Ledecka: Die Boarderin "fährt allen um die Ohren"

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Die Nummer 26 dürfte wohl Ester Ledeckas Glücksnummer sein.

Zur Erinnerung: Am 17. Februar 2018 holte die Tschechin - eigentlich im Snowboardsport zuhause - mit Startnummer 26 völlig überraschend und ein Hundertstel vor Anna Veith Olympia-Gold im Super-G bei den Winterspielen in Pyeongchang. Einen Weltcup-Sieg konnte die damals 22-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorweisen.

Nicht weniger sensationell gelang ihr dieser nun endlich bei der ersten Saison-Abfahrt 2019/20 in Lake Louise: Ebenfalls mit Startnummer 26 setzte sich Ledecka mit einer Wahnsinns-Fahrt vor der Schweizerin Corinne Suter und der Tirolerin Stephanie Venier auch im alpinen Ski-Weltcup erstmals an die Spitze.

"Jetzt ist uns wieder mal eine Boarderin um die Ohren gefahren", scherzt Venier über ihre tschechische Konkurrentin und fügt an: "Sie hat's echt drauf. Wahrscheinlich wird sie es sein, an der wir uns in nächster Zeit die Zähne ausbeißen."

Überraschend kommt der Sieg der Tschechin aber nur für Außenstehende. Ledecka verbrachte dank der Unterstützung ihres Sponsors bereits einen Monat im kanadischen Nakiska und konnte sich optimal auf die Bedingungen einstellen.

Um in Lake Louise an den Start gehen zu können, ließ die vierfache Snowboard-Gesamtweltcupsiegerin sogar den Saisonauftakt im russischen Bannoye aus.

Venier: "Ledecka kann alles"

Seit Februar 2016 startet Ledecka mittlerweile auch im Skiweltcup. Nur zwei Jahre später schaffte es die Athletin des TJ Dukla Liberec als erste, bei denselben Winterspielen Gold in verschiedenen Sportarten zu gewinnen. Wenige Tage bevor sie 2018 in Korea ihr programmiertes Gold im Parallel-Snowboarden abholte, hatte sie Anna Veith sensationell Super-G-Gold entrissen.

"Seitdem arbeite ich daran, auch im Ski mehr Erfolge einfahren zu können", gestand Ledecka der APA in einem Interview vor der Saison. "Ich würde es nicht Zufall nennen. Aber ich weiß, dass ein Rennen allein nicht zeigt, dass du die Beste bist. Speziell bei Olympia, wo so viel Druck herrscht." Druck von außen verspüre sie aber nicht. "Ich selbst bin es, die beweisen will, dass es auch öfter als ein Mal geht."

Ledecka geht schräge Wege. Sie kommt aber auch aus einer außergewöhnlichen Familie. Großvater Jan Klapac spielte im Eishockey-Nationalteam, Mama Zuzana war Eiskunstläuferin, Papa Jan Ledecky ist ein bekannter Musiker. Ihr Bruder designt Esters Rennanzüge. Sie selbst ist von klein auf sportfanatisch und multitalentiert. "Sie kann alles. Snowboarden, Tennisspielen, Skifahren, Basketball, Volleyball, Windsurfen. Dafür ist sie weniger im Fitnessstudio. Sie macht das auf dem Surfbrett wieder wett", weiß Venier.

Findet Ledecka die richtige Balance?

Ledeckas Premieren-Triumph auf Ski kam an einem Wochenende, an dem sie eigentlich beim Snowboard-Saisonauftakt in Russland hätte sein sollen. Die Weltcups auf einem und zwei Brettern unter eine Hut zu bringen, wird schwierig wie noch nie. "Es überschneidet sich viel und es gibt im Snowboard viel mehr Rennen als vergangenes Jahr. Es wird also schwer, die Kugel wieder zu gewinnen. Selbst wenn ich alle Rennen, an denen ich teilnehme, gewinne", ist Ledecka bewusst.

Beim Wechseln zwischen den beiden Sportarten hilft aber, dass sie mittlerweile Red Bull als Unterstützer und damit professionelle Möglichkeiten hat. "Einem Team anzugehören, bei dem Vonn, Hirscher, Svindal und Alexis Pinturault sind, ist eine Riesen-Ehre. So etwas habe ich noch nie erlebt. Es ist wie eine Familie", schwärmte Ledecka.

Letztlich entscheide aber das Bauchgefühl über die Rennplanung. Und ihre Coaches. Fürs Skifahren sind bei Ledecka weiter die Bank-Brüder zuständig, für das Snowboarden Justin Reiter und Sigi Grabner. Ihr neuer Servicemann ("Der bisherige wollte vom Leben mehr als nur im Skikeller stehen") hat früher die Ski von Landsfrau Sarka Strachova gewachselt. Als Sarka Zahrobska hatte diese für Tschechiens erste Ski-Weltcupsiege gesorgt. Ledecka ist nun die erste Abfahrtssiegerin aus der Tschechischen Republik.

"Möchte so viele Skirennen wie möglich bestreiten"

Auch wenn sie St. Moritz auslässt und stattdessen in Cortina und Carezza wieder aufs Snowboard steigt, wird Ledecka schon diesen Winter den Fokus eher beim Skifahren haben. "Ich möchte so viele Skirennen wie möglich bestreiten", hat sie sich vorgenommen. Dort seien das Publikumsinteresse und die mediale Beachtung einfach größer. "Dank Olympia in China wird aber auch Snowboard wieder wachsen", ist die 24-Jährige gleichzeitig überzeugt.

Im Visier hat Ledecka auch die alpinen Weltcup-Kombinationen, auch wenn der Slalom fast schon so etwas wie eine weitere Disziplin für sie darstellt. "Am liebsten", so Ledecka lachend, "wäre mir eine Kombination aus Ski-Abfahrt und Snowboard-Slalom".

Da wäre die Tschechin wohl unschlagbar, das ist auch Nicole Schmidhofer klar. "Snowboarder fahren den gleichen Kurs mehrmals. Ester hat uns also etwas voraus, wenn die Piste schwierig ist." Auch Nina Ortlieb war in Lake Louise beeindruckt: "Cool, wenn eine zeigt, dass sie mehrere Talente hat. Hut ab vor dieser Doppelleistung."

Ergebnis der 1. Abfahrt in Lake Louise>>>

Siegerliste der Abfahrten in Lake Louise>>>

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Textquelle: © LAOLA1.at/APA

Ski Weltcup: Venier bei Ledecka-Show in Lake Louise am Podest

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