Viel Kritik am Kitz-Zielsprung

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Ein Läufer, der reglos im Schnee liegt! Das sind Bilder, auf die der Skisport liebend gerne verzichten kann - die aber immer wieder passieren.

So auch bei der 1. Kitzbühel-Abfahrt 2021. Urs Kryenbühl stürzt beim Zielsprung und fliegt mit mehreren Überschlägen in den Zielraum. Selbst mit Fans wäre es in diesem Moment still geworden. Nach wenigen Minuten gibt es zumindest erste Entwarnung, als sich der Schweizer aufsetzt und laut Berichten auch ansprechbar ist.

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Der Sturz bei Höchstgeschwindigkeit heizt aber die Diskussionen um den Zielsprung weiter an. "Der Zielsprung ist seit drei Tagen hier ein Thema", schüttelt Beat Feuz den Kopf. "Er geht zu weit. Das muss nicht sein, das sollte nicht sein."

"Das Problem ist die Geschwindigkeit"

Dem Sieger stimmen die Kollegen zu. Etwa auch Dominik Paris, der schon nach den Trainings Änderungen am Sprung gefordert hatte.

Die wurden laut FIS auch vorgenommen. "Es gab nach den Trainings Rückmeldungen der Athleten, nach beiden Trainings wurde gearbeitet", erklärt FIS-Renndirektor Emmanuel Couder im ORF-Interview. "Er ist um 15 Zentimeter niedriger. Aber ohne Tisch wird es noch gefährlicher. Dieser Sprung ist so schnell, der braucht einen Tisch."

Gemeint ist eine modellierte Kante, die den Absprung steuern soll. Allerdings meinte Paris nach dem Abschlusstraining, dass er bereits vor dieser Kante abgehoben habe und dadurch in Probleme gekommen sei.

Couder weiß: "Natürlich müssen wir etwas machen. Wir werden schauen, dass wir mit Maschinen daran arbeiten. Aber das Problem beim Abbruch war, dass wir die Geschwindigkeit nicht unter Kontrolle hatten."

Durch aufgekommenen Rückenwind waren die Läufer schneller, als in den Trainings: "Wir sind mit bis zu 150 km/h zum Zielsprung gekommen - da sind wir am Limit."

"Es tut mir sehr leid. Das ist genau das, was wir nicht in der Abfahrt wollen. Wir werden alles versuchen, um in den nächsten Tagen sichere Rennen zu haben", erklärte Trinkl.

Athleten mit Lösungsvorschlag

Die Läufer hatten in ihren Diskussionen Lösungsansätze. Am "Schanzentisch" zu arbeiten, sei zu wenig. "Ich hoffe, dass sie zumindest bis morgen beim Sprung hinten die Kompression ein bisschen auffüllen, damit der Sprung ein bisschen nach unten geht", meint Matthias Mayer. "Dann kann sowas glaube ich nicht mehr so schnell passieren."

In dieselbe Kerbe stößt auch Sieger Feuz: "Man kann ihn nur entschärfen, in dem man davor die Mulde auffüllt."

Der Schweizer hält bei aller Kritik auch fest: "Ein Zielsprung gehört dazu - definitiv. Aber er muss bei diesem Tempo nicht 60, 70 Meter weit geht - und vor allem muss diese Höhe nicht sein."

Reichelt: "Zu wenig getan"

Und er betont: "Dass im Training die Athleten nicht mit der tiefsten Hocke zum Zielsprung fahren, ist auch nichts Neues. Und am Renntag wurde die tiefe Hocke ausgepackt. 148, glaube ich, Topgeschwindigkeit ist nach zwei Minuten sehr schnell. Wenn dann ein Sprung leicht bergauf geht, wird das sofort gefährlich. Der Zielsprung soll gehen, aber er muss nicht so gehen."

Eine Meinung, die Routinier Reichelt (16.) teilte. Er meisterte den Sprung mit Bravour, habe aber durch die Kompression nicht das letzte Hemd riskiert und sei eine höhere Hocke gefahren. "Ich will ihnen nichts vorwerfen, aber sie haben da zu wenig getan. Der Sprung ist halbwegs schön gebaut, aber das Problem ist der Speed durch die Traverse. Wir bekommen heuer so einen Zupf zusammen, ich hatte 149 km/h, sonst sind es 140, 145. Das ist brutal schnell."

Da sind dann Anfahrt und Sprungausführung sehr entscheidend und der kleinste Fahrfehler kann die größten Folgen haben: im Fall von Kryenbühl sind das Gehirnerschütterung, Bruch des rechten Schlüsselbeines sowie Riss des Kreuz- und Innenbandes im rechten Knie.

Reichelt will frühere Startzeit

Die erste der heuer zwei Abfahrten auf dem Hahnenkamm zog sich am Freitag über drei Stunden. Letztlich wurde nach 30 Läufern abgebrochen, 55 waren auf der Startliste gestanden. Stürze von Ryan Cochran-Siegle (USA) mit Startnummer 13 in der Traverse und Kryenbühl mit Nummer 17 nach dem Zielsprung hatten Helikopterbergungen zur Folge. Der aufkommende Wind sorgte für weitere Verzögerungen.

Wenn Rennläufer am Start eines nicht wollen, dann Details von Stürzen erfahren. "Ich habe nichts mitbekommen außer einmal Traverse, einmal Zielsprung", berichtete Reichelt, der Denkanstöße für die Verantwortlichen hatte.

Einerseits wegen des Zielsprungs, andererseits wegen der langen Startintervalle und daran gemessen - bei Verzögerungen nochmals viel spielentscheidender - zu späten Startzeit. "Für die Jungen ist es echt zäh, wenn es so dunkel wird", sagte der Salzburger. Wegen des Rennabbruchs blieb am Freitag vielen diese Erfahrung erspart.

Striedinger: "Kann auch nicht mit der Gondel runterfahren"

Als beispielsweise Otmar Striedinger (Nummer 20), Reichelt (22) und Daniel Danklmaier (23) aus dem Startgate gingen, ließen die Lichtverhältnisse keine Chancengleichheit mehr zu. "Ich bin zufrieden, ich habe riskiert. Es war nicht mehr die Welt drinnen", sagte Danklmaier, der 17. wurde.

Striedinger (13.) war froh, dass er "das alles nicht gesehen" hat. Durch die lange Wartezeit und der geänderten Lichtverhältnisse schwanden zunehmend auch seine Chancen.

"Ich kann aber auch nicht mit der Gondel runterfahren. Wenn es piepst, denkst du nicht, ob du gute oder schlechte Lichtverhältnisse hast, da willst einfach deinen Plan durchziehen. Sicher ist man schneller, wenn die Sonne scheint."

Der Sprung sei "generell grenzwertig" gewesen. "Ich glaube, es hat von den Verantwortlichen keiner gedacht, dass wir um zehn km/h schneller hierherkommen. Da sieht man halt, was das ausmacht." Da redet man immer von Zentimeter abkratzen und putzen.

"Das sieht man ja bei den Skispringern auch. Wenn es eine Luke höher ist und einen halben km/h schneller, dass es gleich weiter geht. Und wir sind halt fünf km/h schneller."

Danklmaier war nach seiner Zieldurchfahrt gefragt worden, ob er Rückenwind hatte. "Ich habe gesagt, bei 140 spürst du das nicht, ob du Rückenwind hast. Im Rennen lässt du halt Vollgas hin auf die Kante. Ich wusste, dass er extrem weit geht und ich kompakt vorne bleiben muss."

Textquelle: © LAOLA1.at

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