Olympia-Test: Gute Sportstätten, keine Stimmung

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Pyeongchang 2018, Tokio 2020, Peking 2022 - Olympia gibt sich den Asien-Hattrick!

Der gelbe der fünf Olympischen Ringe leuchtet in den nächsten Jahren heller denn je. Auch, weil der Gigantismus der Spiele in westlichen Demokratien kaum noch zu verantworten ist und die Bevölkerung den milliardenschweren Investitionen für die Ausrichtung Olympischer Spiele eine Absage erteilt.

Ein Jahr vor den Korea-Spielen unternimmt LAOLA1 einem Lokalaugenschein: Die Wettkampfstätten passen, die Stimmung nicht.

Steig ein, flieg mit: Was hat Korea zu bieten? Wie bereit ist Olympia 2018 ein Jahr vor den Winterspielen?

Alpen in Asien = Alpensia

Über zehn Stunden dauert der Flug von Mitteleuropa nach Seoul, der Zehn-Millionen-Einwohner-Metropole Südkoreas. Umgelegt auf Wien geht es dann per Auto gut zwei Stunden Richtung Südosten. Quasi nach Wiener Neustadt, weiter über den Semmering in die Steiermark und dort am Ende eines der vielen stark bewaldeten Seitentäler stehen die Olympia-Sportstätten. Wir befinden uns in Alpensia, dem modernsten Ski-Gebiet Koreas.

Hier befindet sich das Zentrum der XXIII. Olympischen Winterspiele. Binnen einer halben Stunde sind der Großteil der Sportstätten zu erreichen. Einzig die Speed-Events der Alpinen in Jeongseon erfordern eine größere Anreise. Der Schweizer Pistenbauer Bernhard Russi hat lange nach einer idealen Speedstrecke gesucht und sie zwei, drei Täler von Alpensia entfernt gefunden.

Loipen, Pisten, Schanzen und Eiskanal sind auf einer Seehöhe zwischen 300 bis 1.200 Meter angelegt. Retorten-Skiorte. Hotels, Plattenbauten, Sportgeschäfte, Fastfood-Lokale und ein Skigebiet in der Größe des Semmerings - Zauberberg plus Stuhleck, zirka 30 Pistenkilometer.

Wie bereits 2010 in Vancouver und 2014 in Sotchi finden die Winterspiele auch 2018 direkt am Meer statt.

Das Küstengebiet Gangneung mit seinen endlosen Sandstränden am Ostmeer beherbergt fünf große Hallen in denen im Eishockey, Short Track, Curling, Eiskunstlauf und Eissschnelllauf um Medaillen gekämpft wird.

Olympia für Nachtschwärmer

Der Zeitunterschied nach Korea beträgt acht Stunden. Olympia-Spiele für Nachtschwärmer. Alpine Abfahrten und Super-G finden - wie an diesem Wochenende bei den Damen um 3 Uhr in der Früh (Ortszeit 11 Uhr) statt. Langlauf, Biathlon und Skispringen werden in Pyeongchang am Abend ausgetragen, damit die Bewerbe hierzulande um die Mittagszeit im TV zur Mittagszeit konsumiert werden können.

Eine gewachsene Struktur ist nicht auszumachen, Gemütlichkeit und Apres Ski sucht man vergeblich. Der Winter-Tourismus steckt in den Kinderschuhen.

Südkorea ist stolz darauf, die Spiele im dritten Versuch (mit den Bewerbungen 2010 und 2014 waren die Koreaner gescheitert) endlich an Land gezogen zu haben. Nach den Sommerspielen 1988 in Seoul finden im Februar 2018 ca. 150 km von der Hauptstadt Seoul entfernt erstmals Winterspiele in Korea statt.

Das Land leidet unter der Teilung und hat es schwer, sich gegen die Wirtschafts- und Bevölkerungs-Giganten China und Japan in unmittelbarer Nachbarschaft zu behaupten. Sport-Großveranstaltungen sollen dazu dienen, dem Land ein neues Selbstwertgefühl zu verpassen und der Welt zu zeigen, was die Koreaner so alles drauf haben.

Winterspiele komplettieren Reigen der Großereignisse

Nach den Olympischen Sommerspielen 1988, der Fußball-WM 2002 in den Städten Busan, Daegu, Daejon, Gwangju und Incheon sowie der Leichtathletik-WM 2011 in Daegu, komplettieren nun die Winterspiele in Pyeongchang den Reigen der größten Sport-Events auf dem Planeten.

Die Olympischen Wettkampfstätten sind bereit. Kompetente Funktionäre und Freiwillige werden noch gesucht. Es fehlt an Fachwissen. Mit Sportarten wie Skeleton oder Biathlon kann kaum jemand im Land etwas anfange. Es gibt kein Verständnis für Ablauf und Rahmenbedingungen solcher Wettkämpfe. Die Olympia-Tests dienen zur willkommenen Vorbereitung.

Einige Eindrücke aus Pyeongchang - ein Jahr vor Olympia:

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Test-Events mit großem Lernfaktor

Die Vielzahl an Generalproben, die in diesen Wochen und Monaten im Olympischen Revier stattfinden, unterstreicht das. Snowboarder, Skispringer und Eiskunstläufer waren vor 14 Tagen in PeongChang. Die alpinen Speed-Damen und die Biathleten absolvieren aktuell ihre Weltcup-Bewerbe in Korea, die Bobfahrer kommen in zwei Wochen, Eishockey-Turniere der Damen und Herren folgen Anfang April.

Auch die Paralympic-Athleten nutzen den März und April, um die Pisten, Loipen und Hallen für die Vergabe des Edelmetalls bei Olympia 2018 zu testen.

Während die Wettkampfstätten für die Winterspiele fertig sind und alles bieten, was die Sportler brauchen, fehlt es in den Olympischen Zentren noch an Infrastruktur rund um die Austragungsorte sowie der Stimmung bei den Wettkämpfen.

Baseball und Fußball dominieren

Korea ist kein Wintersportland, der alpine und nordische Sport hat keine Tradition. Skifahren ist erst seit 30 Jahren bekannt und gilt als elitär. Mit Rodeln, Biathlon oder der Nordischen Kombination kann die Bevölkerung so gut wie gar nichts anfangen. Populärste Sportart in Südkorea ist Baseball gefolgt von Fußball, Volleyball, Basketball und Tischtennis.

Im Winter interessiert das 50-Millionen-Volk noch am ehesten Short Track und Eisschnelllauf. Um als Gastgeber bei den Olympia-Bewerben mit dabei zu sein, werden ausländische Sportler und Sportlerinnen eingebürgert. So wird bei Olympia zum Beispiel eine deutsche Rodlerin oder die Biathletin Ekaterina Avvakumova aus Russland für Korea starten. Weitere Einbürgerungen stehen auf der Liste des Nationalen Olympischen Komittes.

Herausforderung für Serviceleute

Für das Heer der Serviceleute wird Pyeongchang 2018 zu einer großen Herausforderung. Aufgrund der Nähe zum Meer finden die Bewerbe auf sehr feuchtem Kunstschnee statt. Dazu kommt ein eisiger, strenger Wind. Regenfälle wechseln mit Schneeschauern ab, die Temperatur-Schwankungen sind groß. Eiseskälte in der Nacht, frühlingshafte Bedingungen am Tag.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Olympia in Korea keinen übermäßig großen Charme besitzt.

Dafür sorgt die völlig unbekannte, aber hochinteressant Kultur für Abwechslung. Der Wintersport betritt in Pyeongchang Neuland. Die Koreaner jedenfalls wollen perfekte Gastgeber sein. Und sie werden spätestens dann, wenn es wirklich um Medaillen geht, auch für die notwendige Stimmung sorgen, um Olympia 2018 zu einem Erfolg werden zu lassen.

Alle Infos über die Olympia-Region bietetauch die Koranische Zentrale für Tourismus (www.visitkorea.or.kr)

Textquelle: © LAOLA1.at

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