Zajc-Disqualifikation: Unterschiede bei slowenischer Messung
Der slowenische Verband zeigt sich verärgert. Laut eigener Messung sei der Anzug von Timi Zajc regelkonform gewesen.
Der Slowene Timi Zajc wurde bei der 74. Vierschanzentournee sowohl beim Auftaktspringen in Oberstdorf wie auch beim zweiten Springen in Garmisch-Partenkirchen disqualifiziert.
Grund war zwei Mal hintereinander ein nicht regelkonformer Sprunganzug. In Oberstdorf war die Beininnenlänge des Anzugs um drei Millimeter zu kurz, drei Tage später dann um vier Millimeter. Dadurch hätte eine größere Tragfläche im Schritt entstehen können. Mit dem zweiten Vergehen kassierte Zajc die Rote Karte und ist nun in Innsbruck sowie Bischofshofen gesperrt.
Slowenischer Verband verärgert
Der slowenische Skisprung-Chef Gorazd Pogorelcnik reagierte verärgert. Zajc habe den Anzug genutzt, weil dieser bei der teaminternen Messung vor dem Bewerb dem Reglement entsprochen habe, sagte er der slowenischen Nachrichtenagentur "STA".
Es sei "schwer zu sagen", warum es Unterschiede zwischen der slowenischen Messung und der offiziellen FIS-Messung gebe. Am wahrscheinlichsten sei, betonte Pogorelcnik, dass sich der Anzug aufgrund des Wetters oder wegen "natürlicher Einflüsse wie Feuchtigkeit oder Temperatur" verändert habe.
Der slowenische Verband reichte zudem einen offiziellen Protest beim Weltverband FIS wegen des Kontrollverfahrens ein - also wegen des unüblichen Prozederes mit der Kontrolle vor dem ersten Sprung.
Widhölzl: "Was soll das?"
Bei ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl hatte die Disqualifikation nur Kopfschütteln ausgelöst. "Die Argumentation finde ich nicht so ideal. Auch das Posting im Internet, das ist nicht schlau", sagte der Tiroler über die Reaktion von Zajc nach der ersten Disqualifikation beim Auftaktspringen in Oberstdorf, als dieser ursprünglich Zweiter geworden war. "Da denk ich mir auch: Was soll das?"
Zajc hatte in Oberstdorf mit Galgenhumor reagiert. "Lasst uns den Anzug ein bisschen stretchen, vielleicht ist dann in Ga-Pa (Garmisch-Partenkirchen, Anm.) alles okay", schrieb der 25-Jährige in einer Instagram-Story, die er wenig später löschte. Seine Aussage garnierte er mit einem lachenden Emoji.
"Ich finde es frech - und das nicht im positiven Sinn", sagte der frühere deutsche Topspringer und aktuelle Eurosport-Experte Martin Schmitt.
Nicht nur Zajc wurde erwischt
Am Neujahrstag änderte FIS-Kontrolleur Mathias Hafele seine "Strategie": Statt die Anzüge wie üblich nach dem ersten Durchgang zu begutachten, überraschte der Tiroler die Athleten bereits vor dem Sprung mit einer Kontrolle. "Er macht sich Gedanken und ich finde es sehr gut, wie sie agieren", sagte Widhölzl über die Kontrollen. Für den Skisprung-Sport sei es gut, wenn härter durchgegriffen werde. "Es wird sich auch wieder beruhigen. Nur bei einer strengen Linie halten sich die Leute auch dran. Sonst geht es immer so weiter", betonte der ÖSV-Coach.
Neben Zajc wurden auch der US-Amerikaner Jason Colby und der Türke Fatih Arda Ipcioglu beim Neujahrsspringen erwischt und disqualifiziert.