Andreas Kofler: Autogramm auf dem Strafzettel

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Nach seinem Rücktritt als Skispringer hebt Andreas Kofler in eine neue Zukunft abseits des Spitzensports ab.

Der Tiroler möchte in der Landespolizeidirektion im technischen Bereich tätig sein, etwa im Bereich Drohnen. Streifendienst wird der Stubaier jedenfalls nicht versehen. "In der Ausbildung ist es vorgekommen, dass ich auf einen Strafzettel hinten ein Autogramm schreiben musste", erzählt Kofler lächelnd.

Er trat als vorletzter Athlet der sogenannten "Superadler" zurück. "Der Abschied fällt mir schwer, obwohl ich Zeit hatte, mich darauf einzustellen. Es war eine intensive Zeit mit vielen Höhen und Tiefen, jetzt wird es Zeit für neue Wege", erklärt Kofler. "Das Wichtigste, das ich mitnehmen kann, ist, dass man nie aufgeben soll."

Heute noch Gänsehautgefühl

Koflers Karriere war geprägt von Auf und Ab, so gelang etwa der Sieg bei der Vierschanzen-Tournee 2009/10, den Kofler als einen der wichtigsten Karriere-Punkte bezeichnete, just in der Saison nach einem Tiefpunkt. Trotz Größen wie Gregor Schlierenzauer und Thomas Morgenstern als Kollegen und Rivalen brachte es der Fulpmer auf zwölf Weltcupsiege.

Der erste gelang im Vorfeld der Olympischen Spiele von Turin 2006 in Willingen. Damals siegte Kofler vor Morgenstern. "In Turin drehen wir es um", hätten sie damals gesagt, erinnerte sich Kofler. "Und so kam es auch wirklich."

Dass er den Einzel-Olympiasieg auf der Großschanze um nur einen Zehntelpunkt verpasste, schmerzt Kofler laut eigener Aussage nicht. "Im ersten Moment denkt man sich, wie soll man damit umgehen. Aber es ist egal, ob man mit dem kleinstmöglichen Abstand oder 30 Punkte zurückliegt. Wir waren damals so jung und haben gar nicht damit gerechnet, überhaupt eine Medaille zu gewinnen. Wir waren gemeinsam im Zimmer und konnten so den schönen Moment teilen", beschrieb Kofler 13 Jahre später diese Situation, die ihm und Morgenstern bei gemeinsamen Gesprächen immer noch Gänsehautgefühl beschere.

Schlieri, Morgi und Co.: Reibereien und Anreiz

Morgenstern stand auch bei der WM 2011 von der Normalschanze vor Kofler ganz oben auf dem Podest (Abstand 9,1 Punkte), auf der Großschanze in Oslo fehlten dem Vierten 3,7 Zähler auf Simon Ammann (SUI) und Bronze und bei den Winterspielen 2010 trennte Kofler auf der Großschanze nur ein Punkt vom drittplatzierten Schlierenzauer.

Die große Konkurrenz habe sich positiv ausgewirkt, sagte Kofler gegenüber der APA. Natürlich habe es auch Reibereien gegeben, denn jeder habe einen starken Charakter. "Aber der Anreiz, sich immer zu verbessern, hatte sicher großen Anteil am Erfolg. Es gab mehr Athleten mit Potenzial als Startplätze. Es war auf jeden Fall befruchtend und eine ganz eigene Situation."

Der letzte Karriere-Erfolg gelang Kofler am 15. Dezember 2012 in Engelberg, das für ihn einen besonderen Platz einnimmt. In der Schweiz erreichte er am 17. Dezember 2016 als Dritter auch seinen letzten Einzel-Podestplatz. "Damals habe ich instinktiv gemerkt, dass ich das besonders aufsaugen muss, weil es nicht mehr so viele weitere geben würde."

Im Herbst seiner Karriere wurde Kofler durch eine Autoimmunerkrankung zurückgeworfen und verlor dadurch ein Jahr. "Ohne die WM in Seefeld hätte ich es schon früher gelassen", gab Kofler zu. "Es war ein Erfolg, nach einem Jahr im Sommer (2018, Anm.) wieder einzusteigen. Ich hatte die Hoffnung, noch zur WM zu kommen, wurde aber im Herbst aus dem Weltcupteam genommen." Er sprang im Kontinentalcup weiter und musste die große Karriere mit hinteren Plätze in der Tournee-Qualifikation für Innsbruck und Bischofshofen ausklingen lassen. Im Pongau absolvierte Kofler im Kontinentalcup am 12. Jänner auch seinen letzten Bewerb.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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