ÖEHV: Was treiben die U20-Helden von Wien?

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16. Dezember 2015: Österreichs U20-Nationalteam besiegt in Wien den deutschen Nachwuchs 3:1!

Das von Roger Bader gecoachte ÖEHV-Team beendet die Heim-WM der Gruppe B mit neun Punkten auf dem 2. Rang, einzig Aufsteiger Lettland zeigt sich als übermächtig.

Die Kombination der Jahrgänge 1996 und 1997 galt und gilt als eine der besten heimischen Auswahl-Mannschaften der letzten Jahrzehnte. Dennoch, auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Erfolg in Wien spielt Österreich gegen den Abstieg!

Nach vier Niederlagen in vier Spielen bei der U20-WM in Frankreich muss heute gegen Ungarn ein Sieg her, um den Klassenerhalt in der Division 1A zu schaffen.

Welche Spieler konnten sich auf Senioren-Niveau bereits durchsetzen?

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller liefert die Bestandsaufnahme:

TORHÜTER:

Thomas Stroj (1996, damals KAC - heute Dornbirn)

Damals: Reflexstarker, aber nicht gerade stilsicherer Goalie, löste Müller als Nummer 1 ab und brillierte gegen Deutschland. Heute: Backup in Dornbirn, bislang ohne Einsatz, einzig ein Spiel für das Farmteam Bregenzerwald.

Stefan Müller (1996, damals Lugano U20 - heute Ticino Rockets)

Damals: Der Eishockey-Schweizer ging als Einser-Goalie in mehrere Turniere und beendete diese als Backup. Heute: Spielt beim gemeinsamen Farmteam von Lugano und Ambri in der zweithöchsten Schweizer Spielklasse, noch kein Einsatz für Lugano.

VERTEIDIGER:

Bernd Wolf (1997, damals Bern U20 - heute Visp)

Damals: Stressresistenter und spielstarker Defender, nicht groß, aber stark auf den Eisen. Heute: Von Bern seit zwei Jahren in die Swiss League ausgeliehen, wird wohl im Sommer den Verein wechseln. Zuletzt im Nationalteam in Innsbruck ein sicherer Wert, sollte ÖEHV-Stammspieler werden.

Erik Kirchschläger (1996, Black Wings Linz)

Damals: Solider Defender, guter Eisläufer, konnte mit Druck gut umgehen. Heute: Bis vor kurzem Stammspieler in Linz, der NHL-erfahrene Neuzugang Shane O'Brien könnte ihn aber aus den ersten sechs Defender befördern. Bei seinen Einsätzen nicht fehlerfrei und ab und zu körperlich überfordert, aber ein brauchbarer EBEL-Verteidiger. Auch er im Nationalteam sehr solide.

Gerd Kragl (1997, Black Wings Linz und Zell am See)

Damals: Wie Wolf, Kirchschläger und Jakubitzka mit guten Beinen und einer soliden Performance, aber mit überschaubaren Beiträgen im Powerplay. Heute: Wenn bei Linz gebraucht, durchaus EBEL-tauglich und mit einem guten Schuss aufwartend. Im Nationalteam gegen A-Gruppen-Teams auf der Höhe, von Linz zuletzt aber nach Zell am See "abgeschoben".

Daniel Jakubitzka (1996, Red Bull Salzburg)

Damals: Typisch für die Defender-Riege von 2015 – etwas undersized, gute Beine, konnte Scheibe unter Druck weiterleiten. Heute: Aufgrund der einen oder anderen Verletzung seiner Konkurrenten zuletzt mit einem Stammplatz bei den Roten Bullen. Hat körperlich zugelegt - hat das Zeug zu einem EBEL-Stammspieler mit etwas Offensiv-Potenzial.

Ramon Schnetzer (1996, damals Kloten U20 - heute KAC)

Damals: Solider Tiefenverteidiger, unter den acht eingesetzten Defendern aber weiter unten zu finden. Heute: Spielte sich beim KAC über das Farmteam zu einem Stammplatz im Line-up. Wenige Fehler, gute Beine, überschaubares Offensiv-Potenzial. Guter Ergänzungsdefender zu Legionären.

Lucas Birnbaum (1997, Red Bull Salzburg)

Damals: Der einzige Defender mit Gardemaß, ab und zu mit kleineren Aussetzern. Heute: Beinarbeit über die Jahre verbessert, auch mit etwas mehr Biss, allerdings kein Mean Streak. Stammspieler in der AlpsHL, in der EBEL nur mit kurzen Gastspielen.

Fabian Nussbaumer (1997, damals Red Bull Salzburg - heute HC Innsbruck)

Damals: Kleingewachsener Defender mit guten Händen. Heute: Pendelt zwischen AlpsHL und dem Innsbrucker Line-up, bei Vollbestand dort aber ohne Eiszeit.

Mathias Hagen (1996, damals Davos U20 - heute EHC Basel)

Damals: In der Rotation der acht Defender mit dabei, aber doch etwas abgefallen. Heute: Seit 2015 nicht mehr am ÖEHV-Radar, spielt seine zweite Saison in der dritthöchsten Schweizer Spielklasse.

STÜRMER:

Lukas Haudum (1996, Malmö Redhawks und IK Panthern)

Damals: Wie immer in den Nationalteams agiert der Flügel mit weit entwickelter Spielauffassung und abgeklärter Spielweise. Heute: Zu Saisonbeginn bei Malmö Stammspieler, nach einem Allsvenskan-Gastspiel wieder zurück. Im Senioren-Nationalteam bereits ein Spielträger und ein sicherer Wert für die A-WM.


VIDEO - Lukas Haudums Händchen unter Beweis:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


Florian Baltram (1997, Red Bull Salzburg)

Damals: Ein spritziger und dynamischer Center, Kapitän und Leader-Erscheinung. Heute: Eine weite Bandbreite im Salzburg – von Einsätzen in der EBEL und CHL bis überzähliger Stürmer und einem AlpsHL-Gastspiel. Bei seinen ÖEHV-Einsätzen immer mit einem positiven Eindruck.

Dominic Zwerger (1996, damals Spokane/WHL - heute Ambri-Piotta/NL)

Damals: Der Flügel agiert gefährlich ums Tor herum, Abschluss-Spieler, dazwischen aber mit Absenzen. Heute: Bei Ambri in der Schweiz ein Top-6-Stürmer mit 20 Punkten, zuletzt auch mit einem guten Nationalmannschafts-Debüt in Innsbruck.

Mario Huber (1996, damals Victoriaville/QMJHL - heute Red Bull Salzburg)

Damals: Nicht das beste Turnier des Flügels, Offensive damals schon weit entwickelt, Defensive weit weniger. Heute: Stammspieler in Salzburg, überraschend auch im Penalty Killing am Eis.

Daniel Wachter (1997, Red Bull Salzburg)

Damals: Der Flügel ist klein, aber oho – mit steter und spritziger Beinarbeit stets ein Unruhestifter. Heute: Meist in der AlpsHL eingesetzt, nach Verletzungen aber zuletzt in der vierten Linie wieder mit dabei.

Stefan Gaffal (1996, Black Wings Linz)

Damals: Center/Winger mit sehr guten Händen und vor allem im Powerplay gefährlich. Beine schon damals ein "Work in Progress". Heute: Sowohl unter Rob Daum als auch Troy Ward im Line-up dabei, meist aber in den Bottom-6. Konnte Offensiv-Qualitäten noch nicht konstant auf EBEL-Niveau umlegen.

Dario Winkler (1997, Red Bull Salzburg)

Damals: Intelligenter Center mit guten Händen und bei den Top-6 dabei. Heute: AlpsHL-Stammspieler, dazwischen verletzt, in den letzten Tagen zur ersten Mannschaft hochgezogen.

Sam Antonitsch (1996, damals Okanagan Europe/USPHL - heute VSV)

Damals: Kräftiger Flügel mit großem Kampfes-Eifer, im Powerplay vor allem als Rammbock vor dem Tor wichtig. Heute: Nach geplatzten College-Träumen beim VSV in der vierten Linie gesetzt, agiert wuchtig und körperlich stark. Könnte sich bei besserer Beinarbeit weiter nach oben spielen.

Felix Maxa (1997, Vienna Capitals)

Damals: Ein Center der Größe und Kampfkraft ins Line-up brachte. Heute: Begann letzte Saison im Capitals-Line-up, nach einer Knieverletzung eliminiert und heuer nur im Farmteam eingesetzt.

Benjamin Nissner (1997, Vienna Capitals)

Damals: Flügel verfügt über gute Beine, guter Transition Player mit etwas Offensive. Heute: Im Capitals-Line-up ungefähr Stürmer Nummer 13 bis 14, nach Verletzung von Sascha Bauer wieder nach oben gerückt.

Alexander Lahoda (1996, Red Bull Salzburg)

Damals: Einer der schnellsten Spieler im Line-up, guter Forechecker, ein Flügel mit guten Offensiv-Beiträgen. Heute: Stammspieler in der AlpsHL, kaum bei erster Mannschaft dabei.

Patrick Kittinger (1996, Red Bull Salzburg)

Damals: Groß, aber nicht sehr schnell – hinterließ als Flügel von den Angreifern am wenigsten Eindruck. Heute: Stammspieler in der AlpsHL, noch nie in der Kampfmannschaft eingesetzt.

Damals aus Verletzungsgründen nicht dabei:

Ali Wukovits (Center/Flügel, 1996, Vienna Capitals)

Nach zwei schweren Gehirnerschütterungen seit dem Saisonstart Stammspieler bei den Capitals, meist in der vierten Linie.

Dominic Hackl (Verteidiger, 1996, Vienna Capitals)

Damals mit einer Handverletzung nach einem Verkehrsunfall out. Seitdem in der Caps-Defender-Hierarchie Nummer 7 oder 8 - Meist im Penaltykilling eingesetzt.

Christof Kromp (Flügel, 1997, VSV)

Nachnominiert, aber dann auch verletzt: Sein Übersee-Engagement ging schnell zu Ende, nach gutem Beginn beim VSV seit einem Jahr aber mit sehr stagnierenden Leistungen und derzeit Viertlinien-Spieler.

FAZIT:

25 Spieler zweier Jahrgänge, die zu den besten im österreichischen Eishockey der letzten beiden Jahrzehnte gehörten. Davon agieren Lukas Haudum und Dominic Zwerger in zwei guten europäischen Ligen, mit der richtigen Vereins-Auswahl im nächsten Sommer sollte das auch Bernd Wolf von sich sagen können.

In der EBEL gehört Mario Huber fix zu den ersten drei Blöcken, seit ca. einem Monat gilt das auch für Ramon Schnetzer. Erik Kirchschläger hingegen muss seit dem Engagement von Shane O'Brien in Linz wieder um seinen Stammplatz ringen.

Die Eiszeiten von Cracks wie Flo Baltram, Daniel Jakubitzka, Stefan Gaffal, Dominic Hackl, Ali Wukovits, Daniel Wachter oder Benjamin Nissner sind von Verletzungen im Line-up ihrer Teams abhängig, Christof Kromp und Sam Antonitsch spielen fix in Villach, unter Neo-Coach Markus Peintner mehr gefördert.

Textquelle: © LAOLA1.at

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