Freimüller schätzt Rohrer ein: "Top-Prospect"

Freimüller schätzt Rohrer ein: Foto: © GEPA
 

Am 7. und 8 Juli steht in Montreal der NHL-Draft auf dem Programm.

Mit Marco Kasper und Vinzenz Rohrer dürfen sich (mindestens) zwei Österreicher darauf freuen, ihren Namen zu hören.

Eine vorläufige Belohnung für die letzten Jahre, in denen ich beide sehr oft gesehen haben. Ein Blick auf meine Reports, beginnend mit Vinzenz Rohrer.

Zum ersten Mal habe ich den gebürtigen Rankweiler im Dezember 2016 in einem unsäglichen U15-Spiel zwischen Lustenau und der VEU Feldkirch gesehen. Der damals 13-Jährige, der zwischen dem ZSC und der VEU pendelte, scorte einen Hattrick, ohne sich sonderlich groß anzustrengen.

Meine Bemerkungen damals: "Überragend, obwohl er zu den jüngeren Spielern gehörte. Kann die Gegner hier nach Willen stehenlassen und sich Ecken mit seinem Schuss aussuchen. Schnell, gute Bewegungen wenn es eng wird. Falls er doch einmal gestellt wird, steht er sofort wieder auf. Sehr interessanter 04-Spieler."

"Für Österreich ein Top-Prospect"

In der Schweiz habe ich ihn dann nicht spielen gesehen, sehr wohl aber mit den Nationalteams der verschiedensten Altersklassen. So etwa mit dem U14-West-Auswahlteam im Jänner 2018 bei einem Turnier in Mannheim:

"Habe ihn länger nicht gesehen, nicht so gut wie erhofft. In Toplinie mit Auer und Cernik. Immer noch sehr klein, aber seine Skills mit der Scheibe sind evident. Sehr gute Hände, agil, torgefährlich, aber dominierte nicht so wie erwartet."

Dass Rohrer einer von vier sehr guten 04-Centern (neben Kasper, Luca Auer und Johannes Tschurnig) werden sollte, war klar, in seinem letzten Turnier auf österreichischem Boden sonderte er sich aber von Auer und Tschurnig ab.

Im April 2021 stoppelte der ÖEHV nach zahlreichen Corona-Absagen ein U18-Turnier in St. Pölten zusammen, um den 03- und 04-Jahrgängen doch etwas Spielpraxis zu verschaffen. Roher centerte damals die Toplinie und war der Offensivleader:

"Immer noch etwas klein und zart, hat aber drahtige Statur und ist sicher größer geworden. Verschafft sich mit Körperwendungen immer wieder Freiräume, kann im vollen Speed Gegner stehenlassen. Bester Spieler in beiden Spielen, kreierte viel Offensive und arbeitete auch nach hinten. Ab und zu mit zu langen Shifts. Für Österreich ein Top-Prospect."

Klein gewachsen, aber großer Kampfgeist

Rohrer wechselte Monate nach diesem Turnier aus Zürich zu den Ottawa 67's, wo er unter Ex-Caps-Coach Dave Cameron spielte. Schon Wochen nach Saisonbeginn bekam ich Rückfragen über ihn, er überzeugte schon in der Frühphase der Saison und brach auch gegen Saisonende nicht weg.

Ich habe ihn nicht mehr live gesehen, am TV nur bei der wegen Corona abgebrochenen Junioren-WM, wo das Team aber chancenlos war.

Die Reports aus Übersee ähneln einander – auch dort gibt es etwas Fragezeichen wegen seiner Statur. Central Scouting listet ihn mit 5.10.25 (dort werden auch Viertel Inches gelistet) und 163 Pfund. Überdurchschnittliche Bewertungen erhielt er in puncto Hockey Sense, Skating und Puckskills, weniger so beim physischen Spiel.

Allerdings: Am Kampfgeist fehlt es ihm nicht, vor allem "Red Line Report" hebt seinen aggressiven Stil hervor und bezeichnet ihn als "Pepperpot", der sich trotz seiner schmalen Statur unerschrocken zum Tor hin powert. Rohrer wird auch für seinen Willen, Schüsse zu blocken, gelobt.

Von den beiden Draft-Gurus bei "The Athletic" ist Scott Wheeler mehr ein Fan des Vorarlbergers als Corey Pronman, schwärmt von seinen Beinen und Händen und zieht das Fazit: "Ein Spieler, auf den ich in der Mitte des Drafts wetten würde."

Diese Fragen sind offen

Rohrer hat sich in seiner Saison in der OHL sicher noch stark gesteigert, in Österreich, aber auch in der Schweiz hätte er es sicher auch mit weniger Anstrengung geschafft.

Das Fragezeichen bezüglich einer NHL-Karriere – Kann er sein Spiel auch gegen größere und körperlich stärkere Spieler durchziehen?

Klar wird auch er noch zulegen, doch könnte es sich hier um eine stete Aufholjagd handeln. Kann er seine offensiven Anlagen auch auf höherem Niveau umlegen oder wird er allein mit seinem Speed zu einem Crack, der die Dynamik eines Teams steigert und selbst dabei auch scoren kann?

Hat er das Potential zu einem Bottom-6-Spieler, der die Dynamik des Teams steigert und mit gewissen Offensivbeiträgen kombiniert (etwa wie Derek Ryan)?

Rohrer, der wie sein Freund aus Kindestagen, Marco Rossi, für das Eishockey lebt, wird sicher noch die nächsten zwei Jahre im Juniorenbereich verbringen. Ob es dann für einen Vertrag bzw. zu einer erhofften NHL-Karriere reicht, wird sicher nicht am 8. Juli entschieden, der Draft gibt nur eine kleine Vorlage.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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