Feuz siegt auf verkürzter "Birds of Prey"

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Österreichs Ski-Herren bleiben in der Abfahrt in Beaver Creek erstmals in dieser Weltcup-Saison ohne Stockerplatz.

Als bester Österreicher landet Vincent Kriechmayr auf Rang fünf, Hannes Reichelt und Christian Walder folgen auf den Rängen 7 und 8.

Den Abfahrtssieg holt sich Beat Feuz, der damit einen Doppelerfolg der Schweizer anführt!

Der Weltmeister führt ein enges Rennen auf der um rund 20 Sekunden verkürzten "Birds of Prey" um sieben Hundertstelsekunden vor Mauro Caviezel an, Aksel Lund Svindal (NOR) komplettiert das Podest eine weitere Hundertstel dahinter.

Ergebnis der Abfahrt in Beaver Creek>>>

Schneefall und verkürzte Strecke

In der wetterbedingt auf Freitag vorgezogenen und verkürzten Abfahrt begann es sekundengenau mit Rennstart zu schneien. An sich ein gutes Zeichen für "Testpilot" Matthias Mayer (1) und den mit Nummer 3 startenden Kriechmayr.

Den beiden lief es nach vorangegangenem Schneefall auf der ungewohnt griffig-weichen "Raubvogelpiste" in Colorado aber von Beginn weg nicht.

Super-G-Olympiasieger Mayer rutschte am Start mit dem Skistock ab. Bei dem in Topform befindlichen Kriechmayr ging fast alles schief. Nach der ersten Netzkurve verpasste er beinahe ein Tor. Am sechsten - jenem Tor im Steilhang, das Hermann Maier einst berühmt gemacht hatte - schlug sich der Oberösterreicher den linken Arm heftig an. Zudem ging eine Skischuh-Schnalle auf.

"Von oben bis unten verkorkst"

In dem Glauben, ausgeschieden zu sein, war der ganz große Kampfgeist natürlich dahin. "Ich war sicher, eingefädelt zu haben und habe gedacht, machst halt noch eine lockere Trainingsfahrt ", bestätigte Kriechmayr.

Trotzdem lag der Oberösterreicher am Ende nur 0,26 Sekunden hinter Sieger Feuz, das Podest verpasste er um nur 18/100. "Es war so weich, das ist man von hier nicht gewohnt. Du kriegst wenig zurück, das Tempo ist niedrig", fasste Österreichs bester Abfahrer zusammen. "Bei mir war es eine von oben bis unten verkorkste Fahrt."

"Keine richtige Raubvogelpiste"

Vorwürfe an die Veranstalter gab es aber keine. "Im Gegenteil. Es war zwar keine richtige Raubvogelpiste diesmal. Aber sie haben ihr Bestes dafür gegeben, damit wir ein Rennen haben", lobte der Oberösterreicher.

Dieses ging ohne das lange obere Gleitstück in Szene. Selbst dieses wäre aber wohl auch Feuz gut gelegen. Den Siegern sei deshalb besonders zu gratulieren, meinte Kriechmayr. "Die Besten sind wieder vorne!"

Walder überrascht mit hoher Nummer

Für die positive Überraschung sorgte Christian Walder, der mit hoher Nummer 44 auf Platz acht fuhr. "Ich habe es wirklich super erwischt. Danke an Mothl, er hat mir einen Super-Funkspruch gegeben", bedankte sich der Kärntner nach seinem besten Abfahrts-Ergebnis bei Landsmann Mayer.

Max Franz wurde 13., für den Sieger von Lake Louise ein Rückschritt. "Es war komisch. Als ich richtig zu fahren begonnen habe, war der Steilhang vorbei. Ziel nicht erreicht", lautete seine Selbstkritik. Sein Pech war auch, dass wegen des Abtransports des gestürzten Kitzbühel-Siegers Thomas Dressen (Knieverletzung) das einzige kurze "Sonnenfenster" ungenutzt blieb.

Auch Mayer war mit Platz 15 nicht zufrieden. "Ich hatte nicht den Speed, um mit den Ersten mitfahren zu können. Aber hier ist es mir noch nie aufgegangen", erklärte der Super-G-Olympiasieger.

Reichelt: "Eher Aasgeier als Raubvogel"

Reichelt war anfangs lange im "grünen Bereich" gewesen, konnte aber das erste ÖSV-Abfahrtspodest hier seit 2013 auch nicht holen. "Ich habe eigentlich nichts Schlimmes falsch gemacht." Die Birds of Prey sei einfacher zu fahren, wenn sie eisiger sei. "Heute war sie eher ein Aasgeier als ein Raubvogel", meinte der Salzburger schmunzelnd.

Im Super-G zählt Reichelt aber zu den Topfavoriten, soferne es denn wegen des angekündigten Schneefalls am Samstag einen gibt. Kriechmayr wird am "Jahrestag" seines Premierensieges im Vorjahr seine Wut im Bauch zügeln. "Hier muss man diesmal eher mit Gefühl als mit Wut fahren. Ich möchte morgen mein wahres Gesicht zeigen."

Svindal wieder am Podest

Feuz war ein würdiger Sieger. Nach klarer Trainings-Bestzeit war der Weltmeister vor einer Woche in Lake Louise nur Sechster geworden, diesmal klappte es mit dem achten Abfahrtssieg.

Aksel Lund Svindal holte als Dritter seinen bereits 14. Podestplatz in Beaver Creek. So viele Podiums an einem Ort hat sonst nur Marcel Hirscher in Adelboden, Val d'Isere und Kranjska Gora geschafft. "Es war trotz der Verkürzung eine coole Abfahrt. Ich bin zufrieden", sagte der am Daumen verletzte Norweger.

Stimmen:

Vincent Kriechmayr: "Ich war mir eigentlich sicher, dass ich im Steilhang bei dem Tor eingefädelt habe. Ich hab mir beim nächsten Schwung gedacht, ich fahre nur noch einen Trainingslauf. Die offene Schnalle war heute auf der weichen Piste kein Problem. Im Steilhang war ich vielleicht zu aggressiv unterwegs - es ist ungewohnt für Beaver Creek, dass so eine weiche Piste ist. Bei der Zielkurve hat es mich noch mal ausgehoben - das hat mich auch nochmal Zeit gekostet. Schade, denn so schlecht war ich scheinbar nicht unterwegs, dafür wie ich einige Schwünge getroffen habe."

Beat Feuz: "Der Sieg hat riesige Bedeutung! Die Strecke liegt mir schon immer, ich bin immer sehr gerne da. Nur dieses ekelhafte Flachstück am Anfang hat mir schon einiges zunichte gemacht."

Mauro Caviezel: "Die Freude ist einfach riesig. Die Vorbereitung lief super. Wie es dann im Rennen ausschaut, weiß man natürlich nicht. Aber es ist natürlich super. Beat ist immer für einen Podestplatz gut, für mich ist es natürlich eine Überraschung."

Aksel Lund Svindal: "Die Verhältnisse waren okay bei mir. Es war aber nicht einfach heute. Es war ein bisschen ein anderes Gefühl als normal in Beaver Creek. Es war weich, man sieht den Boden schlecht. Wenn dann eine härtere Stelle kommt, dann kommt der Ski - und man ist überrascht. Das ist mir ein paar Mal passiert, aber es war schon okay. Im Vorjahr hatte ich nach dem Flachstück einen Polster auf Beat - da konnte ich dann gewinnen. Heuer war das Flachstück leider nicht da."

Matthias Mayer: "Am Start ist eine brutale Eisplatte, die habe ich erst gesehen, als ich weggerutscht bin. Es war zum Teil auch noch ein bisschen Schnee drinnen, den ich dann rausgerutscht habe. Es war nicht wirklich ideal. Mit meiner Fahrt bin ich eigentlich zufrieden, mit dem Rückstand natürlich nicht. Die Piste ist sehr unterschiedlich - einige Stelle sind hart, eisig. Dann kommen wieder ganz weiche Stellen."

Hannes Reichelt: "Ich bin zum Start hingegangen und sehe die Nebelwand vor mir. Ich habe mir gedacht: Die Jury wird schon wissen, was sie tut. Es war dann aber eh nicht so schlimm. Aber es ist schon ein bisschen eine Hemmschwelle im Kopf. Ich habe versucht, zu riskieren. Ein paar Mal ist es gut gegangen, ein paar Mal nicht - da war der Außenski nicht der Chef. Die die vorne sind, sind keine Überraschung."

Textquelle: © LAOLA1.at

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