Mit der Ausrüstung, die das boomende Skitourengehen heute umfasst, hat das alles nicht mehr viel zu tun. Und schon gar nicht mit dem olympischen Skimountainiering.
2008 wurde der Verband International Ski Mountaineering Federation (ISMF) gegründet, seit 2014 ist man vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannt und in Milano-Cortina mit den Bewerben Sprint und Mixed mit dabei.
Während Hobby-Skitourengeher einige hundert bis 1.000 und mehr Höhenmeter überwinden und die Wettkämpfe Vertical (bis zu 700hm) und Individual (bis zu 1.900hm) hoch sind, ist der Sprint kurz. Aufstieg, Abfahrt, Tragephase überwunden 70 bis 100 Höhenmeter.
Der Aufstieg unterteilt sich in drei Phasen. Zunächst starten die Athletinnen und Athleten mit angelegten Skiern, entfernen sie dann und befestigen sie am Rucksack, um eine Tragepassage zu bewältigen.
Die letzte Phase des Aufstiegs erfolgt wieder auf Skiern, bevor die Felle oder "skins", wie sie im Fachjargon heißen, für die Abfahrt zum Ziel entfernt werden. Die normale Renndauer liegt bei etwa 3 Minuten pro Lauf. Das "Mixed Team Relay" ist eine Staffel mit zwei Aufstiegen.
Österreich hat dabei gute Medaillenchancen. Die Hoffnungen ruhen auf Johanna Hiemer und Paul Verbnjak. Hiemer, 1995 geboren und seit 2016 im Weltcup unterwegs, ist zudem seit 2019 auch Berg- und Trailläuferin.
Eigentlich hat sich die zweifache Mutter und studierte Juristin schon vom Spitzensport verabschiedet, aber die Aussicht auf Olympia war zu verlockend.
Der 2001 geborene Verbnjak ist Sohn des Bike-Europameister Heinz und ging schon mit sieben Jahren mit Skiern auf den Berg und ist Zeitsoldat. Beide konnten bei Weltmeisterschaften Medaillen gewinnen.
LAOLA1 hat sich mit ihnen im Vorfeld von Olympia unterhalten.
Es bringt ja nichts, wenn wir irgendwo sind, es gibt keinen Empfang und auch keine Zuschauer. Sprint und Mixed sind, wenn man so will, "stadionreif".
LAOLA1: Wie geht es euch so kurz vor Olympia und der Premiere für Skibergsteigen?
Hiemer: Ich freue mich riesig, dass die Sportart die Chance bekommt und kann es kaum erwarten.
Verbnjak: Da kann ich mich eigentlich nur anschließen, auch bei mir ist die Vorfreude groß. Es gab noch drei Weltcup-Wochenenden mit Sprints, Verticals und Mixed Races. Die Rennen in Spanien waren als Generalprobe wichtig, um noch einmal alles zu optimieren und Gas geben zu können.
LAOLA1: Erzählt doch einmal, wie ihr zu dem Sport gekommen seid. Immerhin ist Alpines Skifahren in Österreich ein bisschen größer!
Hiemer: Ich habe erst spät angefangen, bin in meiner Kindheit auf Alpinski gestanden und in meiner Jugend auf Langlaufski. Skitouren bin ich eher so zwei, drei pro Winter gegangen, die Ausrüstung hatte ich schon. Mit 18 Jahren habe ich mein erstes Rennen gemacht. Für mich war das eher ein ausgeprägtes Hobby und kein Leistungssport. Erst als es olympisch wurde, habe ich mir gesagt: "Ja, ich möchte es jetzt einfach noch mal richtig professionell probieren". Erst dann habe ich mich als Leistungssportlerin angesehen. Jetzt bin ich das seit vier Jahren.
Verbnjak: Bei mir war es eigentlich ähnlich. Ich bin durch meinen Vater dazu gekommen. Der war früher Mountainbike-Profi, konnte in der Steiermark aber nicht am Rad trainieren, weil es damals noch viel Schnee gab. Also ist er Skitouren gegangen und ich mit ihm mit. Ausprobiert habe ich viele Sachen, von Eishockey über Fußball bis hin zu Golf, aber schnell habe ich gemerkt, dass ich meine Stärken im Ausdauersport habe. Die Unterstützung dabei durch die Eltern ist immer wichtig, wenn man jung ist.
LAOLA1: Mit welcher Sportart kann man es beim Trainieren vergleichen – sprich: Wie trainiert ihr, wenn kein Schnee da ist?
Hiemer: Ich glaube, da sind wir sehr unterschiedlich, der Paul sitzt nur am Radl. Gefühlt ist die skifreie Zeit aber eh eher kurz, nur von April/Mai bis Oktober. Ich mache im Sommer einen Mix aus allem, auch auf dem Fahrrad. Mit den Skirollern in der klassischen Technik vom Langlaufen kann man Skitourengehen bergauf gut imitieren. Gerade im Herbst, wenn das Training spezifischer wird, mache ich Intervalltraining mit Stöcken den Berg rauf. Du ahmst die Bewegung also nach. Und ab Oktober steht man dann auf den Ski.
Verbnjak: Da kann ich nicht viel hinzufügen. Was durch die nun auch olympische Kurzdisziplin dazu gekommen ist, ist Krafttraining. Ich bin sicherlich zweimal in der Woche in der Kraftkammer, um den Punch für die Abfahrten zu bekommen. Da muss man schon auch spritzig sein!
LAOLA1: So klassische Skitouren haben ja mehrere hundert Höhenmeter, da gibt es auch entsprechende Wettkämpfe. Eigentlich wird es auch erst ab 1.000 Höhenmetern lustig. Wie kam's zu dem kurzen olympischen Format?
Verbnjak: Es wurde versucht, den Sport zu den Leuten zu bringen. Wenn wir keine Chance haben, uns den Leuten zu zeigen, ist es schwierig. Es bringt ja nichts, wenn wir irgendwo sind, es gibt keinen Empfang und auch keine Zuschauer. Sprint und Mixed sind, wenn man so will, "stadionreif": Die Fans haben immer alles im Blick, wir dürfen uns in den drei Minuten keinen Fehler erlauben. Das macht das Ganze sehr spannend.
Es gibt immer Leute aus der Szene, die sich darüber aufregen, dass gerade der Sprint olympisch geworden ist.
LAOLA1: Gefühlt ist das eine andere Sportart.
Hiemer: Diese Diskussion gibt es schon lange und ist noch nicht ausdiskutiert. Es gibt immer Leute aus der Szene, die sich darüber aufregen, dass gerade der Sprint olympisch geworden ist. Mir persönlich wäre es anders auch lieber – aber wenn du zu Olympia willst, kannst du nicht bei deiner Disziplin bleiben. Für mich war es ganz klar, dass ich mich darauf einstellen und umtrainieren muss. Damit geht ja auch eine Professionalisierung einher. Vor fünf, sechs Jahren hätte keiner von uns Krafttraining gemacht. Und dieser Mix bei Olympia ist so abartigst hart: Du pumpst dich aus bis zum Geht-nicht-mehr, dann kommt eine kurze Pause und es geht noch einmal los. Es ist brutal, du musst mit dem Laktat ja erst umgehen können. Am Ende ist es zwar weit weg von der Ursprungssportart und ich verstehe die Kritik, aber es ist eben so.
LAOLA1: Inwiefern hat sich euer Leben sonst verändert, seitdem es klar ist, dass "euer" Sport olympisch ist?
Verbnjak: Sehr. 2017 gab es beim Bundesheer einen Förderplatz, mittlerweile sind es 11 Spitzen-Sportförderplätze. Die Medienwirksamkeit ist viel höher, es gibt mehr Sponsoren: Natürlich ist das noch weit weg von Ski alpin, Langlaufen und so weiter, aber wir merken einen gewissen Aufschwung. Schauen wir, wie es nach dem Testprogramm 2026 in vier Jahren weitergeht. Skimountainiering ist nun einmal im Testprogramm von Olympia. Also, wir sind jetzt noch nicht ganz fix dabei und ich glaube, für das erste Mal ist es ja super, dass jetzt im Endeffekt diese kurzen Disziplinen sind, weil die einfach spannend sind. Vielleicht kommt ja noch ein kurzes Individual dazu.
Hiemer: Ich bin gespannt, wie sich die Sportart entwickelt und hoffe, dass Olympia genutzt werden kann, um noch mehr Menschen zu erreichen.