Schröcksi: Hirscher als Mitgrund für ÖSV-RTL-Krise

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Beim ÖSV herrscht nach den zwei unerwartet deftigen Niederlagen im Riesentorlauf in Sölden Katerstimmung.

Die Kerndisziplin ist im rot-weiß-roten Lager eine Mega-Baustelle, das ist aber nicht erst seit Sonntag klar. Auch das neue Trainerteam um Michael Pircher könne "kein Wunder vollbringen", stellt Herren-Chef Andreas Puelacher fest. So bleiben nur die Schlagwörter Hoffnung und harte Arbeit.

Stefan Brennsteiner als bester ÖSV-Läufer 17., bei den Damen schauten am Samstag die Plätze 15, 17 und 19 durch Katharina Truppe, Stephanie Brunner und Ramona Siebenhofer heraus. Das Sölden-Wochenende war ein Griff ins Leere, der besonders schmerzt.

ÖSV-Präsident Peter Schröcknadel sieht auch die erfolgreiche Ära von Seriensieger Marcel Hirscher als Mitgrund für die RTL-Krise. "Wenn du Marcel Hirscher in der Mannschaft hast, denkst du dir, dass du gegen ihn eh nicht gewinnen wirst. Dann gehe ich in die Abfahrt oder in den Super-G, wo ich noch eine Chance habe. Diese Blockade kommt von unten", glaubt Schröcksnadel bei "Sport und Talk" auf "ServusTV".

Grundsätzlich ist klar, dass Marcel Hirscher viel zugedeckt und die mediale Aufmerksamkeit von den Schattenseiten seiner Erfolge weggelenkt haben. Von 2010 bis 2019, als der Superman aus Salzburg im Weltcup etabliert war, gab es rein auf Weltcup-Ebene nur einen weiteren ÖSV-Sieg (Philipp Schörghofer 2011 in Hinterstoder) und gut ein Dutzend weitere Podestplätze.

Schröcksnadel: "Es gibt ein Overcoaching"

Der seit dem Abschied von Hans Pum als Sportchef amtierende Anton Giger hat das Problem erkannt und ein neues Trainerteam installiert, mit dem früheren Hirscher-Coach Pircher und Hirscher-Papa Ferdinand als erhoffte Garanten für Erfolg. Die werden jedoch Zeit brauchen, da ihr Ansatz grundlegend eingreift, nämlich bei der Schwungtechnik ansetzt.

"Wir werden uns mit kleinen Teilerfolgen begnügen müssen", erklärt Gruppentrainer Pircher die Situation, die in den nächsten Monaten wartet. Wer das Festhalten der Verantwortlichen an der Zwischenzeit von Roland Leitinger hörte, der im ersten Durchgang vor seinem Ausfall vor dem späteren Zweiten Marco Odermatt lag, erkannte, wie klein die zu backenden Brötchen im Riesentorlauf derzeit sind.

"Leitinger war schnell am Weg, Brennsteiner wollte natürlich Punkte machen, ist aber relativ gut gefahren", lässt Schröcksnadel Milde walten. "Ich bin sicher, dass sie schnell fahren können, das haben sie ganz oben gezeigt. Sie haben es halt nicht heruntergebracht. Aber ich bin sicher, dass sie es können."

Der ÖSV-Boss glaubt aber auch, dass die ÖSV-Läufer zu viel nachdenken. "Es gibt ein Overcoaching. Du kannst einem Läufer nicht sagen, was er bei jedem Tor tun soll. Der soll sich zwei Schlüsselstellen anschauen und dann fahren – mit Selbstverständnis, denn er hat ja alles gelernt", so Schröcksnadel, der die Läufer nicht an Lehrbuch-Techniken binden will. "Man sollte einen Rennfahrer so fahren lassen, wie er selber glaubt, dass er am schnellsten ist. Ein Ligety oder Miller sind auch gegen die Norm gefahren."

Fehlt im ÖSV die interne Konkurrenz?

Diskussionsansätze gibt es viele. Hinter vorgehaltener Hand raunen frühere ÖSV-Läufer, dass den Österreichern die interne Konkurrenz abgehe. Zu den Zeiten von Hermann Maier, Stephan Eberharter und Co. habe man im Training schon gewusst, wo man im internationalen Vergleich stehe, da die Leistungsdichte im Kader so hoch gewesen sei. "Dadurch bist du viel eher das Rennfahren gewohnt, dann schreckt es dich auch nicht", sagt ein Ex-Aktiver. Heute seien die Athleten dann in den Rennen überrascht, weil sie im Training in Kleingruppen nicht voll gefordert würden.

Dem müsste man aber entgegenhalten, dass sehr wohl Zeitläufe gegen Sportler aus anderen Mannschaften gefahren werden. "Die Trainingsleistungen waren im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz eigentlich okay. Darum haben wir uns auch mehr erwartet", verwies Puelacher in Sölden etwa darauf, dass man etwa mit den Norwegern und dem Slowenen Zan Kranjec geübt habe. Zudem verstärken auch immer wieder Läufer aus der Technikgruppe von Marko Pfeifer - wie Schwarz und Feller - oder die Speed-Akteure Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr die RTL-Kerntruppe.

Unmittelbar bleibt für die rot-weiß-roten Riesentorlauf-Aspiranten nur die Gewissheit, dass der Weg noch ein langer ist. "Ich werde trotzdem hart an mir weiter arbeiten", verspricht Brennsteiner. "Wenn man jedes Mal um eine Sekunde schneller runterfährt, ist man zwei Sekunden schneller, dann fehlt nicht mehr viel. Das geht aber nur über Vertrauen, wenn ich mehrere Rennen ins Ziel gefahren bin." 1,98 Sekunden fehlten Brennsteiner am Sonntag auf Sieger Braathen.

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Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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