Kriechmayr: "Bin nicht zum Handyspielen da"

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Selten hat Vincent Kriechmayr so gestrahlt.

Der 27-jährige Oberösterreicher fuhr in Aare zu Silber im Super-G und damit zu seiner ersten WM-Medaille.

"Die Erleichterung ist auf alle Fälle groß, ich bin irrsinnig stolz auf mich, dass ich das geschafft habe. Es ist eine große Genugtuung", sagt Kriechmayr.

Ob er sich über den knappen Rückstand auf Gold ärgert, was ihn nervös gemacht hat und von welchem Event in der Heimat er nichts wusste, verrät Kriechmayr im Interview:

Frage: Gratulation zur Silbermedaille. Was geht in dir vor?

Kriechmayr: Die Erleichterung ist auf alle Fälle groß. Ich freue mich wirklich, auch wenn ich es jetzt nicht so emotional zeige. Ich glaube, ich werde das die nächsten Tage erst so richtig realisieren. Es ist eine große Genugtuung. Bei einer WM zählen nur die ersten drei Plätze und es freut mich, dass ich gleich im ersten Rennen zeigen konnte, was ich drauf habe. Es ist meine erste Medaille, die hat einen hohen Stellenwert. Als kleiner Bub habe ich von Siegen und Medaillen geträumt, dass ich es jetzt erreicht habe, macht mich sehr stolz.

Frage: Was waren deine Gedanken, als du ins Ziel gekommen bist und den Rückstand von neun Hundertstel gesehen hast?

"Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren."

Kriechmayr hadert nicht mit dem knappem Rückstand

Kriechmayr: Ich war etwas enttäuscht und habe mich geärgert, weil ich zwei kleine Fehler gemacht habe. Neun Hundertstel sind schon bitter. Aber es war sehr schwierig, alle haben sich schwer getan, auch Dome (Dominik Paris, Anm.). Er hat sich auch geärgert, und er hat Gold geholt. Ich brauche die neun Hundertstel nicht zu suchen, ich weiß eh, wo ich sie verloren habe. Die Freude überwiegt auf alle Fälle. Ich habe Silber gewonnen und nicht Gold verloren.

Frage: Wie war die Wartezeit bis zum Ende des Rennens?

Kriechmayr: Es war nicht leicht. Ich habe dann nochmal zum Schwitzen angefangen, als die Sonne rausgekommen ist. Es ist eine WM, da zählen eben nur die ersten drei Plätze. Ich war etwas nervös am Ende. 

Frage: Was hat das Rennen so schwierig gemacht?

Kriechmayr: Das war einer der schwersten Super-G bis jetzt in dieser Saison. Die Kurssetzung war schwierig und das Gelände mit den vielen Wellen ist sehr schwierig, dazu kommt das Licht. Wenn die Sicht so schlecht ist, tut sich jeder schwer, die Wellen richtig aufzunehmen und ans Limit zu gehen. Das habe ich versucht und es ist mir nicht überall geglückt, deshalb bin ich jetzt vielleicht nur Zweiter, aber ich bin sehr zufrieden. 

Frage: Hat dir der Doppelsieg beim Weltcup-Finale im letzten Jahr Druck gemacht oder hat es dir geholfen?

Kriechmayr: Ich habe mir natürlich die Läufe vom letzten Jahr angeschaut. Ich habe gewusst, dass ich hier sehr schnell Skifahren kann. Es war sicher so angenehmer, als wie wenn ich hier letztes Jahr überhaupt nicht zurecht gekommen wäre. Aber ich mache mir schon selbst einen Druck, bei einer WM will man natürlich vorne mitfahren, vor allem, wenn man hier zwei Mal gewonnen hat. Der Druck gehört dazu, es pusht einen. Aber bei diesem Rennen war sicher mehr Druck als sonst. Aber es ist alles aufgegangen, deshalb bin ich superhappy. 

Frage: Dein Fanclub ist hier. Wer ist da alles dabei?

Kriechmayr: Meine Eltern sind hier, das freut mich irrsinnig. Die haben einen irren Aufwand auf sich genommen und sind mit dem Auto raufgefahren. Insgesamt sind vom Fanclub elf Leute hier: Cousins, Cousinen, Freunde. Es freut mich irrsinnig, dass sie diesen Aufwand auf sich genommen haben und dass ich jetzt sozusagen als Wiedergutmachung Silber geholt habe. 

Frage: Zuhause bei dir hat es ein Public Viewing gegeben. Hast du schon Nachrichten aus der Heimat erhalten?

"Ich habe nichts mitgekriegt, weil ich mein Handy immer im Apartment lasse. Ich bin zum Skifahren hier und nicht zum Handyspielen."

Kriechmayr wusste nichts vom Public Viewing In der Heimat

Kriechmayr: Ich habe gar nicht gewusst, dass es ein Public Viewing gegeben hat. Das freut mich natürlich irrsinnig, falls es so war. Aber ich habe nichts mitgekriegt, auch jetzt noch nicht, weil ich mein Handy immer im Apartment lasse. Ich bin zum Skifahren hier und nicht zum Handyspielen. Aber ich freue mich, wenn ich dann auf mein Handy schaue und einige Nachrichten lesen darf. 

Frage: Wie werden die Feierlichkeiten ausfallen?

Kriechmayr: Sehr gering. Natürlich würde ich gerne feiern, aber es stehen zwei Abfahrts-Trainings und das wichtige Rennen an. Deshalb muss ich das Feiern etwas verschieben. Wir werden sicher einen Zeitpunkt finden, wo wir gescheit anstoßen können. 

Frage: Du bist der erste Oberösterreicher seit Hannes Trinkl vor 18 Jahren, der eine WM-Medaille gewonnen hat. Wie ist dein Verhältnis zu ihm?

Kriechmayr: Ich verstehe mich sehr gut mit Hannes. Er ist immer da, wenn ich ihn brauche. Wir haben den gleichen Sponsor, es ist eine große Verbundenheit da. Ich habe sein Rennen damals natürlich verfolgt und war stolz, dass Hannes das als Oberösterreicher geschafft hat. Es freut mich, dass ich jetzt auch eine Medaille für Österreich und speziell für Oberösterreich holen konnte. 

Frage: Kannst du vom heutigen Rennen was für die Abfahrt mitnehmen?

Kriechmayr: Das ist schwierig. Die Kurssetzung ist doch eine ganz andere als im Super-G. Aber das Gelände liegt mir auf alle Fälle, das habe ich letztes Jahr beim Weltcup-Finale gezeigt und jetzt mit dem zweiten Platz. Ich fahre irrsinnig gerne hier, aber vor allem in der Abfahrt muss man sich am Limit bewegen. Es wird eine enge Kiste werden. Natürlich kann ich jetzt wesentlich entspannter in die Abfahrt reingehen, aber ich strebe nach mehr, sonst wäre ich kein Rennfahrer. Ich will zeigen, dass ich noch weiter nach vorne kommen kann. 

Ergebnis des WM-Super-G>>>

Medaillenspiegel>>>

Vincent Kriechmayr gewinnt Silber! Die besten Bilder vom WM-Super-G 2019:

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