm Graz WAC Austria WAC
5. WAC Altach Admira Admira Admira Admira WAC Admira
6. SV Ried WAC WAC St. Pölten WAC Sturm Graz Sturm Graz Altach
7. Admira Admira Altach WAC SV Ried St. Pölten Altach Sturm Graz
8. St. Pölten SV Ried St. Pölten Altach Altach Altach St. Pölten SV Ried
9. Altach St. Pölten SV Ried SV Ried St. Pölten SV Ried SV Ried St. Pölten
10. Mattersburg Mattersburg Mattersburg Mattersburg Mattersburg Mattersburg Mattersburg Mattersburg

FAZIT:

Viele neue Gesichter, wenig Zeit und ein Publikum, das zurückgewonnen werden will. Sturm steht unter Druck. Noch so eine unkonstante Saison will in Graz niemand sehen. Allerdings wäre es zu viel verlangt, umgehend Wunderdinge zu erwarten, dazu ist der fertige Kader erst zu kurz beisammen. Platz vier muss das Ziel sein, mehr wäre unrealistisch. Wie schwer es ist, diesen zu erreichen, hat man in der Vorsaison ohnehin gesehen.

 

Andreas Terler

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