Schweiz-Legionäre hinterlassen Eindruck

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Auftakt zum Österreich Cup: Bei der 2:3-Niederlage nach Overtime gegen Norwegen passte die Leistung des ÖEHV-Nationalteams.

Schade, dass eine Fünf-Minuten-Strafe gegen Konstantin Komarek (erst nach seiner Entschuldigung beim Gegenspieler ausgesprochen) zwei Sekunden vor Ablauf zum entscheidenden Treffer führte.

Wie immer gab Roger Bader den EBEL-Cracks mehr Vertrauen und Eiszeit als die meisten ihrer Klub-Coaches, für mich am interessantesten waren aber die jüngeren Legionäre aus der Schweiz.

Patrick Obrist kenne ich schon seit Jahren, auch wenn er eine dreijährige Nationalteam-Pause einlegte. Wie in der National League präsentiert er sich als hart skatender Center, allerdings mit überschaubarem Offensivoutput.

Mit Bernd Wolf und vor allem Dominic Zwerger sind jedoch zwei Cracks in Innsbruck dabei, die erst seit kurzem im Nationalteam auftreten.

 

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Dominic Zwerger (Linksflügel, 21 Jahre, HC Ambri-Piotta/NLA)

Flügel Dominic Zwerger präsentiert sich bei seinem A-Team-Debüt so wie bei Ambri-Piotta – als gefährliche Offensivwaffe. Er will die Scheibe, ist vor allem im und um den Slot präsent, erwartet den Puck stets schuss- und passbereit und ist von schnellen Kombinationen nicht überrascht.

Kein Zufall, dass ihm gegen Norwegen gleich der Debüt-Treffer gelang: Erst scheiterte er mit einem Wraparound-Attempt noch an Goalie Haugen, Sekunden später ließ er ihn alleine im Slot mit einem schönen Forehand-Backhand-Move aussteigen.

Ein gesundes Selbstvertrauen in seine offensiven Fähigkeiten war von Anfang an zu sehen – kein Wunder, dass er auch in der NLA an der Seite zweier Legionäre (Matt D'Agostini und Cory Emmerton) bereits ein absoluter Leistungsträger ist (14 Punkte in 20 Spielen).

Zwerger zu seiner Situation in Ambri: "Unser Coach Luca Cereda hat mir von der Vorbereitung an vertraut und die Legionäre haben mich an ihrer Seite sofort akzeptiert." Er kommt in Ambri auch im Powerplay zum Einsatz, Roger Bader bot ihn sogar im Penalty Killing auf. Defensiv hat er bei 5-gegen-5 seine Seite gut im Griff und ist für den Gegner gleichzeitig eine Gefahr im Transition Game.


Das Debüt-Tor von Dominic Zwerger im VIDEO:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


Körperlich hat er sicher noch Reserven, auch wenn sein physischer Zustand sich seit seiner Junioren-Zeit wesentlich verbessert hat. Ich erinnere mich noch von der U20-WM in Wien an ihn, wo er in der Offensivzone schon damals sehr gefährlich war (vor allem zwischen Torlinie und Hashmarks), sich aber auch öfters Pausen nahm und nicht unbedingt ein Drei-Zonen-Spieler war. Die Tore, die ich von ihm heuer via TV gesehen habe, waren typisch für ihn und allesamt Torjäger-Tore – schnelle Reaktionen um das Tor herum, dazu ansatzlose und genaue Schüsse bei rascher Puckverarbeitung. 

Der 21-jährige Dornbirner ist heute sicher ein kompletterer Spieler als noch vor Jahren – als einer der wenigen Österreicher hielt er sich auch vier Jahre in der WHL (drei Jahre bei Spokane, ein Overage-Jahr in Everett mit stets steigendem Output).

Dominic Zwerger
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Zu einem NHL-Draft reichte es nicht, ein Gesellenjahr in der ECHL wollte er sich nicht antun: "Ich habe immer schon die NLA verfolgt, mit meiner Schweizer Lizenz natürlich auch einen Riesenvorteil. Von mehreren Angeboten hat das von Ambri sportlich am interessantesten geklungen."

Zwerger steht dort noch zwei weitere Saisonen unter Vertrag, nach einer katastrophalen Vorsaison hat der Traditionsverein heuer sogar Chancen auf die Playoffs.

Sein gutes Nationalteam-Debüt bestätigte, dass Zwerger eine Dimension einbringen kann, an der es dem ÖEHV-Team schon seit langem mangelt – die eines Offensivbringers, der vielleicht enge Spiele mit einem Tor entscheiden kann. Bis Kopenhagen ist es für Zwerger natürlich noch ein langer Weg, aber ein Anfang ist gemacht...

 

Bernd Wolf (Verteidiger, 20 Jahre, EHC Visp/NLB)

Bei Bernd Wolf ging der Übergang von den Junioren zu den Senioren fließend. Auch er war ein Mitglied des U20-Teams in Wien, was auch für seine gegen Norwegen eingesetzten Defender-Kollegen Erik Kirchschläger, Gerd Kragl, Ramon Schnetzer und Daniel Jakubitzka galt. Heuer dem Junioren-Alter entwachsen, geht es für ihn um die Aufnahme in den WM-Kader für Kopenhagen.

Im Gegensatz zu Zwerger muss er sich aber über die Swiss League (ehemalige NLB) qualifizieren. Zwar steht er beim SC Bern noch bis Ende der Saison unter Vertrag, aber im Star-Ensemble dort kommt er nur bei mehreren Ausfällen zum Einsatz. Nach einer Leihe nach Langenthal in der Vorsaison spielt er nun für Visp: "Der Coach dort gibt mir viel Eiszeit, auch in allen Special Teams."


VIDEO - Die Highlights von Österreich-Norwegen:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


Der gebürtige Wiener wechselte schon mit 14 Jahren nach Bern und profitiert dadurch auch heute – wie u. a. Zwerger, die Ulmer-Brüder und Obrist – von einer Schweizer Lizenz, sodass er das Ausländer-Kontingent nicht belastet. Wolf ist ein Defender mittlerer Größe (eine leichte O-Bein-Stellung lässt ihn etwas kleiner aussehen), der aber an der Bande und in Zweikämpfen seinen Mann steht.

Seine größte Stärke: Er gerät nicht leicht in Panik, kann Gegenspieler von der Scheibe trennen und diese dann schnell und sicher weiter befördern. Kein großer Banger, aber ein Mann mit einem tiefen Körper-Schwerpunkt, der dadurch stark auf den Eisen steht und mit guter Beinarbeit auch Gegenspieler in ungefährliche Situationen umleiten bzw. gefährliche Situationen so lange entschärfen kann, bis Verstärkung naht.

Bernd Wolf
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Der 20-Jährige ist das, was man in Scoutingkreisen als "'tweener" (="in-betweener") bezeichnet: Weder ein Defensivspezialist noch ein Offensivbringer, sondern ein Defender, der seine Arbeit in der eigenen Zone erledigt und den ersten Pass beherrscht. Nicht unbedingt gleich ins Auge stechend, aber effektiv und verlässlich. Mein einziger negativer – und zugleich atypischer Eindruck – von ihm: Eine sehr dumme Strafe bei der letzten U20-WM in Bremerhaven, die Frankreich den Siegestreffer in der Schlussphase ermöglichte.   

Bei zunehmender Erfahrung und Eiszeit im höchsten Senioren-Bereich kann Wolf aber in allen Bereichen noch zulegen, ich schätze sein Potenzial etwas höher als das von ebenfalls talentierten Cracks wie Erik Kirchschläger und Daniel Jakubitzka (beide ein Jahr älter) ein.

Seine Karrierepläne für die nahe Zukunft? "Eventuell noch ein Jahr Swiss League, die Liga wird immer besser. Aber ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr doch in der NLA spielen kann – wenn nicht in Bern, dann bei einem Team mit weniger Tiefe." Eine Rückkehr nach Österreich steht für ihn jedenfalls vorläufig nicht zur Debatte...

 

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