Odermatt auf Hirschers Spuren

Odermatt auf Hirschers Spuren Foto: © getty
 

Der Alpine Ski-Weltcup hat knapp zweieinhalb Jahre nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher wieder einen absoluten Superstar.

Der Schweizer Marco Odermatt tritt Schritt für Schritt in die Fußstapfen des langjährigen Weltcup-Dominators aus Annaberg. Nach dem erlösenden Riesentorlauf-Triumph in Adelboden setzte der Überflieger am Donnerstag einen drauf und gewann in Wengen den Super-G.

Bereits sechs Siege hat er in diesem Winter auf dem Konto und ist damit auf Kurs, eine Saison der Superlative Marke Hirscher hinzulegen. Odermatt durchlebt die bisher stärkste Phase in seiner Karriere. Der Weltcup-Gesamtsieg ist ihm in dieser Form nicht zu nehmen.

Von seinen zehn Weltcup-Siegen hat er nun vier im Super-G geholt, sechs im Riesentorlauf. Auch das erinnert an Hirscher, der mit Slalom und Riesentorlauf zwei Disziplinen hatte, in denen er praktisch gleich stark war und Sieg an Sieg reihte. Acht Gesamtweltcup-Erfolge in Serie kamen dabei heraus.

"Du weißt, da kommt einer daher, der sehr, sehr schnell ist"

Von solchen Dimensionen ist Odermatt freilich noch weit weg, doch das Potenzial dazu ist ihm schwer abzusprechen. Und Zeit hätte er auch noch genug, wenn er seine Karriere etwas länger gestaltet als Hirscher, der mit 30 Jahren den Rücktritt vollzog.

"Wenn einer so viele Junioren-WM-Medaillen macht, dann weißt du, da kommt einer daher, der sehr, sehr schnell ist", sagte Andreas Puelacher, der Chef-Dompteur der ÖSV-Männer. Sechs Mal Gold und einmal Bronze holte Odermatt bei zwei Junioren-Weltmeisterschaften.

Mittlerweile hat der ehemalige Schüler der Sportmittelschule Engelberg die Erfahrung und die Selbstverständlichkeit, sein Können auch im Weltcup umzusetzen. Bereits jetzt hat Odermatt fast doppelt so viele Punkte gesammelt wie sein erster Verfolger Aleksander Aamodt Kilde. Sein erster Abfahrtssieg scheint nur eine Frage der Zeit. Mit einer dritten Disziplin, in der er gewinnen kann, würde die Dominanz noch eine Spur unheimlicher werden und könnte jene von Hirscher in seiner Hochzeit sogar übertreffen.

"Normalerweise kommt im Gesamtweltcup keiner an ihm vorbei. Er hat auch das Spielerische, was du brauchst, um schnell zu sein. Das spielt er zurzeit sehr gut aus", erläuterte Puelacher.

Neureuther attestiert "außergewöhnliche Rennintelligenz"

Laut Ex-Läufer Felix Neureuther zeichnet Odermatt eine außergewöhnliche Rennintelligenz aus. "Dem muss du nicht sagen, wie er wo fahren soll, was er sich bei gewissen Passagen nicht erlauben darf. Der weiß das instinktiv", meinte der Deutsche.

Odermatts Trainer berichten davon, dass er zudem ein akribischer Arbeiter sei und Sachen bis ins Detail hinterfrage - eine weitere Hirscher-Parallele. Dass er wie der Österreicher von Red Bull unterstützt wird, erscheint da fast schon beiläufig. Denn der Konzern von Dietrich Mateschitz hat noch fast ein Dutzend weiterer Alpin-Sportler unter Vertrag.

"Interessant wird es, wenn er einmal so richtig unter Druck kommt", warf Puelacher ein Szenario auf, das Odermatt bisher nicht so gut kennt. Gewiss, das Heimrennen in Adelboden war eines mit enormer Anspannung für ihn. Beim Weltcup-Finale der Vorsaison in Lenzerheide wiederum hatte er noch die Chance auf den Gesamt-Triumph, kam jedoch an Alexis Pinturault nicht vorbei.

Der nächste große Test diesbezüglich werden für "Odi" seine ersten Olympischen Spiele in Peking. Dort wird der Schweizer Sportler des Jahres als Favorit in zwei Disziplinen anreisen - und muss für sein Land abliefern. Holt er in China auf Anhieb Olympisches Gold, hätte er Hirscher schon in jungen Jahren etwas voraus. Dem gelang die von ganz Österreich geforderte Goldene erst bei seinen dritten Spielen 2018 in Pyeongchang in der Alpinen Kombination. Wenige Tage später gewann der mittlerweile 32-Jährige auch noch den Riesentorlauf.


Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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