Feller: "Psychisch ist das ein Riesenvorteil"

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Manuel Feller ist ein Mann klarer Worte. Der ÖSV-Technik-Spezialist polarisiert bei den heimischen Ski-Fans sowohl mit seiner offenen und direkten Art als auch mit seinen sportlichen Leistungen.

War Feller in der vergangenen Saison nach Rang zwölf beim Weltcup-Auftakt in Sölden als bester ÖSV-Läufer Zielscheibe der Kritik, blieb ihm genau das nach seiner Absage für den Saison-Start in diesem Jahr erspart.

Nicht zuletzt deshalb sei die Entscheidung, den Riesentorlauf in Sölden auszulassen, "definitiv die richtige Entscheidung" gewesen, glaubt der Tiroler zu wissen. "Wenn ich in Sölden Platz 15 erreicht hätte, wäre es für mich ein Superrennen geworden. Aber für die Nation Österreich wäre das so oder so nicht gut genug gewesen, und ich wäre wieder - unter Anführungszeichen - in Erklärungsnot gewesen."

Im Vorjahr seien er und seine Teamkollegen nach dem verpatzten Auftakt "vom ersten Rennen weg unter Beschuss gekommen. Wir hatten von Beginn an keine Ruhe", erklärte Feller vor einem halben Jahr im LAOLA1-Interview.

Zwar setzte es auch in diesem Jahr nach dem mehr als durchwachsenen Saison-Auftakt wieder Kritik am ÖSV-Technik-Team, Feller war davon aber nicht betroffen.

"Jetzt steige ich frisch und fit in eine Saison ein, ohne schon beim ersten Rennen eine auf den Deckel zu kriegen, und allein psychisch ist das schon ein Riesenvorteil", sagt der 28-Jährige vor dem Riesentorlauf-Doppel in Santa Caterina nahe Bormio in der italienischen Lombardei (am Samstag und Sonntag im LAOLA1-LIVE-Ticker).

VIDEO - RTL-Krise: "Das ist eines ÖSV nicht würdig"

(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

"Massiv produktiv": Feller so gut vorbereitet wie noch nie

Auch physisch hat sich für den Jung-Papa der Verzicht auf den Weltcup-Auftakt bezahlt gemacht. Die Rücken-Probleme, die Feller schon seine halbe Karriere über begleiten und die Saison-Vorbereitung beeinflussten, hat er aktuell gut im Griff.

Weil er auch den Parallel-Bewerb in Zürs/Lech ausgelassen hat, blieb vor dem ersten Weltcup-Einsatz am Wochenende im WM-Ort von 1985 und 2005 jede Menge Zeit für intensives Training.

"Das war die beste, ruhigste, präziseste Vorbereitung, an die ich mich je erinnern kann."

"Das war die beste, ruhigste, präziseste Vorbereitung, an die ich mich je erinnern kann", erzählt Feller. In der Vergangenheit habe er immer irgendwie versucht, ab dem ersten Rennen einen Schritt voraus zu sein, erklärt der Tiroler. "Jetzt haben wir einfach so viel Ruhe und Zeit im Training gehabt, um uns wieder mal auf gewisse Basissachen zu fokussieren."

Auch auf den vergangenen Winter war Feller seinen Angaben zufolge gut vorbereitet, "aber dann ist die Verletzung gekommen und dann Rennen auf Rennen. Ich habe einfach nie die Möglichkeit gehabt, mich auf ein Grundprinzip zu fokussieren sondern war nur damit beschäftigt, so schnell wie möglich von A nach B zu fahren. Das hat sich dann skifahrerische negativ ausgewirkt", blickt Feller zurück. 

In diesem Sommer hat er nun gesehen, welche Schritte man machen kann, wenn man wirklich Zeit hat. "Das war massiv produktiv", sagt Feller. Auch sein strapazierter Rücken hat profitiert: "Weil mein Körper länger Zeit hatte, sich an gewisse Bewegungen zu gewöhnen und die Belastungen waren nicht so intensiv. Das hat meiner Meinung nach definitiv Früchte getragen."

Feller ist sich in Hinblick auf den Winter sicher: "Wenn die Basis von meinem Skfiahren passt, wird auch definitv die Leistung passen."

Kritiker werden Feller "zu anstrengend"

Kritiker wird es wohl dennoch wieder geben. Diesen will Feller aber nicht mehr so viel Bühne wie in der Vergangenheit geben, als er seinen Kritikern regelmäßig auf Instagram die Meinung gegeigt hat.

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"Ich werde älter und mir wird das Ganze ein bisschen zu anstrengend", gesteht Feller und ergänzt: "Ich habe mich in der letzten Saison kräftig mit meinen Kritikern auseinandergesetzt und ich bin nicht der, der sich von links und rechts mit Steinen beschmeißen lässt. Aber im Allgemeinen haben genug Leute momentan eine schwere Situation. Einerseits würde ich meine Fans gerne mehr unterhalten, andererseits wird alles etwas anstrengender, ich habe ein Kind zuhause und auch die Zeit nicht mehr so dafür. Nichtsdestotrotz: Ganz abstellen werde ich es nicht. Aber ich habe über den Winter meine Kommentare deaktiviert, um so viel Abstand wie möglich von den Leuten, die mich letzte Saison kritisiert haben, zu halten."

Seine Prioritäten würden ohnehin ganz wo anders liegen, nämlich beim Skifahren und seiner kleinen Familie - Sohn Lio feierte erst vor Kurzem seinen ersten Geburtstag.

"Ich glaube, jeder fragt sich, wofür man auf dieser Welt ist und wenn man so einen kleinen Stöpsel daheim hat, weiß man es", hat Feller den "Sinn des Lebens" erkannt. "Ich hätte mir nie gedacht, dass Papasein so cool ist."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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