Hermann Maier: "Der Ski-Weltcup ist veraltet"

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"Ich kann euch gar nicht viel sagen."

Mit diesem Satz begrüßt Hermann Maier am Donnerstag die anwesenden Medien bei einem Pressetermin seines Partners Raiffeisen. Seit seinem Rücktritt vom Skisport vor genau zehn Jahren hat sich der "Herminator" in der Öffentlichkeit rar gemacht.

Das zehnjährige "Jubiläum" seines Rücktritts sei jedoch nicht der Grund für den Pressetermin gewesen. "In diesen zehn Jahren hat es sehr viele Anfragen für Interviews gegeben. Ich habe mir gedacht, um nicht alle einzeln zu beantworten, fassen wir alle zusammen. Einmal in zehn Jahren kann man das machen", meint Maier mit einem Augenzwinkern.

Letztlich sagt Maier dann doch viel, zum Beispiel über die aktuelle Situation des Alpinen Skisports. Schon in seiner aktiven Zeit sparte der Salzburger nicht mit Kritik am Weltcup, das hat sich auch zehn Jahre danach nicht geändert, auch wenn Maier nicht mehr jedes Rennen vor dem TV verfolgt.

Neben der Kritik an zu vielen Rennen ("Es ist einfach inflationär") stellt Maier den Gesamt-Weltcup infrage.

"Wie soll ein Speed-Fahrer die Chance haben, den Gesamt-Weltcup zu gewinnen, wenn er viel weniger Rennen hat als ein Techniker? Da ist schon die Frage, ob der Gesamt-Weltcup in diesem Sinne noch gerecht ist."

Hermann Maier

"Wie soll ein Speed-Fahrer die Chance haben, den Gesamt-Weltcup zu gewinnen, wenn er viel weniger Rennen hat als ein Techniker", fragt Maier und meint: "Das ist für mich wie Dressur- und Springreiten. Wenn die einen 25 Rennen haben und die anderen 15, dann ist es nicht möglich, dass ein Abfahrer den Gesamt-Weltcup gewinnt. In dieser Form ist das ein bisschen veraltet. Die Kluft geht da zu weit auseinander."

Das sei für den Sport nicht optimal, so Maier, der sich vorstellen kann, die große Kugel "einfach wegzulassen". "Da ist schon die Frage, ob der Gesamt-Weltcup in diesem Sinne noch gerecht oder angebracht ist. Die Disziplinen-Weltcups sind höher darzustellen."

Maier glaubt an ÖSV-Gesamt-Weltcup-Sieger

Noch gibt es die große Kugel aber, dass solche Seriensiege a la Hirscher so schnell wieder kommen, glaubt Maier nicht. "In dieser Dimension ist es schwierig. Das Level ist doch sehr hoch gesetzt worden. Dass so etwas geschafft wird, wird es, glaube ich, im Skisport nie wieder geben. Man braucht einfach dieses Umfeld dazu, dass man absolute Rekorde schaffen kann."

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Trotz Hirschers Rücktritt hält der Herminator einen rot-weiß-roten Gesamt-Weltcup-Sieger für möglich.

"Ich glaube, dass es gar nicht so lange dauern wird, bis aus österreichischer Sicht wieder jemand da ist, der Großes schaffen kann. Ich glaube, dass das schon im heurigen Jahr passieren wird. Disziplinenwertungen oder eventuell sogar die große Kugel sind für den einen oder anderen Österreicher möglich."

Maier: Zweiklassengesellschaft im Weltcup

Als wichtigsten Faktor für Erfolg ortet Maier aktuell das Material. Dieses sei heutzutage viel wichtiger als noch zu seiner aktiven Zeit. "Wenn das Material genau auf mich abgestimmt ist, dann kann ich mein vollstes Potenzial ausschöpfen. Das ist jetzt noch wichtiger als früher, als noch annähernd jeder auf demselben Material gefahren ist. Jetzt ist schon fast eine Zweiklassengesellschaft entstanden. Da scheiden gewisse Läufer schon von Vornherein aus", analysiert Maier.

Dennoch hat der mittlerweile 46-Jährige von Jahr zu Jahr mehr Respekt vor den Leistungen der Rennläufer. "Das sieht man mit einem anderen Auge als damals, als ich selber gefahren bin. Da war es normal. Das Tempo ist für mich in Zeitlupe abgelaufen, jetzt in Highspeed."

Im Gegensatz zu früher spürt er jetzt, wenn er bei Skirennen zusieht, nur Kribbeln als Lust auf eine Skitour oder Langlaufen. Und die Erinnerung verschwimme immer mehr. Präsenter sei eher das damalige Drumherum, nicht die Siege.

Maier, Mord und das Schwarze Loch

Der Skisport ist für den 46-Jährigen auch deswegen nun weit weg, da es nie eine Überlegung zur Rückkehr gegeben habe. "Wenn ein Angebot gekommen wäre, vom ÖSV, dann hätte ich mir das sicherlich genauer überlegt", erklärt der Salzburger.

Er habe aber gut abschließen können, weil er erfolgreich gewesen ist. "Ich habe meine Ziele erreicht und noch darüber hinaus." Der Weg war nicht der einfachste, sagt der ehemalige Maurer über seine Karriere, "aber es war einfach ein tolles Abenteuer."

"Es heißt oft, der Leistungssport ist Mord. Aber in meinem Fall stimmt das nicht. Es gibt keine Wehwehchen."

Hermann Maier

Jetzt ist er mit seinem Leben "durchaus zufrieden", sagt der dreifache Familienvater. "Es gibt keine Wehwehchen. Es heißt oft, der Leistungssport ist Mord. Aber in meinem Fall stimmt das nicht."

Seine Trainingseinstellung zu aktiven Zeiten habe ihm für danach viel gebracht. Auch mit Rückschlägen umzugehen, habe er als Spitzensportler gelernt. Und er sei eben vor allem fit: "Ich kann alles machen. Sollte es so weitergehen in den nächsten zehn Jahren, kann ich zufrieden sein, weil ich gar keine Einschränkungen habe. Ich habe ja als Gesunder aufhören können mit dem Sport. Das macht dann schon viel aus."

Sein Rücktritt kam nach einer Verletzungspause zwei Wochen vor dem Weltcup-Auftakt damals überraschend. Diesen Schritt bereut er nach wie vor nicht. "Ich habe eher dazugewonnen, ich vermisse nichts. Es hat immer geheißen, da kommt ein schwarzes Loch, aber das ist jetzt zehn Jahre nicht gekommen", sagt Maier und fügt mit einem schmunzeln an: "Ich hoffe, es kommt nicht im elften Jahr daher."

Textquelle: © LAOLA1.at

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