Es ist auch eine schöne Situation, wenn du am Start stehst und ein bissl schwitzt, dir das Adrenalin und die Emotionen einschießen – dafür mache ich es.
Im Zeichen der fünf Ringe konnte der zweifache Weltmeister und Gewinner von 19 Weltcup-Rennen bisher noch nicht reüssieren. 2018 in Pyeongchang gab es die Plätze sechs (Super-G) und sieben (Abfahrt), vor vier Jahren in Peking wurde er Fünfter (Super-G) und Achter (Abfahrt).
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"Ich freue mich wirklich auf die Spiele, aber ich muss dann schon auch abliefern. Natürlich ist die Drucksituation da, aber die mache ich mir eh selbst", sagt Kriechmayr. "Es ist ja auch eine schöne Situation, wenn du am Start stehst und ein bissl schwitzt, dir das Adrenalin und die Emotionen einschießen – dafür mache ich es."
In Kontrast zur Drucksituation steht Kriechmayrs auffallende Lockerheit der vergangenen Tage und Wochen.
"Ich habe gerade viel Spaß am Skifahren und genieße es vielleicht mehr als die letzten Jahre", sagt der 34-Jährige, der ein Karriereende nach dem Olympia-Winter aber nicht ausschließt. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden es seine letzten Spiele.
Mit seiner Zukunft will sich Kriechmayr jedoch erst nach dem Saisonende beschäftigen, aktuell gilt der volle Fokus der Mission Olympia-Medaille.
Die Sache mit der Überzeugung
Die bisherige Weltcup-Saison verlief für das Speed-Ass mitunter durchwachsen: Im Super-G feierte er in Beaver Creek seinen bis dato einzigen Sieg, zudem hat er einen zweiten Platz in Copper Mountain auf dem Konto.
In der Abfahrt war bisher ein zweiter Platz in Wengen das höchste der Gefühle. Zuletzt in Kitzbühel – die Weltcup-Station in Crans Montana am vergangenen Wochenende ließ er aus – konnte Kriechmayr mit den Plätzen sieben (Super-G) und 13 (Abfahrt) nicht wirklich Selbstvertrauen tanken.
Dieses wollte er sich in Hinblick auf Olympia in der Vorwoche beim Training in Österreich holen. "Ich versuche, einen guten Speed zusammenzubringen und viel Überzeugung, damit ich wieder das Vertrauen habe, um voll zu attackieren."
Von oben bis unten voll anfetzen
Volle Attacke wird es auch auf der Stelvio in Bormio brauchen. "Es heißt, von oben bis unten voll anfetzen, so wie es Giovanni Franzoni in Kitzbühel gemacht hat", sagt Kriechmayr.
Sein Speed sei teilweise sehr gut, "aber man muss am Limit sein und zu viele Fehler darf man auch nicht einbauen – da sind so viele Athleten so dermaßen gnadenlos am Limit und wenn man da ein bisschen zurückzieht, wird man einfach durchgereicht."
Das soll bei den Olympischen Spielen möglichst vermieden werden.
Auf die Stelvio in Bormio freut sich Kriechmayr. Kein Wunder, hat er dort in seiner Karriere schon ein Mal gewonnen (Abfahrt 2022) und war fünf weitere Male am Podest.
Übrigens: Seine beiden WM-Goldmedaillen holte Kriechmayr 2021 auch in Italien. Vielleicht das ausgleichende gute Omen.