Der ÖSV alleine kann ein derartiges Projekt aber nicht stemmen, laut der Präsidentin brauche es einen Schulterschluss mit Politik und Investoren.
Eine Ski-Halle bewegt sich finanziell in einer Größenordnung von mindestens 120 bis 150 Millionen Euro.
Die Grenzen sind nach oben hin offen. Die Huafa Snow World im chinesischen Shenzhen etwa erstreckt sich über 100.000 Quadratmeter und verfügt über fünf Pisten, von denen die längste 463 Meter misst. Langlauf-Loipen, Snowboard-Kicker und ein angrenzendes Hotel sind fast schon Standard.
Etwas kleiner dimensioniert sind die rund 35 Ski-Hallen in Europa. Die nächsten befinden sich in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und Norwegen. Die Schweiz verfügt wie Österreich über keine derartige Infrastruktur.
Eine Ski-Halle in Wien?
Geht es nach den ÖSV-Verantwortlichen, soll eine Ski-Halle in Österreich im urbanen Raum stehen. Immer wieder wird Wien als Standort genannt.
"Es geht darum, in Ballungszentren für die breite Masse einen niederschwelligen Zugang zum Wintersport zu schaffen", sagt Stecher.
Diejenigen, die sich Indoor den Gusto aufs Skifahren holen, sollen ihrer hoffentlich neu entfachten Leidenschaft dann möglichst auch in den Bergen frönen und so den Tourismus ankurbeln.
Diesen Ansatz verfolgt das Salzburger Land bereits seit einem Vierteljahrhundert. Seit 25 Jahren ist man Premium- und exklusiver Marketingpartner der Skihalle in Neuss (Deutschland).
Laut einem Bericht der "Salzburger Nachrichten" kommen dort jährlich rund 20.000 Kinder erstmals mit Schneesport in Berührung, insgesamt zählt man jährlich ca. 400.000 Besucher:innen. Ein nicht unwesentlicher Hebel für den Tourismus, kommen doch 80 Prozent der Winter-Gäste in Salzburg aus dem Ausland.
Ein Tagesticket in der Ski-Halle kostet um die 50 Euro – und ist damit billiger als die Tageskarte in den meisten Ski-Gebieten hierzulande.
Im Spitzensport geht es kaum noch ohne
Jetzt fast schon angewiesen auf Ski-Hallen sind die Spitzensportler. Angefangen von den Kleinsten bis zu den Vollprofis.
"Unser Nachwuchs aus Leistungsschulen verbringt in den Sommermonaten zwischen 20 und 30 Tage in der Ski-Halle", erzählt Stadlober. "Es gibt einfach kaum Alternativen."
Auch die Weltcup-Stars zieht es trotz der Saison-Vorbereitung in Übersee immer öfter zum Training unters Dach. Österreichs Slalom-Asse statteten in diesem Sommer der Halle in Oslo einen Besuch ab, Marcel Hirscher machte die ersten Schnee-Schwünge nach seinem Kreuzbandriss in den Niederlanden.
"Wir sind mittlerweile ein Mal im Jahr in der Ski-Halle. Da kriegst du drei Tage die gleichen Bedingungen, auch bei Schlechtwetter", berichtet der Italiener Alex Vinatzer.
Eines kann die Ski-Halle nicht bieten
Auch ÖSV-Star Manuel Feller weiß um die Vorzüge des Hallen-Trainings, auch wenn er lieber am Berg ist:
"Du hast fast Laborbedingungen und einen kurzen Umlauf. Außerdem hast du kurze Wege vom Hotelzimmer auf die Piste. Alles ist minimiert auf den Sport an sich." Das sei vor allem für Athlet:innen von Vorteil, die von einer Verletzung zurückkommen.
Etwas ganz Essenzielles kann die Skihalle aber nicht bieten: Winter-Schnee.
"Du wirst in der Materialabstimmung für die Rennen in der Halle null weiterbringen", erklärt Feller. Nicht zuletzt deshalb werden die Reisen nach Übersee im Sommer auch für die Techniker unumgänglich bleiben, für die Speed-Fraktion sowieso.
Und nicht alle Athlet:innen sind vom Indoor-Skifahren begeistert. Julia Scheib sagte angesprochen auf Ski-Hallen nur: "Kein Kommentar."
Bei der Frage, ob Österreich eine Ski-Halle braucht, scheiden sich also die Geister. Dass in naher Zukunft eine gebaut wird, scheint dagegen wahrscheinlich...