Doppelsieg als Ausrufezeichen Richtung Kristall

Doppelsieg als Ausrufezeichen Richtung Kristall Foto: © getty
 

Was für ein Auftakt – Doppelsieg! So kann der Olympiawinter aus rot-weiß-roter Sicht weitergehen.

Matthias Mayer feiert in Lake Louise seinen elften Weltcupsieg, den ÖSV-Triumph macht Weltmeister Vincent Kriechmayr perfekt. Das Duo lässt Serien-Kristallgewinner Beat Feuz (SUI) hinter sich.

"Zum Saisonstart der erste Sieg ist ein großes Gefühl“, freut sich Mayer nach seinem zweiten Erfolg in Lake Louise. 2019 gewann der Kärntner den Super G.

Mayer: "Darauf darf ich mich nicht ausruhen"

Wie so oft wirkte die Fahrt des Siegers spielerisch. Was es aber nicht war. Die Strecke in Lake Louise präsentierte sich alles andere als einfach. Zahlreiche Wellen sorgten für zusätzliche Herausforderungen, dazu kamen Schläge nach dem Neuschnee und schlechte Sichtverhältnisse.

Wie auch der Sieger nochmals hervorstreicht. "Es mag einfach ausgesehen haben, aber es war brutal schwer zu fahren. Es fühlt sich nicht leicht an - es geht richtig zur Sache. Es schlägt brutal. Die Sicht war schlecht – aber es waren für alle die gleichen Bedingungen."

Kriechmayr mit Nummer 1 und Feuz hatten vorgelegt – die Information hatte Mayer am Start. "Sie sind beide auf starkem Niveau gefahren, das habe ich mitbekommen. Daher habe ich versucht, nochmal einen draufzulegen."

Was ihm eindrucksvoll gelungen ist. Der Grundstein legte der Kärntner mit Nummer 7 im oberen Teil, durch die Schlüsselstelle Fishnet-Corner und Fallaway setzte er sich dann entscheidend ab.

Letztlich leuchtete es grün auf – 23 Hundertstel Vorsprung hatte er beim Abschwingen Vorsprung auf Teamkollege Kriechmayr.

Mayer war der bereits 20. Fahrer, der in Lake Louise eine Weltcup-Abfahrt gewinnen konnte – bei bisher 24 Rennen. Nur Eberharter, Walchhofer, Svindal und Cuche konnten sich zwei Mal in die Siegerliste eintragen. Alle Abfahrtssieger>>>

Der letztlich doch knappe Vorsprung ist für den Olympiasieger Ansporn: "Der Vorsprung ist nicht riesig, da darf ich mich in den nächsten Rennen nicht drauf ausruhen."

Ergebnis der Abfahrt>>>

To-Do abgehakt

Obwohl die Strecke im Normalfall eher als leicht eingestuft wird, hat der Sieg für Mayer einen besonderen Stellenwert. Denn: "Lake Louise ist immer wieder ein lässiger Platz. Es war sicherlich ein Ziel in meiner Karriere, dass ich da mal einen Abfahrtssieg einfahren kann." Dieses To-Do kann der 31-Jährige nun abhaken – und den Blick nach vorne richten.

Und das mit einer großen Portion Selbstvertrauen: "Ich weiß, das Material passt – es stimmt alles und ich kann vorne mitfahren. Das stimmt mich für die nächsten Rennen zuversichtlich."

Mit dem Auftaktsieg hat Mayer im Kampf um die kleine Kristallkugel auf 1:0 gestellt. Der Gejagte ist Beat Feuz, der die Abfahrtskugel zuletzt vier Mal in Folge gewinnen konnte,

"Die letzten zwei Jahre war ich an Beat immer wieder dran. Er ist ein Topmann, das hat er heute auch wieder bewiesen. Er lässt nicht locker", verneigt sich Mayer vor dem Schweizer. "Es ist ein lässiger Kampf - vielleicht Österreich gegen Schweiz. So dass wir das wieder mal g'scheit aufmischen."

Kriechmayr: "Nummer 1 war kein Nachteil"

Mitmischen will auch der Weltmeister. Vincent Kriechmayr wandelte beinahe auf den Spuren seines WM-Triumphs und legte mit Nummer 1 vor. Allerdings wurde diesmal seine Zeit doch noch geknackt.

Die Nummernwahl habe sich im Nachhinein als richtig erwiesen. "Die Nummer 1 war sicher kein Nachteil. Die Piste wird nicht besser. Die Sicht war vorne vielleicht auch noch ein bisschen besser", so der Oberösterreicher. "Der Max (Franz) war super drauf - mit einer niedrigeren Nummer wäre er g'scheit heiß geworden. Gratulation an den Mothl, er hat wirklich nichts zugelassen und verdient gewonnen."

Franz hadert mit hoher Nummer

Der angesprochene Max Franz zeigte sich nicht ganz zufrieden, die schlechte Sicht habe ihm mit Startnummer 15 einen Strich durch die Rechnung gemacht.

"Die Leistung von mir war sicher sehr gut. Mich ärgert es nur ein bisschen, es war halt ein bisschen mehr angepeilt. In ein paar Passagen liegt noch ein bisschen", analysierte der Kärntner Landsmann von Mayer. "Im Flachen bin ich es einfach zu hart gefahren. Aber es war mit der Sicht einfach schwierig, du hast die ganzen kleinen Schläge nicht gesehen."

"Konkurrenz wird es uns nicht schenken"

Doppel-Weltmeister Kriechmayr war die Erleichterung nach dem gelungenen Auftakt jedenfalls anzusehen, denn im Training habe er sich doch schwergetan: "Das war nicht nur taktisches Geplänkel. Dass es im Rennen jetzt so funktioniert, ist natürlich schön."

Mit seinem typischen Understatement kommentiert der 30-Jährige den ÖSV-Doppelsieg: "Der Saisonstart war nicht schlecht." Die Saison sei aber noch jung: "Die Konkurrenz wird es uns nicht schenken und sagen: Passt, tut's so weiter Burschen."

Duell Österreich gegen die Schweiz

Einer, der bei der Kugelvergabe nichts verschenkt, ist Beat Feuz. Als Dritter sackt der Schweizer auch wieder Big Points ein. Wo er Zeit liegen gelassen hat, wusste der 34-Jährige danach: "Einen Fehler habe ich schon im Kopf - Einfahrt Fishnet war ich etwas überrascht, wie schnell es da geht. Das habe ich etwas verpasst."

Mit dem Podestplatz war er zufrieden: "Lake Louise ist immer eine schwierige Strecke. In diesem Jahr besonders mit den Bodenwellen. Heute zudem die schlechte Sicht - da braucht es die volle Überwindung."

Auf den ersten fünf Rängen dominierten zum Saisonstart die Farben rot und weiß. Mit Mayer, Kriechmayr und Franz beziehungsweise Feuz und Marco Odermatt waren nur Läufer aus Österreich und der Schweiz in den Top 5 zu finden.

"Man heut heute gesehen: Österreich ist bereit, die Schweiz offensichtlich auch", freut sich Feuz auf die Fortsetzung des ewigen jungen Duells der Ski-Großmächte.

Mit dem Doppelsieg haben Mayer und Kriechmayr jedenfalls ein Ausrufezeichen gesetzt. Ob es am Ende für den ersten ÖSV-Sieg im Abfahrtsweltcup seit 2012 (Klaus Kröll) reicht, wird sich weisen.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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