Kristoffersen: "Ich war einfach nicht gut genug"

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Fehlstart!

So muss man den Auftakt von Henrik Kristoffersen in die neue Saison schonungslos bezeichnen. Der Weltmeister aus Norwegen musste sich mit Rang 18 im Riesentorlauf am Rettenbachferner zufrieden geben.

Eine Momentaufnahme, die nichts daran ändert, dass der 25-Jährige nach dem Rücktritt von Marcel Hirscher einer der Top-Favoriten auf den Sieg im Gesamtweltcup ist. Und, die Kristoffersen nicht aus der Ruhe bringt.

"Ich habe in den letzten Jahren den Fokus zu sehr auf den Gesamtweltcup gelegt. Das war zu viel für mich, daraus habe ich viel gelernt. Ich denke, es ist wichtiger, sich auf jedes einzelne Rennen zu konzentrieren, sagt der Gesamtweltcup-Dritte der Vorsaison in Sölden.

Im LAOLA1-Interview erklärt Kristoffersen außerdem, warum er nie sauer auf Marcel Hirscher war, was er von seinem großen Rivalen gelernt hat und was es mit den Hausbau-Plänen in Salzburg auf sich hat:

Kristoffersen: "Hätte Hirscher gerne geschlagen!"
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LAOLA1: Seit du in den Weltcup eingestiegen bist, hattest du immer Marcel Hirscher als Gegner, er war dein großer Konkurrent. Wie traurig bist du darüber, dass er seine Karriere beendet hat?

Kristoffersen: Ein bisschen traurig. Ich kann es verstehen, dass er aufgehört hat und habe totalen Respekt dafür. Jetzt, wo er nicht mehr dabei ist, kann ich sagen, dass ich gerne noch eine Chance gehabt hätte, ihn zu schlagen. Aber ich hatte genug Chancen. Ich bin selber schuld, dass ich ihn nicht besiegt habe. Er war einfach besser als ich.

LAOLA1: Was war deine größte "Niederlage" gegen Hirscher?

"Es gab in den letzten Jahren ziemlich viele Momente, in denen ich wütend war, weil ich Marcel nicht geschlagen habe. Aber ich war nie wütend auf ihn, sondern auf mich selbst. Ich kann ihn nicht dafür verurteilen, dass er schnell Ski gefahren ist."

Kristoffersen: Es gab in den letzten Jahren ziemlich viele Momente, in denen ich wütend war, weil ich Marcel nicht geschlagen habe. Aber ich war nie wütend auf ihn, sondern auf mich selbst. Ich kann ihn nicht dafür verurteilen, dass er schnell Ski gefahren ist, er hat einfach versucht, sein Bestes zu geben. Das ist zu 100 Prozent fair und so sollte es auch sein. Ich war einfach nicht gut genug, ich hätte manchmal einfach besser sein müssen. Deshalb war ich oft wütend, aber nie auf jemanden, der mich geschlagen hat.

LAOLA1: Gibt es irgendetwas, das du von Marcel gelernt hast?

Kristoffersen: Auf jeden Fall. Ich denke, jeder will vom Besten lernen und Marcel war der Beste. Er war sehr professionell und hatte ein professionelles Team um sich. Das hat sich in diesem Jahr auch bei mir geändert, ich habe mein eigenes Team, worüber ich sehr glücklich bin.

LAOLA1: Ist ein Privat-Team mittlerweile notwendig, um erfolgreich zu sein?

Kristoffersen: Ich denke schon, sonst würde ich es nicht machen. Ich mache das ja nicht, damit ich es bequemer habe, sondern weil ich der Beste sein will. Die Welt im Allgemeinen und auch der Sport wird immer professioneller, deshalb müssen wir auch professioneller werden. Man konnte es in der Vergangenheit bei Hirscher, Lindsey Vonn oder Tina Maze sehen oder jetzt bei Shiffrin und Pinturault. Die Besten der Welt hatten immer ihr eigenes Team, Marc Girardelli zum Beispiel auch. Jeder Mensch ist verschieden, deshalb arbeiten einige in einem großen Team besser, einige wenn sie alleine sind. Jeder muss seinen Weg finden.

LAOLA1: Du bist neben Alexis Pinturault der große Favorit auf den Gesamtweltcup-Sieg. Wie gehst du mit dieser Rolle um? 

"Ich habe in den letzten Jahren den Fokus zu sehr auf den Gesamtweltcup gelegt. Das war zu viel für mich, daraus habe ich viel gelernt."

Kristoffersen: Der Gesamtweltcup ist das Größte, das du als Skifahrer erreichen kannst. Deshalb sollte es das größte Ziel von allen Fahrern sein, ihn zu gewinnen. Aber im Moment denke ich noch nicht daran. Ich habe in den letzten Jahren den Fokus zu sehr auf den Gesamtweltcup gelegt. Das war zu viel für mich, daraus habe ich viel gelernt. Ich denke, es ist wichtiger, sich auf jedes einzelne Rennen zu konzentrieren. Ich will versuchen, das Skifahren zu genießen und dabei so schnell wie möglich zu sein. Wenn du nicht schnell bist, wirst du nicht gewinnen.

LAOLA1: Wenn du den Gesamtweltcup gewinnen willst, wirst du um Einsätze in der Kombination und im Super-G wohl nicht herumkommen. Wie viel Super-G hast du in der Saison-Vorbereitung trainiert?

Kristoffersen: Es waren nur drei oder vier Tage. Nach Levi fliege ich in die USA, wo ich Super-G und Abfahrt trainieren werde. Aber der Fokus liegt ganz klar auf Slalom und Riesentorlauf. Es ist wichtiger, in diesen Disziplinen viele Punkte zu machen, als ein paar wenige im Super-G. Wenn ich einen Super-G und eine Kombination fahre, dann ist die erste Möglichkeit in Hinterstoder (29.2. und 1.3.2020, Anm.).

LAOLA1: Vor dem Saisonstart gab es Diskussionen um den Rennkalender, viele sagen, es gibt zu viele Rennen. Was ist deine Meinung dazu?

Kristoffersen: Das ist ein gute Frage. Ich weiß nicht genau, ich habe noch nicht wirklich darüber nachgedacht. Natürlich bin ich nach einer Saison müde, aber ich finde, das sollte auch so sein. Wir alle - die Fahrer und die Fans - leben für die Klassiker. Sölden, Val d'Isere, Madonna, Kitzbühel, Schladming, Adelboden und Wengen sind die populärsten Rennen. Vielleicht sollten wir eine Saison mit zehn Abfahrten, zehn Super-Gs, zehn Riesentorläufen und zehn Slaloms machen.

LAOLA1: Keine Kombinationen und Parallel-Bewerbe mehr?

Kristoffersen: Vielleicht ist es so einfacher, denn dann sind es vier Disziplinen anstelle von sechs oder sieben. Vielleicht ist manchmal weniger mehr. Aber man muss darüber nachdenken.

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LAOLA1: Du wohnst schon länger in Salzburg. Man hört, du baust dort jetzt ein Haus. Stimmt das?

Kristoffersen: Nein, ich baue noch kein Haus, aber wir suchen einen Platz, an dem wir nächsten Sommer ein Haus bauen können.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

Textquelle: © LAOLA1.at

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