Feller teilt gegen FIS aus: "Es ist gefährlich!"

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Kaum ist der Weltcup-Kalender für die Ski-Saison 2019/20 erschienen, sorgt er auch schon für Diskussionen!

Im ohnehin seit Jahren schon dichten Kalender sind im kommenden Winter noch mehr Rennen vorgesehen. Die Damen werden insgesamt 43 Rennen bestreiten, auf der Herren-Seite gibt es sogar 46 Rennen. Im vergangenen Jahr waren für Damen noch 40 Bewerbe, für Herren 42 vorgesehen gewesen.

Während das die Fans wohl freut, sehen viele Athleten diese Entwicklung kritisch. Einer von ihnen ist Manuel Feller.

"Meiner Meinung nach entscheiden das Leute, die vom heutigen Spitzensport keine Ahnung mehr haben. Die sind zu weit weg", sagt Feller klipp und klar seine Meinung.

„Ich habe das letztes Jahr schon massiv kritisiert, weil es mit keiner anderen Sportart vergleichbar ist. Ein Boxer hat maximal zwei Kämpfe im Jahr, ein Fußballer hat maximal drei Spiele in der Woche. Wir fliegen in einer Woche in vier verschiedene Länder, haben noch dazu Gepäck dabei wie kaum ein anderer. Und sie quetschen trotzdem da und dort noch was rein", bekrittelt der ÖSV-Technik-Spezialist.

„Ich weiß, wir verdienen mit den Rennen unser Geld und wir leben auch davon. Ich weiß auch, dass Skifahren eine Wintersportart ist und die Rennen alle in wenigen Monaten untergebracht werden müssen. Aber irgendwann ist es meiner Meinung nach einfach zu viel, irgendwann ist Schluss!“

"Das ist nicht intelligent"

Als Beispiel nennt Feller das straffe Programm rund um die WM in Are im Februar. „Da fliegst du von Are nach Stockholm zum City-Event und einen Tag später gleich weiter nach Bansko - und das, obwohl du eine zweiwöchige WM in den Haxn hast. Dass das nicht intelligent ist, brauche ich glaube ich niemandem erzählen."

Ähnlich stressige Wochen stehen Feller und Co. auch in der kommenden Saison bevor. Auf einige der Herren kommt ein noch intensiverer Reisestress vor Weihnachten zu als zuletzt. Denn der abendliche Parallel-Riesentorlauf unter Flutlicht in Alta Badia findet heuer erst am 23. Dezember statt. Der Nachtslalom in Madonna di Campiglio wanderte dafür ins neue Jahr, Termin ist der 8. Jänner 2020. Damit liegt das Rennen genau zwischen den anderen Slalom-Klassikern Zagreb und Adelboden, auf die Technik-Herren warten also vier Rennen in acht Tagen.

Offen ist noch, ob am 1. Jänner wie zuletzt ein City Event stattfinden wird. Oslo hat sich als Veranstalter zurückgezogen. Ob ein anderer Ort einspringt oder nicht, soll im Juli beschlossen werden.

"Gefährlich" und "brutal"

"Es ist ja auch gefährlich", warnt Feller vor der Entwicklung hin zu immer mehr Rennen und immer weniger Regenerationszeit für die Athleten.

Die vielen Verletzungen im Skizirkus sprechen eine eindeutige Sprache, auch wenn diese nicht immer Folgen des straffen Weltcup-Kalenders sind. Im Fall von Marco Schwarz führte die Überbelastung nach der WM zu einem Kreuzbandriss.

"Es ist brutal", sagt der Kärntner zum Weltcup-Kalender. Vor allem der Jänner sei für die Technik-Asse eine Herausforderung: "Von Zagreb nach Madonna nach Adelboden und für mich dann noch weiter nach Wengen - das wird schon viel werden."

In solch intensiven Wochen müsse man sich seine Kräfte genau einteilen, sagt Schwarz. Die Möglichkeit, Rennen auszulassen, zieht er zumindest aktuell nicht in Betracht. "Rennen auszulassen ist natürlich immer schwierig, aber wenn mir der Körper sagt, dass das nicht gut ist, muss man sich sicher was überlegen und vielleicht die Trainings anders einteilen."

Wo bleibt der Aufschrei der Athleten?

Warum es keinen "Aufschrei" der Athleten bei der FIS gibt? Weil es scheinbar nichts bringt.

"Das Problem ist, dass wir Sportler nicht viel Gehör finden. Schlussendlich sind wir nur die Spieler am Feld und nicht die, die das Spiel leiten."

Manuel Feller

"Es ist eh schon des Öfteren angesprochen worden, richtig geändert hat sich noch nichts", sagt Schwarz. Das bestätigt auch Feller: "Das Problem ist, dass wir Sportler nicht viel Gehör finden. Schlussendlich sind wir nur die Spieler am Feld und nicht die, die das Spiel leiten."

Auch ein Grund, warum Hannes Reichelt seine Funktion als Athletensprecher zurücklegte. Als sein Nachfolger wurde kürzlich der Schweizer Daniel Yule gewählt.

Verwirrung um Kombination

Yule wird sich in seiner neuen Funktion wohl auch die eine oder andere Kritik seiner Kollegen zur geplanten "neuen" Kombination anhören müssen. Aktuell stehen nach einem kurzfristig eingebrachten Vorschlag des italienischen Vizepräsidenten bei der FIS-Konferenz wieder zwei Varianten im Raum. 

Variante 1: Das Rennen wird mit dem Slalomdurchgang begonnen. Die Top 30 treten dann im gestürzter Reihenfolge im Super-G an. Variante 2: Das Rennen wird mit dem Super-G begonnen. Der Schnellste des Super-G darf dann mit Startnummer 1 im Slalom starten, der Zweitschnellste mit Nummer 2 und so weiter. 

Eine Entscheidung soll im Herbst fallen. "Sie wissen ja glaube ich selbst nicht, was sie wollen. Da soll mal einer den Hammer in die Hand nehmen und den Nagel treffen", fordert Feller. 

Parallel-Events ein „Experiment“

Gleiches gilt wohl für die Parallel-Rennen. "Auch der Parallel-Slalom ist eine nicht fertig produzierte Disziplin. Das ist eigentlich immer noch ein Experiment - und das in der obersten Liga. Die Disziplin ist nicht aufgebaut worden, die ist einfach so in den Weltcup reingeschmissen worden", merkt Feller an. "Wenn man die Rennen einfach zwischen den anderen Terminen reinquetschen muss, sodass es für jeden nur Stress ist und die Disziplin auch vom Konzept her nicht ausgereift ist, dann hat das in der obersten Liga noch nichts zu suchen." 

Dabei seien die Rennen immer "ein geiler Event, für uns und die Fans. Aber es ist nicht ausgereift". Es brauche ein klares Konzept, derzeit gibt es unterschiedliche Formate und Regeln für die Parallel-Slaloms und -Riesentorläufe bei Damen und Herren sowie für die City-Events. 

Das soll sich künftig aber ändern: Für die Saison 2020/21 wird eine WCSL (World Cup Starting List) erstellt. Ab dann werden alle Parallel-Rennen eine Qualifikation mit 32 Teilnehmern haben. Die Top 16 qualifizieren sich fürs Finale und erhalten ebenso wie jene Läufer auf den Rängen 17 bis 30 der Quali Weltcup-Punkte.

Höchste Zeit, findet Feller, "nachdem der Bewerb schon drei Jahre im Weltcup ist". "Das hätte man sich vielleicht vorher überlegen sollen und nicht einfach mal ausprobieren, oder?"

 

 

Textquelle: © LAOLA1.at

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