Die Tops und Flops der Nordischen WM in Oberstdorf

Die Tops und Flops der Nordischen WM in Oberstdorf Foto: © GEPA
 

Mit vier Goldmedaillen sind Oberstdorf 2021 die zweiterfolgreichsten Nordischen Weltmeisterschaften für Österreichs Verband (ÖSV) nach Oslo 2011 gewesen, als es für Rot-Weiß-Rot sieben Titel zu feiern gegeben hatte.

Die Anzahl der Bewerbe hat sich im Lauf der Jahrzehnte aber stetig gesteigert. 1924 war es mit vier Bewerben losgegangen, 1960 waren es acht, 1991 waren es 14, 2011 waren es 21 und nun bereits 24. Zieht man das in Betracht, ändert sich das Ranking ein wenig.

Vergibt man für jede Goldene drei Medaillenpunkte, für Silberne zwei und für Bronze einen und dividiert die Gesamtsumme durch die Anzahl der Wettkämpfe ist Oslo 2011 auch hier überlegen mit 1,24 Medaillenpunkten je Bewerb voran. Dahinter kommt jedoch Val di Fiemme 1991, als es bei bloß 14 Konkurrenzen eine rot-weiß-rote Bilanz von 3/1/1 gegeben hatte. Oberstdorf 2021 folgt gemeinsam mit Val di Fiemme 2013 (1/5/1 - 21) dahinter auf Rang drei.

Auch abseits vom Sportlichen gab es im Allgäu einige High- und Lowlights. Die Tops und Flops der 53. Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Oberstdorf:

TOPS:

JOHANNES LAMPARTER: Der Tiroler stieg ohne Weltcupsieg in der Tasche zum erfolgreichsten der 28 österreichischen WM-Teilnehmer auf. Der erst 19-Jährige gewann alleine und zu zweit mit seinem engeren Landsmann Lukas Greiderer Gold sowie Bronze mit der Mannschaft. Lamparter beeindruckte mit Stärke auf der Schanze wie auch in der Loipe, aber auch mit jugendlicher Unbekümmertheit. Am Tag zwischen seinen Gold-Events legte er in der Mittagspause schnell einmal den Drohnen-Führerschein ab.

STEFAN KRAFT: Nach einer von einer Corona-Infektion und langandauernden Rückenproblemen geprägten Saison hat der Salzburger bei den vierten Weltmeisterschaften in Folge abgeräumt. Mit einem kompletten Medaillensatz hielt er über die vergangenen vier Welt-Titelkämpfe seinen Schnitt von drei Podestplätzen. Beeindruckend, wie er auf der Großschanze das Training und die Qualifikation dominierte und dann unbeirrt zu Gold sprang. Das Team kam in seinem Sog zu Silber.

SARA MARITA KRAMER: Ebenfalls erst 19 Jahre alt, führte sie die österreichischen Skispringer-Teams der Frauen und im Mixed zu Gold und Bronze. Als Favoritin beider Einzelbewerbe scheiterte die Salzburgerin an einer Jury-Entscheidung bzw. ihren Nerven und erhielt jeweils nur "Blech". Großartig freilich Kramers Reaktion, als sie jeweils zwar bitter enttäuscht war, die Schuld am Verpassen der Medaille aber primär bei sich selbst gesucht und schnell nach vor geblickt hat.

ÖSV-TEAM: Die Zwischenbilanzen der laufenden Weltcups hatten einen Erfolgslauf zu vier Mal Gold bzw. sieben Medaillen nicht erwarten lassen. Motiviert durch die Einzelleistungen von Lamparter, Kraft und Kramer kamen auch ihre Teamkollegen in Schwung, was sich in fünf Medaillen abseits der Einzelbewerbe bemerkbar gemacht hat. Im Team holten die Skispringerinnen Gold, die Skispringer Silber und im Mixed Bronze, und auch die Kombinierer Bronze. Dazu gab es Teamsprint-Kombi-Gold.

TERESA STADLOBER: Als Einzelkämpferin bilanzierte die Salzburgerin nach ihren drei Langlauf-Einsätzen mit drei einstelligen Ergebnissen. Bei Skiathlon und über 30 km klassisch mit Massenstart schnupperte sie als letztlich Vierte und Fünfte zweimal an einer Medaille. Mit einem Podestplatz belohnt wurde die 28-Jährige zwar nicht, doch schaffte sie es am besten mit den Skandinavierinnen mitzuhalten. Lediglich über 10 km war sonst auch noch eine für den Verband Russlands startende Athletin vor ihr.

THERESE JOHAUG: Nicht nur Teresa Stadlober nennt sie das Duracell-Haserl. Die 32-Jährige gewann alle ihre vier WM-Rennen im Allgäu, und wie. Im Skiathlon über 15 km hatte sie 30 Sek. Vorsprung, über 10 km fast eine Minute, mit der Staffel 26 Sek. und über 30 km mehr als zweieinhalb Minuten. Johaug hält bei 14 WM-Goldmedaillen, obwohl sie die Titelkämpfe 2017 gesperrt verpasste hatte. Seither scheint sie motivierter denn je und greift den Rekord der 18-fachen Weltmeisterin Martin Björgen an.

NORWEGEN: Die dominierende nordische Nation hat ihre Vormachtstellung eindrucksvoll untermauert, wie in Seefeld 2019 holten die Norsker 13 Titel bzw. bei zwei Bewerben mehr mit 31 ein Plus von sechs Medaillen. Die Langläufer holten diesmal neun statt vor zwei Jahren zehn Goldene, dazu kamen drei von fünf Titeln in der Kombination sowie das Großschanzen-Gold von Skispringerin Maren Lundby.

HYGIENE-KONZEPT: Für die Akkreditierten sind die Maßnahmen gegen Corona alles andere als angenehm gewesen, auch die Athleten mussten jeden zweiten Tag zum Corona-Test. Täglich erforderliche Freischaltung der Akkreditierung, nachvollziehbare Registrierung in den gut funktionierenden Shuttle-Diensten und Einmalhandschuhe nebst der überall verpflichtenden FFP2-Maske beim Frühstück waren andere Erfordernisse. Nur neun positive Corona-Fälle bei rund 23.000 Tests geben freilich Recht.

FLOPS:

DEUTSCHLAND: Mit je zwei Gold-, Silber- und Bronzemedaillen blieben die Lokalmatadoren unter den Erwartungen, landeten bloß auf Rang vier des Medaillenspiegels. Ausgenommen sind die Skispringer, bei denen Karl Geiger mit zweimal Gold und je einmal Silber und Bronze zum vierterfolgreichsten Aktiven der Titelkämpfe wurde. Doch sonst war bei den Deutschen vor allem in der Kombination Flaute. Sie wollten König Jarl Magnus Riiber stürzen und drehten schließlich ohne Titel ab.

FINNLAND: Die einstige nordische Großmacht hat den Anschluss verloren. 2017 bei den Heim-Titelkämpfen in Lahti hatte es mit je einer Gold- und Silbermedaille sowie drei in Bronze hinter Österreich noch zu Rang fünf im Medaillenspiegel gereicht. Damals wurde Langläufer Iivo Niskanen zum bis heute letzten nordischen Weltmeister. 2019 in Seefeld gab es nur einmal Bronze, nun mit zwei Silbernen und einer Bronzenen Rang acht im Medaillenspiegel.

HALVOR EGNER GRANERUD: Der Norweger war als elffacher Saisonsieger nach Oberstdorf gereist, musste sich dann aber mit Mixed-Silber begnügen. Davor hatte es im Normalschanzen-Einzel nach Halbzeitrang 16 nur noch zu "Blech" gereicht. Danach kam die ob des engmaschigen Hygiene-Konzepts nicht erklärbare Corona-Infektion und das Out für den 24-Jährigen. Ohne Granerud gab es für die Norweger im Großschanzen-Teambewerb lediglich Platz sechs.

50-KM-ENTSCHEIDUNG: Protest und Gegenprotest und ein Endergebnis erst rund 100 Minuten nach dem Zieleinlauf. Die letzte Entscheidung der Titelkämpfe brachte ein unwürdiges Hin- und Hergezerre um die Medaillen. Der Russe Alexander Bolshunov blieb nach seinem Stockbruch der Verlierer, auch wenn er nach der Disqualifikation von Johannes Hösflot Kläbo auf Rang zwei vorrückte. Rang eins ging aber an Emil Iversen. Bolshunov blieb immerhin aus dem Skiathlon sein erstes WM-Gold.

STIMMUNG: Wie in Corona-Zeiten unvermeidlich, fehlte den Titelkämpfen die WM-Atmosphäre. Den Organisatoren gelang es zwar, bei den Siegerehrungen eine einigermaßen stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen, die Wettkämpfe liefen aber erwartet trist ab. Im Allgäu will man freilich so rasch wie möglich wieder WM-Veranstalter sein, um die Zuschauer wie schon 1987 und 2005 mit einzubeziehen können. Die nächsten zu vergebenden Weltmeisterschaften sind die 2027.

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Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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