Puelacher zu Vonn-Plan: "Machen uns lächerlich"

Aufmacherbild Foto: © getty
 

Lindsey Vonn macht ernst: Der US-Skiverband bringt beim anstehenden FIS-Meeting in Zürich erstmals einen offiziellen Antrag ein, der Vonn die Teilnahme an einer Herren-Weltcupabfahrt ermöglichen soll. Ins Auge gefasst wird - einmalig - ein Start im November 2018 in Lake Louise.

Ein Vorhaben, das nicht überall Anklang findet. "Frauen boxen auch nicht gegen Herren oder spielen auf der Herren-Tennistour. Das ganze Theater gibt es nur, weil Frau Vonn unbedingt und nur bei einem bestimmten Rennen gegen die Herren fahren will. Warum tritt sie nicht in Beaver Creek, Kitzbühel oder Gröden an?", sagt ÖSV-Herren-Cheftrainer Andreas Puelacher gegenüber der APA.

Für Puelacher ist der Weltcup der denkbar ungeeignetste Ort für so etwas. "Damit machen wir uns lächerlich."

Waldner: "Prinzessin will ins Rampenlicht"

Nicht ganz so krass sieht das FIS-Renndirektor Markus Waldner. "Ich persönlich hätte kein Problem, wenn Lindsey mitfährt. Aber wenn sie in der ersten Kompression auf die Schnauze fällt, möchte ich keine Verantwortung tragen müssen", warnt Waldner und verweist auch auf sportliche Aspekte. "Wie reagieren andere Top-Abfahrerinnen und ist das fair, nur weil sich die Prinzessin exklusiv ins Rampenlicht setzen will?", hat der Südtiroler Bedenken.

Vonn und der US-Skiverband betonen hingegen, dass ein Antreten einer der weltweit bekanntesten Sportlerinnen gegen die besten Herren dem Skirennsport zu bisher noch nicht dagewesener Aufmerksamkeit verhelfen würde.

In dem Antrag werden die bisherigen Verdienste der Amerikanerin für den Skisport hervorgehoben und konkrete Vorschläge für Szenarien gemacht, wie Vonn sich mit den Herren messen könnte, ohne dass deshalb die Weltcup-Regeln geändert werden müssten.

Vorgeschlagen wird, Vonn mit Startnummer 21 ins Rennen zu schicken. Dies habe die geringsten Auswirkungen auf die Startreihenfolge der Herren. Vonn soll zwar in den offiziellen Ergebnislisten geführt werden, aber keine Weltcuppunkte erhalten. Auch die Punktevergabe für die Herren soll durch das Antreten der Amerikanerin nicht beeinflusst werden.

Vonn verteidigt sich

Der nunmehrige Antrag ist trotz der gigantischen Werbemaschinerie, die hinter Vonn steht, wohl der letzte Anlauf. Für die Amerikanerin soll es auf jeden Fall mehr als nur ein PR-Gag werden. "Wenn ich mit den Herren trainieren kann, warum kann ich dann nicht gegen sie Rennen fahren? Ich möchte an etwas teilnehmen, bei dem ich an mein Maximum getrieben werde", erklärte sie.

Gestellt wird der Antrag in der Exekutive des Alpin-Komitees, der Bernhard Russi vorsitzt. Für Österreich agiert dort ÖSV-Sportchef Hans Pum. Auch der österreichische US-Alpinchef Patrick Riml, der in dem US-Antrag als Kontaktperson genannt wird, gehört dem Gremium an.

Laut Weltcup-Renndirektor Markus Waldner wird es in Zürich aber einen Gegenvorschlag geben. Nämlich Vonn als letzte Vorläuferin vor dem Läufer mit der Startnummer 1 ins Rennen zu schicken und ausnahmsweise ihre Zeit zu veröffentlichen. Dadurch könnten sämtliche Regeln für die Durchführung eines Herrenrennens bestehen bleiben.

Eine Konsequenz hätte eine Teilnahme an der Herren-Abfahrt für Vonn aber schon. Sie könnte danach wohl nicht mehr an den folgenden Damen-Weltcuprennen in Lake Louise teilnehmen und müsste damit auf ein Antreten auf jener Piste verzichten, auf der sie die meisten (18) Siege gefeiert hat. Laut Reglement darf man aus Fairnessgründen ab fünf Tage vor einem Rennen nicht mehr auf dieser Piste trainieren. Trainings gelten im Ski-Weltcup als Teil des Rennens.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA

Marcel Hirschers Comeback-Plan: Sölden, Levi, Olympia

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare