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Nach der WM: Ski-Zirkus bricht zu umstrittenem USA-Trip auf

Die Ski-Männer gastieren zum zweiten Mal in dieser Saison in den USA. Der FIS-Präsident will den dortigen Markt erobern, für den ÖSV macht der Trip keinen Sinn.

Nach der WM: Ski-Zirkus bricht zu umstrittenem USA-Trip auf Foto: © GEPA

Nach der WM ist vor dem Weltcup-Finish.

Viel Zeit zum Durschnaufen bleibt den Ski-Stars nicht, schon am Wochenende geht es im Weltcup weiter. Die Frauen sind für Speed-Rennen in Crans Montana in der Schweiz zu Gast, die Männer steigen in den Flieger Richtung USA, wo zuerst in Palisades Tahoe (Technik) und dann in Aspen (Speed) gefahren wird.

Für die Männer ist es nach den traditionellen Speed-Rennen zu Saisonbeginn der zweite Übersee-Trip in diesem Winter. Ein Umstand, der in Zeiten von Klima- und Energiekrise für viel Kritik sorgt.

FIS-Präsident Johann Eliasch rechtfertigte den zweiten USA-Trip schon im Oktober im LAOLA1-Interview so: "Es bedeutet mehr Möglichkeiten am nordamerikanischen Markt. Wenn wir diesen knacken und hohe Zuschauer-Zahlen im TV erreichen, kann uns das viel Geld und Aufmerksamkeit bringen. Das wäre phänomenal für den Sport. So müssen wir denken."

Im November würden die Leute in den USA die Weltcup-Rennen nicht so interessieren, im März hingegen schon, argumentierte Eliasch.

"Die Leute in den USA fahren im März und April noch gerne Ski, vor allem rund um Ostern. Wir wollen dann zur Hauptsendezeit im Fernsehen zu sehen sein, um die volle Aufmerksamkeit zu haben."

ÖSV-Präsidentin Stadlober: "Solche Reisen sind kontraproduktiv"

Beim ÖSV sieht man den USA-Trip kritisch.

"Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, zwei Mal nach Amerika zu reisen", sagt Präsidentin Roswitha Stadlober klipp und klar. "Da braucht sich die FIS dann nicht hinstellen und sagen, wir tun so viel für den Klimaschutz. Solche Reisen sind ja kontraproduktiv."

Abgesehen vom CO2-Ausstoß verursachen derartige Übersee-Reisen enorme Kosten für die einzelnen Verbände.

Der ÖSV wendet eine sechsstellige Summe dafür auf, damit Technik- und Speed-Team samt Betreuern und Material über den großen Teich zu fliegen. Vom organisatorischen Aufwand ganz zu schweigen.

Viele Servicemänner und Betreuer sind gleich am Montag nach der WM in Richtung USA aufgebrochen, die Athleten rund um Manuel Feller und Marco Schwarz steigen am Mittwoch in den Flieger - so spät wie möglich, um die hohen Kosten für die Unterbringung vor Ort zu minimieren.

Für Schwarz und Raphael Haaser geht es dann samt Material von Palisades Tahoe weiter nach Aspen. Auch diese Reisen müssen geplant werden.

"Logistisch ist es ein Wahnsinn, finanziell ist es ein Wahnsinn", sagt Stadlober salopp.

Athleten freuen sich auf die Rennen in den USA

Während sich die Begeisterung bei der Präsidentin in Grenzen hält, freuen sich die meisten Athleten trotz Termin-Stress nach der WM auf die USA-Reise.

"Man hätte es sicher ein bisschen anders legen können vom Termin her, aber ich war noch nie bei einem Weltcup-Rennen in Amerika, ich freue mich schon richtig", sagt etwa Fabio Gstrein.

Marco Schwarz, der als Allrounder ohnehin schon ein Monsterprogramm absolviert, meint: "Natürlich ist es sehr viel Aufwand, sehr viel Reiserei, der Jetlag kommt auch noch dazu. Aber ich freue mich volle auf die USA, muss ich ganz ehrlich sagen."

Das heikle Thema Kalender-Planung

ÖSV-Präsidentin Stadlober könnte sich vorstellen, zukünftig zu Beginn der Saison einen längeren Übersee-Block im Kalender zu haben und dann zurück nach Europa zu kehren.

"Wir wissen, dass in Nordamerika gerade von Oktober bis Dezember gute Bedingungen sind", sagt Stadlober.

Das Thema Kalender-Planung ist generell ein heikles. Einerseits will der Weltcup so nachhaltig wie möglich sein, andererseits plant die FIS in neue Märkte wie China zu expandieren, die noch mehr Reise-Tätigkeiten zur Folge hätten.

"Nachdenken kann man über alles", meint Stadlober, "aber man muss über die Reiseroute nachdenken: Wie oft fliege ich wo hin. Wenn man nach China geht, müsste man vielleicht Japan dazu nehmen und gleich drei Wochen drüben bleiben. Aber das ist natürlich auch eine enorme Reise. Das muss man sich gut überlegen."

Stadlober spricht zudem die Themen Infrastruktur und Schneesicherheit an. "Skisport findet in den Alpen statt, das wird immer eine Gegend sein, wo Schnee fällt. Wenn man jetzt neue Märkte wie China erschließt, ist auch die Frage, wie viel künstlichen Schnee ich dort produzieren muss. Da wären wir wieder bei der Nachhaltigkeit. Bleiben wir in Europa und nutzen wir das, – Pisten und Bergbahnen – was wir schon haben."

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