Reichelt verteidigt hohe Nummer

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Hannes Reichelt hat die geschwänzte Startnummernauslosung vor der WM-Abfahrt in Aare nicht als Signal in Richtung Ski-Weltverband gesehen. Der Salzburger wollte einfach die für ihn besten Möglichkeiten nützen, und die habe er mit einer höheren Nummer gesehen.

Also trug er zwar die Eins am Körper, kam aber erst nach Nummer 45. Der Poker hätte aufgehen können. Sein Bauchgefühl habe ihm gesagt, er könne ja die Auslosung spritzen, denn ihm würde sicher nur die Eins überbleiben.

Während des ORF-WM-Studios sei er hin- und hergerissen gewesen, mit dem Rückhalt der Familie ("Zieh es einfach durch") habe er es dann gemacht. "Es war definitiv die richtige Entscheidung. Leider habe ich es nicht runtergebracht", meint Reichelt.

"Ein Denkanstoß für die Herren"

Die späte Startnummer erhielt er sozusagen als Strafe für das unentschuldigte Fernbleiben.

Laut der seit der Saison 2016/17 geltenden Speed-Startreihenfolge dürfen die Top Ten der Weltrangliste ungerade Nummern von 1 und 19 wählen. Reichelt war im Mai mit voller Unterstützung der besten Abfahrer der Welt beim Kongress des Weltskiverbandes (FIS) in Costa Navarino mit seinem Anliegen auf Änderung für mehr Chancengleichheit abgeblitzt.

Er glaube nicht, dass sein Beispiel in Aare Schule machen werde, denn die Verhältnisse seien ja nicht immer so. "Ich habe es mir schon öfter überlegt, und auch nicht getan. Ich wusste, ich muss ein bischen pokern. Ich wollte einfach schauen, dass ich die Bedingungen habe, vorne mitzufahren." Er hatte mit viel Neuschnee gerechnet, wollte nicht Schneepflug spielen und sah hintenraus ein Lichtfenster.

"Es war nie ein Gedanke, dass das ein Signal Richtung FIS ist", sagte Reichelt einerseits. "Ich weiß nicht, was sie jetzt tun. Aber wenn sie die erste Zwischenzeit gesehen haben, war das sicher ein Denkanstoß für die Herren, die da was entscheiden. Vielleicht sollte man die Regelung wenigstens bei Großereignissen einmal überdenken." In Kitzbühel sei er heuer mit Eins unterwegs gewesen, habe ohne Fehler einen richtig guten Lauf gefahren und auch keine Chance gehabt (8.).

Reichelts Zukunft offen

Reichelt hatte in Aare dafür gesorgt, dass das Rennen lange spannend blieb. Bei der ersten Zwischenzeit leuchtete es auch tatsächlich Grün auf, das brachte das Führungstrio Kjetil Jansrud, Aksel Lund Svindal und Vincent Kriechmayr noch einmal ins Schwitzen. "Echt cool, das hat das Rennen spannend gemacht", meint Reichelt.

"Schimpf von Andi" habe er keine bekommen, beantwortet er eine Frage, wie ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher auf die Aktion reagiert habe. "Aber ich habe es definitiv auf meine Kappe genommen. Ich habe mich über ihn hinweggesetzt, das kann man halt auch nur tun, wenn man 38 ist", fügt er lachend an. "Richtige Entscheidung", bestätigt Puelacher.

Ob es sein letztes WM-Rennen gewesen sei, wisse er nicht, meint Reichelt. "Ich hoffe nicht, ich weiß es ehrlich gesagt selbst nicht. Solange ich fit bleibe und schnell Ski fahre - ohne Fehler wäre nett - bleibe ich euch noch erhalten."

Das Rennen an sich bezeichnet er als "grenzwertig". Wenn die vorderen Nummern keine Chance hätten, wäre das schade.

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