Reichelt: "Werde meine Unschuld beweisen!"

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Hannes Reichelt wirkt nachdenklich, ein Lächeln kommt ihm um einiges schwerer über die Lippen als sonst.

Etwas über eine Woche ist es nun her, dass die Doping-Vorwürfe um den ÖSV-Athleten wie eine Bombe in die österreichische Sportlandschaft eingeschlagen sind.

„Es geht mir definitiv besser, als in den Tagen, als das ganze aufgekommen ist. Das war schon ein brutaler Schock. Das waren sicher die schlimmsten Tage in meinem Leben als Sportler“, erklärt Reichelt bei einem ÖSV-Medientermin auf der Kitzbüheler Streif auf LAOLA1-Nachfrage.

An einem scheinbar normalen Tag Ende Mai läutete es um sieben Uhr morgens an Reichelts Tür. Der Familienvater hatte zunächst mit einer Dopingkontrolle gerechnet, doch es kam viel schlimmer.

„Als sich die Herren als Beamte des Bundeskriminalamts ausgewiesen haben, habe ich erst einmal blöd geschaut. Zuerst dachte ich, sie werden einfach eine Aussage von mir wollen, erst am Posten ist mir vorgelegt worden, was für Anschuldigungen da eigentlich im Raum stehen. Da hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen“ schildert Reichelt.

Der 38-Jährige steht im Verdacht, verbotene Medikamente eigenommen zu haben. Die Anschuldigungen kommen laut Reichelt aus dem Langlauf-Lager, der ehemalige ÖSV-Trainer Gerald H. und Servicemann Emanuel M. sind im Zuge der "Operation Aderlass" ins Visier der Ermittler geraten - und damit auch Reichelt. Mit Gerald H. verbindet ihn eine Freundschaft seit Schultagen, die ihn nun ins schiefe Licht rückt.

Reichelt: "Da sind mir die Tränen gekommen"

„Alle Dopingkontrollen in meiner Karriere waren negativ, ich habe auch nie einen einzigen Dopingtest verpasst. Das sind wichtige Aspekte, die zeigen, dass ich immer einen sauberen Sport betrieben habe. Wenn du dein ganzes Sportlerleben lang schaust, dass du sauber bist und kein Hustenzuckerl nimmst, weil du nicht weißt, was drinnen ist, dann sind solche Anschuldigungen ein brutaler Schock“, sagt Reichelt. „Mittlerweile habe ich mich davon erholt und den Fokus drauf gelegt, klipp und klar meine Unschuld zu beweisen!“

„Ich habe Nachrichten von Freunden bekommen, bei denen mir die Tränen gekommen sind, weil sie so nett waren. Das gibt mir viel Auftrieb und die Motivation, dass ich mich da durchkämpfe und klarstelle, dass das alles ein Blödsinn ist.“

Zu den konkreten Maßnahmen, die er diesbezüglich ergreifen wird, kann Reichelt aus "ermittlungstechnischen Gründen" nichts sagen, aber: „Eines kann ich euch sagen: Ich werde mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten, damit das alles schnell aufgeklärt wird. Ich habe nichts zu verbergen.“

Vor allem der Zuspruch von Familie, Freunden und Fans treibt ihn jetzt an. „Ich habe Nachrichten von Freunden bekommen, bei denen mir die Tränen gekommen sind, weil sie so nett waren. Meine Fans stehen auch hinter mir. Das gibt mir viel Auftrieb und auch die Motivation, dass ich mich da durchkämpfe und klarstelle, dass das alles ein Blödsinn ist.“

ÖSV-Kollegen "stehen zu hundert Prozent hinter ihm"

Rückendeckung bekommt Reichelt auch vom ÖSV und seinen Kollegen aus dem Speed- und Technik-Team. 

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hannes irgendetwas in diese Richtung gemacht hat. Ich bin überzeugt, dass da jeder der gleichen Meinung ist, dass wir alle hinter ihm stehen“, meint etwa Marco Schwarz. 

„Es war für uns auch komplett überraschend und wirklich ein Schlag, als ich davon gelesen habe“, gibt Matthias Mayer zu, versichert aber zugleich, dass das ÖSV-Herren-Team "zu hundert Prozent hinter ihm steht“. Zweifler gebe es keine. 

Innerhalb der Speed-Mannschaft hat es am Sonntag bei der Anreise zum Trainingslager - das ÖSV-Team absolviert derzeit einen Konditions-Kurs im Bezirk Kitzbühel - eine Aussprache gegeben. 

„Die Jungs kennen mich schon lange. Ich habe ihnen die Situation erklärt, um einfach zu zeigen, wie alles abgelaufen ist. Damit es keine Spekulationen gibt und sie es aus erster Hand erfahren“, sagt Reichelt. 

Warnung von Reichelt

"Es geht auch darum, für die Zukunft zu sensibilisieren. Obwohl man nichts Unerlaubtes getan hat kann sowas jedem passieren."

Er will seinen Kollegen aber auch ein warnendes Beispiel sein. „Keiner von ihnen war schon einmal in so einer Situation. Es geht auch darum, für die Zukunft zu sensibilisieren. Obwohl man nichts Unerlaubtes getan hat, kann sowas jedem passieren. Ich war immer der Meinung, wenn du nichts Unerlaubtes tust kann dir auch nichts passieren. Aber das war falsch gedacht.“

Wie er ins Visier der Ermittler kommen konnte erklärt sich Reichelt so: „Die Freundschaft zu Gerald war ein Angriffspunkt. Es war Emanuel M. - ein guter Freund von Dürr -, der die Anschuldigungen gemacht hat. Ich war der einzige Angriffspunkt, damit sie einen Alpinen anschwärzen können. So kann ich es mir nur erklären.“

Gerald H. Kennt Reichelt seit Jahrzehnten, der ehemalige ÖSV-Langlauf-Trainer hat ihm seit 2005 Trainingspläne geschrieben, in den letzten zwei Jahren haben die beiden auch ein paar Mal zusammen trainiert. 

„Ich kann nur sagen, dass Gerald mir gegenüber nie das Thema Doping erwähnt hat und es war auch nie ein Thema“, versichert Reichelt. 

Trotz zahlreicher Spekulationen, die Gerald H. in den letzten Jahren mit dem Thema Doping in Verbindung brachten, hielt Reichelt bis zuletzt an der Zusammenarbeit fest. Gerald H. habe ihm nach dem Doping-Skandal bei der Nordischen WM in Seefeld Anfang diesen Jahres sogar angeboten, diese zu beenden. 

„Ich lasse einen Freund nicht, nur weil Gerüchte auftauchen, links liegen“, sagt der Salzburger. „Ich habe mir immer gedacht, wenn was bewiesen wird, beende ich die Zusammenarbeit. Es hat für mich einfach keinen Grund gegeben. Im Nachhinein würde ich sagen, sicher hätte ich die Zusammenarbeit früher beenden sollen. Aber im Nachhinein ist man immer g’scheiter.“

Ein Stück Normalität

Aber Reichelt will nicht mehr zu sehr in die Vergangenheit blicken sondern in die Zukunft. Wie lange die Ermittlungen in der Causa noch dauern werden ist schwer abzuschätzen. 

„Ich hoffe nicht lange. Ich sollte mich ja aufs Skifahren und auf die Saison-Vorbereitung konzentrieren und nicht immer das Thema im Hinterkopf haben“, sagt Reichelt. 

Durch das gemeinsame Training mit seinen Kollegen sei nach den turbulenten Tagen immerhin wieder ein Stück weit Normalität eingekehrt. „Aber es ist brutal schwierig, sich aufs Training zu konzentrieren. Ich hoffe, dass die Sache bald vom Tisch ist.

Vielleicht kann Hannes Reichelt dann wieder unbeschwert lächeln. 

Textquelle: © LAOLA1.at

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