ÖSV-Adler nach Debakel "am Tiefpunkt"

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Schlechter hätte das Jahr 2018 für Österreichs Skispringer kaum beginnen können.

Auf der zweiten Station der Vierschanzen-Tournee in Garmisch-Partenkirchen setzte es für die ÖSV-Adler ein historisches Debakel. Mit Gregor Schlierenzauer und Michael Hayböck schafften es nur zwei von sechs qualifizierten rot-weiß-roten Springern ins Finale. Die Plätze 19 und 20 bedeuteten das schlechteste Tournee-Abschneiden der Österreicher in Garmisch seit 1979, als Alfred Groyer ebenfalls 19. gewesen war.

"Es war ein rabenschwarzer Tag", brachte es ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin auf den Punkt. "Unsere Gemütslage ist am Tiefpunkt."

Unerwartete "Watschn"

Der Adler-Chef, der 2014 die Nachfolge von Erfolgs-Trainer Alexander Pointner antrat, hatte eine derartige "Watschn" nicht erwartet. "Wir waren vor zwei Wochen hier zum Trainieren und haben die Schanze damals frohen Mutes verlassen. Stefan hat damals sensationelle Spünge gezeigt. Es ist zum Haareraufen", sagte Kuttin.

Der Cheftrainer sah den Grund für das schlechte Abschneiden seines Teams in der fehlenden Lockerheit. Die Betreuer würden weiter hart arbeiten, in punkto Material habe man nichts verpasst. "Die Athleten haben nicht die letzte Lockerheit und sind zu aggressiv, das funktioniert auf dieser Schanze nicht. Es tut weh, unten stehen und zuschauen zu müssen", so Kuttin.

Der Kärntner wirkte direkt nach dem Wettkampf in Garmisch etwas ratlos. Von seinem Vorgänger musste er sich schon vor dem Springen öffentliche Kritik gefallen lassen.

Pointner-Kritik an Kuttin: "Da braucht man einen Chef"

"Es ist schon befremdend, wenn der Cheftrainer nicht selbst am Trainerturm steht, sondern sich von einem Co-Trainer vertreten lässt. Dabei kann es wie etwa in der Qualifikation von Oberstdorf, wo es mehrmals Verlängerungen und Verkürzungen im Anlauf gab, zu entscheidenden Situationen kommen. Da hätte etwas passieren können – und da braucht man da oben den Chef, der Verantwortung übernimmt", wird Alexander Pointner in der "Kleinen Zeitung" zitiert.

Der Tiroler erinnert an seine Zeit als Cheftrainer der "Superadler". Pointner habe schlechte Leistungen der Mannschaft "bewusst" auf sich genommen, "damit die Kritiker eine Adresse hatten, wo sie draufhauen können. Damit habe ich den Rest abgeschirmt. Heute ist das nicht so. Weil es keine Ansprechperson gibt, gehen Fragen, warum es im Team nicht läuft, an die Adresse von Kraft. Er muss Rede und Antwort stehen, obwohl das gar nicht seine Aufgabe ist. Das ist eine unnötige Belastung."

Dass Kraft die ganze Last alleine zu tragen hatte, musste auch Kuttin eingestehen: "Der Druck auf Stefan ist etwas zu groß geworden, er ist im Team ziemlich alleine dagestanden."

Schmitt: "Irgendwas passt grundsätzlich nicht"

Der Doppel-Weltmeister und Gesamtweltcup-Sieger der vergangenen Saison sorgte mit seinen drei dritten Plätzen in dieser Saison für die einzigen Podestplätze der ÖSV-Adler. Dass der Druck auf ihn zu groß gewesen sei, verneinte Kraft jedoch.

Warum es in Garmisch das schlechteste Weltcup-Ergebnis seit Jänner 2014 (Platz 33. beim Skifliegen am Kulm) setzte, konnte sich Kraft allerdings nicht wirklich erklären. "Wenn ich wüsste, woran es liegt, würde ich es anders machen. Ich bin ratlos. Ich weiß, ich kann gut skispringen. Ich habe mich topfit gefühlt, habe alle meine Sachen zusammen – komisch. Ich kann nicht sagen, warum gerade der Wurm drin ist." Kraft vermisste die berühmte Leichtigkeit.

Martin Schmitt, ehemaliger Spitzenspringer und nunmehriger TV-Experte bei "Eurosport", analysierte Krafts Auftritt in Garmisch wie folgt: "Er fühlt sich nicht wohl, ist sehr gehalten. Die Arme gehen im Flug hinten raus, das heißt irgendetwas passt grundsätzlich im System nicht."

Was genau bei Kraft und Co. aktuell nicht passt, soll am Ruhetag am Dienstag genau aufgearbeitet werden. Das geplante Eisstockschießen der Mannschaft wurde abgesagt, stattdessen stellen sich Kuttin und der Sportliche Leiter Ernst Vettori am Nachmittag der Presse.

"Wir waren in Oberstdorf gut dabei, speziell Stefan. Wir müssen uns das in Ruhe anschauen und analysieren. Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken und weiterarbeiten. Wir werden einen Schritt setzen, damit wir in Innsbruck richtig gut dastehen. Wir werden den schweren Stand aus den Knochen herausschütteln. Ich möchte haben, dass wir mit breiter Brust in Innsbruck auftreten", verlautete Kuttin.

Kraft: "Vielleicht geht der Knopf nochmal auf"

Abhaken und nach vorne schauen war auch das Motto der ÖSV-Springer. "Wir sind körperlich sehr gut aufgestellt. Es war nicht unser Tag, wir müssen das abhaken. Im Spitzensport ist die Luft ganz dünn. Am Bergisel kann die Sache schon wieder ganz anders ausschauen. Wir werden gemeinsam da durchgehen und gestärkt daraus hervorgehen", sagte Gregor Schlierenzauer, der als einziger am Ende des Tages zumindest "nicht unzufrieden" war.

Ännliches war von Kraft zu hören: "Ich kann das Springen nur abhaken und nach vorne schauen und hoffen, dass es wieder passt. Vielleicht geht der Knopf bei den Springen in Österreich nochmal auf. Hoffentlich geht es so schnell auch wieder in die andere Richtung."

Textquelle: © LAOLA1.at

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