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Streif ohne Fans? Kitzbühel vor Schicksalstag

Hahnenkamm-Rennen bangen um Fans: "Wir nehmen alles, was wir kriegen."

Streif ohne Fans? Kitzbühel vor Schicksalstag Foto: © GEPA

"Es war ein selten schöner Winterstart bei uns", sagt Michael Huber, Präsident des Kitzbüheler Ski Clubs. 

Am Hahnenkamm laufen schon längst die Vorbereitungen für die legendären Weltcup-Rennen, die vom 21. bis 23. Jänner mit zwei Abfahrten und einem Slalom auf dem Programm stehen. Die Streif präsentiert sich bereits in gutem Zustand.

"Die Vorbereitungen waren so gut wie selten zuvor. Die Rennstrecke ist de facto im Rohzustand fertig, da haben wir nicht mehr viel zu tun", berichtet Huber im Gespräch mit LAOLA1

Viel mehr Sorgen als die Strecke bereitet dem Präsident des Ski Clubs, der gleichzeitig auch OK-Chef der Hahnenkammrennen ist, die aktuelle Corona-Lage. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Rennen wie im Vorjahr ohne Zuschauer stattfinden, steigt quasi von Tag zu Tag. 

"Dann darf man auch keine Veranstaltung machen"

Der ÖSV hat bereits vor Weihnachten beschlossen, die Anfang Jänner geplanten Veranstaltungen wie die Bewerbe der Vierschanzen-Tournee oder die Weltcup-Rennen der Damen in Flachau und Zauchensee ohne Fans durchzuführen. 

Eine endgültige Entscheidung, was die Zulassung von Zuschauern betrifft, gibt es in Kitzbühel noch nicht. Man orientiert sich an den Vorgaben und Regelungen der Regierung, beobachtet laufend die Entwicklungen. 

"Wir lesen wie die Auguren, welche aktuellen Maßnahmen und Einschränkungen es gibt", sagt Huber. "Normalerweise schauen wir um diese Jahreszeit immer nur noch auf den Wetterbericht. Jetzt schauen wir halt auch auf die täglichen Coronazahlen. Das sind die zwei Unwägbarkeiten, die wir haben. Man muss beides nehmen, wie es kommt. Man kann sich übers Wetter aufregen, wie man will, das kann man nicht beeinflussen. Genauso ist es mit Corona."

In Kitzbühel versucht man, den Optimismus zu wahren. Auch, wenn man pandemiebedingt bereits "viele leere Kilometer" in der Organisation gemacht hat. So wurden unter anderem schon vier verschiedene Zuschauer-Konzepte ausgearbeitet. "Aber wenn man sich dazu nicht bereit erklärt, darf man auch keine Veranstaltung machen, dann müssten wir es komplett lassen", lassen sich Huber und sein Team nicht entmutigen. 

100 Fans? "Wir nehmen alles, was wir kriegen"

Natürlich wünscht man sich in Kitzbühel, dass zumindest teilweise Zuschauer zugelassen werden. Schon im vergangenen Jahr blieb der Zielraum der Streif, wo sich normalerweise bis zu 50.000 Menschen tummeln, trostlos leer. 

"Und sollten nur 100 Zuschauer genehmigt sein, nehmen wir auch die. Wir nehmen alles, was wir kriegen können", stellt Huber klar. Eine große Tribüne wird es aber jedenfalls nicht geben. 

Bis dato sei noch keine einzige Karte verkauft worden, Anfragen gibt es jeden Tag zahlreiche. Sollten Zuschauer zugelassen werden, wird es Tickets erstmals nur im Online-Vorverkauf geben. So könnte man dann "bis zur letztmöglichen Sekunde" noch Karten verkaufen.

Eine finale Entscheidung die Fans betreffend könnte am 10. Jänner fallen, dann soll die "gesamtstaatliche Covid-Krisenkoordination" (Gecko) wieder tagen und könnten weitere Verschärfungen folgen. "Für uns wird der 10. Jänner ein Schicksalstag werden. Das wird dann der Ausblick auf die Rennwoche", so der Präsident. 

In Kitzbühel ist man darauf eingestellt, kurzfristig zu reagieren. "Derzeit planen wir nicht viel. Was Sinn macht, richten wir her. Man muss mit viel Demut und Geduld an die Sache herangehen", erklärt Huber, gibt aber auch zu: "Ein Jahr akzeptiert man es ja, aber jetzt das zweite Jahr ohne Zuschauer würde schon wehtun."

Rekord-Preisgeld trotz finanzieller Einbußen

Auch finanziell schmerzt die zweite Auflage der Hahnenkammrennen in Folge im Schatten der Pandemie. 

"Heuer ist es schlechter als im letzten Jahr. Da haben wir von vornherein gewusst, dass es keine Fans geben wird und konnten die Kosten für Zuschauer-Infrastruktur sparen. Das ist dieses Jahr anders. Wir haben bis Ende November mit 25.000 Zuschauern – das ist die Hälfte der Maximal-Kapazität – geplant. Die Kosten haben wir jetzt halt picken", schildert Hubert. 

Im Gegensatz dazu steht ein Rekord-Preisgeld, das es bei der 82. Auflage der Hahnenkammrennen gibt. Die Veranstalter schütten ein nie dagewesenes Preisgeld von insgesamt einer Million Euro aus. Die Sieger der zwei Abfahrten und des Slaloms erhalten jeweils 100.000 Euro, außerdem bekommen erstmals die ersten 45 Läufer des Abfahrtsrennens Preisgeld. Damit stoßen die Tiroler im alpinen Skirennsport in eine neue Preisgeld-Dimension vor.

"Wir haben im Oktober noch frohen Mutes das Preisgeld festgelegt, in der Annahme dass mit der Impfung wieder normal viele Fans am Hahnenkamm zugelassen werden. Jetzt würden wir es so nicht mehr beschließen."

Huber über das Rekord-Preisgeld

"Wir haben im Oktober noch guter Dinge und frohen Mutes das Preisgeld festgelegt, in der Annahme, dass mit der Impfung wieder normal viele Fans am Hahnenkamm zugelassen werden. Das ziehen wir jetzt natürlich nicht mehr zurück, auch wenn wir es jetzt so natürlich nicht mehr beschließen würden", gibt Huber zu. 

Während die Hahnenkamm-Veranstalter das Preisgeld früher traditionell erst mit Neujahr und unter Berücksichtigung des Karten-Vorverkaufs sowie der Wetterprognosen festgelegt haben, fordert die FIS aktuell eine Bekanntgabe des Preisgeldes bis 15. Oktober. 

"Jetzt können wir nur hoffen, dass die Rennen möglichst reibungslos über die Bühne gehen und dass die Rechte aus TV und Werbung möglichst gut vermarktet werden können", sagt Huber. 

Nicht die besten Aussichten in Kitzbühel. Dabei hatte der Winter so schön begonnen. 

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