Gallhuber: "Hatte noch nie so einen Tiefschlag"

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2018 ging der Ski-Stern von Katharina Gallhuber auf.

Die Niederösterreicherin - im Weltcup noch nie auf dem Podest - fuhr bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang im Februar überraschend zu Bronze im Slalom, es folgte Silber im Teambewerb.

Mit zwei Olympia-Medaillen im Gepäck erreichte Gallhuber im Saison-Finish mit Rang fünf im Slalom in Ofterschwang ihr bestes Weltcup-Resultat. Auch der Winter 2018/19 startete mit zwei Top-Ten-Plätzen in den Slaloms in Levi und Killington vielversprechend.

Kreuzband- und Meniskus-Riss am Semmering

Gallhuber vor ihrer Verletzung im Dezember 2018
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Im Dezember 2018 dann der Schock: Gallhuber zog sich im Training im Vorfeld der Heim-Rennen am Semmering einen Kreuzband- und Meniskus-Riss im rechten Knie zu.

"In meiner Karriere ist es immer nach oben gegangen, ich hatte davor noch nie so einen Tiefschlag", gibt Gallhuber zu.

Fast ein Jahr nach dem Kreuzband-Riss steht die 22-Jährige nun vor ihrem Comeback im Weltcup. Beim Slalom im Levi (Samstag, 23.11., ab 10:15 Uhr im LAOLA1-Live-Ticker) will Gallhuber erstmals seit ihrer Verletzung im Starthaus stehen.

Nach dem schmerzlichen Ausfall und Saison-Ende von Bernadette Schild in Sölden und dem großen Fragezeichen nach dem Sommer-Theater rund um Katharina Liensberger ist Gallhuber neben Katharina Truppe eine der wenigen großen ÖSV-Hoffnungen im Slalom.

Die 22-jährige Gallhuber freut sich aufs Comeback
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"Ich möchte dort anschließen, wo ich aufgehört habe", hat sich die Göstlingerin für ihre Rückkehr auf die Weltcup-Pisten viel vorgenommen.

Im LAOLA1-Interview spricht Gallhuber über fehlende Geduld, das "Geschenke-Gefühl" vor dem Comeback und das Privileg, Skirennläuferin zu sein:

LAOLA1: Wie geht es dir? Bist du bereit für das Comeback?

Katharina Gallhuber: Mir geht es sehr gut, dem Knie geht’s auch sehr gut. Ich hatte von Anfang an zum Glück nie Probleme, die Reha ist reibungslos verlaufen. Die Verletzung ist wirklich Vergangenheit.

LAOLA1: Bist du ein geduldiger Mensch?

Gallhuber: Ich bin absolut kein geduldiger Mensch (lacht). Aber durch so eine Verletzung muss man lernen, geduldig zu sein. Man muss einfach eine gewisse Zeit einhalten, in der das Knie ruhig gehalten werden muss. Ich habe die Verletzung aber generell sehr positiv aufgenommen und versucht, das Beste daraus zu machen. Ob ich jetzt ruhiger geworden bin oder nicht, sehen wir dann auf der Piste (lacht).

LAOLA1: Abgesehen von Geduld: Hat dich die Verletzung sonst noch etwas gelehrt?

Gallhuber: Die Verletzung hat mich schon irgendwo geprägt und mich sicher auch als Mensch reifer gemacht. In meiner Karriere ist es immer nach oben gegangen, ich hatte davor noch nie so einen Tiefschlag. Man sieht dann alles aus einem anderen Blickwinkel. Ich denke, dass mir das in Zukunft sicher helfen kann.

"Da merkt man, was für ein Privileg wir haben, dass wir unsere Leidenschaft zum Beruf machen können. Das schätzt man dann schon brutal."

LAOLA1: Lernt man in solchen Momenten den Beruf Skirennläuferin erst richtig zu schätzen?

Gallhuber: Auf alle Fälle. So gefreut wie heuer, dass ich wieder auf die Ski darf, habe ich mich noch nie. In solchen Momenten merkt man, was für ein Privileg wir haben, dass wir unsere Leidenschaft zu unserem Beruf machen können. Das schätzt man dann schon brutal. Und es wird einem auch bewusst, wie wichtig die Gesundheit ist – sonst ist das alles nicht möglich.

LAOLA1: Wie war das Gefühl, als du das erste Mal nach deiner Verletzung wieder Ski gefahren bist?

Gallhuber: Ich bin im Juli am Hintertuxer Gletscher zum ersten Mal wieder auf Skiern gestanden, es waren traumhafte Bedingungen mit Sonnenschein. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind, das ein Geschenk auspacken darf. Es hat mir Spaß gemacht und ich habe das Gefühl fürs Fahren auch bald wiedergefunden.

LAOLA1: Wie ist die Vorbereitung auf die Saison verlaufen?

Gallhuber: Ich hatte eine ganz normale Vorbereitung. Ich habe die lange Zeit seit Ende Dezember gut genutzt, ich bin körperlich sicher fitter, als die Jahre zuvor. Ich hoffe, dass ich gut in den Winter starten kann.

LAOLA1: Mit welchem Gefühl gehst du in deine Comeback-Saison?

Gallhuber: Ich habe sicher einen anderen Blickwinkel, als in den vergangenen Jahren. Ich möchte so gut wie möglich ausblenden, dass ich verletzt war, und wirklich gut reinstarten. An und für sich haben sich meine Ziele nicht geändert: Ich möchte dort anschließen, wo ich aufgehört habe. Natürlich ist mir bewusst, dass ich Geduld haben muss und nicht gleich die Nerven wegschmeißen darf, wenn das erste Rennen vielleicht nicht hundertprozentig funktioniert. Aber im Endeffekt möchte ich dort weitermachen, wo ich aufgehört habe.

"Die Verletzung ist Teil meiner Karriere, aber das ist jetzt für mich Vergangenheit. Ich will dort anschließen, wo ich aufgehört habe."

LAOLA1: Das ist ein ambitioniertes Vorhaben, immerhin warst du vor deiner Verletzung eine Top-Ten-Fahrerin. Du könntest es ja auch ruhiger angehen, ohne dir selber Druck zu machen.

Gallhuber: Das ist nicht mein Naturell. Die Verletzung ist Teil meiner Karriere, aber das ist jetzt für mich Vergangenheit. Ich will wirklich nach vorne schauen.

LAOLA1: Dein Fokus liegt vorerst auf dem Slalom, oder?

Gallhuber: Ja, mein Ziel ist es, im Slalom wieder nach vorne zu kommen. Durch die Verletzung bin ich in der Startliste zurückgefallen, da muss ich mich nach vorne arbeiten. Aber ich möchte den Riesentorlauf dann auch langsam wieder dazu nehmen. Ich werde auf jeden Fall "Riesen" trainieren und sicher Europacup-Rennen fahren. Dann hoffe ich, dass ich gut genug bin, damit ich den Schritt nach oben machen und auch im Weltcup wieder im Riesentorlauf starten kann.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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