Schmidhofer: "Ich war maßlos überfordert"

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Sie war DIE Überraschung der vergangenen Ski-WM 2017 in St. Moritz. Gleich im ersten Rennen raste Nicole Schmidhofer völlig unerwartet zu Gold im Super-G.

2019 kommt die Steirerin als Titelverteidigerin nach Aare. „Das klingt schon sehr gut“, schmunzelt Schmidhofer.

Dabei musste sie sich mit dieser Bezeichnung erst anfreunden. „Damals habe ich das Wort Weltmeisterin fast nicht rausgebracht, jetzt war die Titelverteidigung anfangs ein bisschen ein heikles Thema für mich“, gibt Schmidhofer zu. "Aber das gehört zu mir dazu, das sollte kein Problem oder hemmend sein."

Schon zu Saisonbeginn hätten sie einige Leute auf ein erneutes WM-Gold angesprochen.

Dass der Blick so sehr auf sie gerichtet ist, war Schmidhofer in ihrer Karriere lange Zeit nicht gewöhnt. 2007 kürte sie sich in Altenmarkt zur Doppel-Junioren-Weltmeisterin (Super-G und RTL), der Durchbruch gelang aber nicht. Im Frühjahr 2012 wurde sie sogar aus dem ÖSV-Kader geworfen, kämpfte sich aber mühsam wieder zurück. Im Jänner 2016 folgte mit dem Kreuzbandriss der nächste Rückschlag, aber Schmidhofer kam wieder zurück - und wurde 2017 Weltmeisterin.

"Der WM-Titel hat viel verändert"

„Im Nachhinein gesehen, war ich nach dem WM-Sieg im ersten Moment maßlos überfordert, das ist mir zuerst gar nicht so aufgefallen“, spricht sie den plötzlichen Hype um ihre Person an. „Mit dem WM-Titel hat sich sehr viel verändert, da habe ich erst reinwachsen müssen. Es war eine Lernphase.“

Diese Erfahrungen kommen der 29-Jährigen jetzt zugute, steht die Titelverteidigerin doch erneut seit Wochen im Blickpunkt.

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„Mittlerweile gehört das dazu, ich habe mich darauf eingestellt. Die Aufmerksamkeit dem ganzen Team gegenüber ist seit Saisonbeginn groß, Wegreden können wir den Druck nicht. Die Erwartungshaltung ist natürlich sehr groß, aber ich spüre keine Nervosität. Das sollte also kein Problem sein“, erklärt Schmidhofer.

Zwar sei die Ausgangsposition vor zwei Jahren eine ganz andere gewesen, der Vorteil jetzt ist aber, „dass ich seither sehr viel gelernt habe, vor allem was den medialen Umgang betrifft. Deshalb ist es jetzt nicht unbedingt mehr Druck, als es damals war. Ich will es so normal wie möglich halten, mich einfach aufs Skifahren konzentrieren und meinen Job machen wie sonst auch. Ich bin gut drauf“, gibt sich Schmidhofer selbstbewusst.

Ein weiter Weg

Dieses Selbstvertrauen hat sie sich in der bisherigen Saison erarbeitet, auch sportlich hat sich seit 2017 bei Schmidhofer einiges getan. Hatte sie vor ihrem WM-Titel in St. Moritz noch keinen einzigen Weltcup-Sieg am Konto, sind es mittlerweile drei - allesamt in dieser Saison eingefahren.

Gleich zu Beginn des Winters holte Schmidhofer das Abfahrts-Double in Lake Louise, bei der WM-Generalprobe in Garmisch gewann sie zuletzt den Super-G. Nach bisher zwei zweiten und zwei dritten Plätzen reichte es also auch im Weltcup erstmals für den großen Wurf in dieser Disziplin.

Damit hat Schmidhofer eines ihrer großen Ziele erreicht. "Es war ein weiter Weg", sagt sie und verspürt zwei Jahre nach ihrer WM-Goldfahrt von St. Moritz nur eines: "Erleichterung."

Können, aber nicht müssen

Dass es in dieser Saison bisher derart gut läuft, liegt einerseits an der Verkleinerung der Trainingsgruppe "Speed 1" samt neuen Coaches, andererseits hat eine Setup-Änderung am Schuh nach Lake Louise den Umschwung bei Schmidhofer eingeleitet.

Zudem fiel der Druck, sich durch Leistungen für die WM qualifizieren zu müssen, für die Titelverteidigerin weg.

„Das war von Beginn der Saison weg ein großer Vorteil. Ich konnte jedes Rennen locker angehen, weil die WM-Qualifikation einfach nie ein Thema war. Jetzt gilt es nur, diese Lockerheit auch bei der WM mitzubringen“, sagt Schmidhofer. „Ich will das als Bonus mitnehmen und mich nicht so sehr auf den Titel fixieren. Ich bin schon Weltmeisterin und muss nicht mehr.“

Schmidi heiß auf nächste Party

2017 gab es nach ihrem Triumph eine rauschende Medaillen-Party im TirolBerg, dem Österreich-Haus. Schmidhofer hätte nichts dagegen, wenn es auch 2019 wieder einen Grund zum Feiern geben würde.

„Das wäre natürlich mega, wenn wir nochmal so feiern könnten“, sagt Schmidhofer und ist sich dabei durchaus bewusst, dass eine neuerliche Gold-Fahrt im Bereich des Möglichen ist. In Aare sei in beiden Disziplinen „alles möglich“.

„Bei mir ist alles drin, vom ersten bis zum 15. Platz war in dieser Saison alles dabei. Aber je weiter vorne, umso besser. Es zählen nur die ersten drei“, sagt die Steirerin. Sie weiß aber auch: „Für einen WM-Sieg muss an dem einen Tag alles zusammenpassen.“

An der Unterstützung der Fans wird es jedenfalls nicht scheitern, am Montag reisten einige Freunde und Bekannte aus Oberwölz an. "Da freue ich mich schon. Sie haben mir extra eine Harmonika mitgegeben, sie werden im Zielraum eins aufspielen“, erzählt Schmidhofer, deren Hobby die Blasmusik ist.

Ihre Familie hält hingegen in der Heimat die Stellung. „Es sind Energieferien, da ist bei meiner Schwester im Lokal zum Zusammenhelfen. Sie werden mir von daheim aus die Daumen drücken.“

Und vielleicht gibt es am Ende ja wieder etwas zu feiern - diesmal wäre es allerdings keine Überraschung.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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