Black Wings: Kampf am Eis nach K(r)ampf abseits

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Die Eishockey-Saison naht in großen Schritten! Mit dem Start der ICE Hockey League am 25. September (im LIVE-Ticker) startet die heimische Liga in eine neue Ära, nachdem die Corona-Krise den Abschluss der letzten EBEL-Saison und damit die Kür eines Meisters verhinderte.

Auch die Vereine der Scheibenjagd präsentieren sich durch die widrigen Umstände zum Teil mit einem neuen Gesicht.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller nimmt in seiner traditionellen Saison-Vorschau wieder alle Teams unter die Lupe. Bei den Black Wings 1992 - neuerdings ohne den Namenszusatz "Linz" unterwegs - gab es eine wilde Offseason mit Abspaltung eines Konkurrenz-Vereins. Der K(r)ampf hinter den Kulissen ist vorbei, nun muss der Kampf am Eis geführt werden. Mit einer nicht uninteressanten Truppe, die aber nicht unbedingt als Anwärter auf die vorderen Plätze gelten kann.

Das sollte klappen

Nach den kleineren Unstimmigkeiten des Sommers – kaum der Rede wert – zeichneten sich die Grundrisse des Kaders erst spät ab. Ausgedünnt ist er jedenfalls nicht: Sieben Defender und dreizehn Stürmer sollten allemal ligatauglich sein. "Eklektisch" ist das Wort, das ich für die Kader-Zusammenstellung verwenden würde, doch quantitativ sollte das einmal klappen.

Brian Lebler, Dragan Umicevic (soll gut trainiert haben, was beruhigen sollte) und Heimkehrer Andrew Kozek sollten weiter überdurchschnittliche Offensiv-Kräfte für unsere Liga sein, Andreas Kristler und Stefan Gaffal einheimische Kräfte, die sich von Verletzungen wieder erholt (Kristler) bzw. im Laufe der Jahre gesteigert haben (Gaffal). Das ergibt schon einmal einen brauchbaren Kern, zu dem die Neuen dazustoßen sollten. An Tiefenspielern wird es jedenfalls nicht fehlen.

Juha-Pekka Hytönen eilt trotz seiner 39 Jahre der Ruf voraus, ein Modellathlet zu sein, dazu noch ein absoluter Führungsspieler. Er gilt als Top-Penalty-Killer, die Black Wings hoffen aber, dass er bei entsprechender Powerplay-Zeit (die er als Top-6-Center auch bekommen wird) auch noch die entsprechenden Scorer-Zahlen aufrufen kann. Von seinen immerhin 16 Toren in der Vorsaison bei JYP entsprang keines aus einem Powerplay. Will Pelletier könnte als zweiter Center für die Toplinien eine gute Ergänzung sein, so er seine Gehirnerschütterungen überwunden hat: Klein und beweglich, solche Spieler kommen in unserer Liga meist gut an. Yin und Yang also vielleicht auf den Top-2-Center-Positionen – zwei verschiedene Spielertypen (ein Arbeitstier und eine Wühlmaus mit guten Händen) für unterschiedliche Ansprüche. Hytönen dürfte zunächst Lebler und Umicevic centern, das könnte sich aber aus Speedgründen noch ändern.

Das könnte klappen

Eine Rückkehr in die gute alte Zeit oder der verzweifelte Versuch, Abgestandenes aufzuwärmen? Neo-Manager Gregor Baumgartner holte Sebastien Piche, Marc-Andre Dorion und Andrew Kozek in einem Schwung zurück. Kozek war auch in Klagenfurt weiter ein Goalgetter (hat er aber einen Vorlagengeber in Linz?), das sollte klappen. Aber Piche hat seine gesamte Offensive auf dem Weg zwischen Linz und Tschechien verloren – kann er sie wiederfinden? Ohne ihn fehlt fast jede Powerplay-Schlagkraft von der blauen Linie. Dorion hätte ohne das Linzer Angebot wohl in Frankreich oder Norwegen anheuern müssen, die beiden letzten Jahre waren sehr schwach. In diese Rückholaktionen ist viel Hoffnung eingepreist…

Charles-David Beaudoin und Niklas Tikkinen sollten solide Defensivdefender mit wenigen Höhen und Tiefen abgeben. Andrew Nielsen ist ein interessanter Fall, dessen Engagement in beide Richtungen gehen könnte: Aus den Junioren kommend ein Mann fürs Powerplay, zuletzt aber ein reiner Defensiv-Verteidiger, dessen mangelnde Beinarbeit in vielen Strafen resultierte, Calgary hatte genug von ihm gesehen. Es scheint, als ob er sich in Linz als Mann fürs Grobe sieht, solche Spieler haben in unserer Liga selten ein langes Leben. Wenn er im Powerplay von der linken Halfwall aus Torgefahr entwickeln kann, würde das der Linzer Defensive dagegen wohl mehr helfen. Wenn er und Piche nicht treffen, fehlt Josh Roach (Karriereende) noch mehr als ohnehin schon.

In Linz war es oft so, dass der Einser-Goalie (Michael Ouzas) mangels an Alternativen überspielt war. Jetzt stehen mit David Kickert und Luka Gracnar zwei einsatzfähige Torhüter parat, ich könnte mir eine Arbeitsteilung 70:30 zugunsten von Kickert vorstellen. Allerdings: Kickert muss endlich beweisen, dass er seine Leistungen über die ganze Saison hochhalten kann, Gracnar war auch in Norwegen alles andere als ein Spitzenmann, sein unruhiger Stil war nie mein Fall. Sind das zwei Einser oder bloß zwei 1B-Goalies?

Pierre Beaulieu hatte als Head Coach sowohl in Innsbruck als auch in Krefeld die undankbare Aufgabe, jeweils im Dezember Teams zu übernehmen, die er nur mehr verwalten, aber nicht mehr umdrehen konnte. Jetzt steht er erstmals am Beginn einer Saison hauptverantwortlich hinter der Bande. Er ist intelligent, eloquent, spricht Deutsch und Englisch und kennt die Liga mit allen ihren Eigenheiten. Sein Engagement machte mehr Sinn als das eines völlig neuen Mannes. Kann er dem Team seinen Stempel aufdrücken oder hat er mit Linz wieder ein Problem-Projekt geerbt, das ihm auf seinem CV nicht weiterhilft?

Das Problempotenzial

Ich kann mich an keinen Sommer eines EBEL-Teams erinnern, der mehr von Streitigkeiten geprägt war. Was als Auffassungsunterschiede der Hauptfiguren Präsident Peter Freunschlag und GM Christian Perthaler begann, artete in eine monatelange Schlammschlacht aus, die eine Folge des Dschungelcamps wie die "Liebe Familie" aussehen ließ. Vizepräsidenten, Spieleragenten, Ex-Coaches und die Stadt Linz brachten sich vor und hinter den Kulissen ein, die Lokalmedien schürten noch eifrig das Feuer, auf einmal stand ein zweiter Linzer Verein da, den die Liga-Klubs aber ablehnten. Auch danach kehrte kaum Ruhe ein, immerhin konnte Baumgartner einmal eine Mannschaft zusammenstellen und es gab Teams, die noch später mit ihrer Vorbereitung begannen. Wird in Linz (aus dem Klubnamen verbannt) heuer einmal Ruhe einkehren?

Wenn eine Organisation so in die Hälfte zerbricht wie die Black Wings, ist das schon in normalen Zeiten ein Problem. Kombiniert mit Corona, das gerade einen früheren Zuschauerkrösus wie Linz trifft, kann sich das finanziell nur dramatisch auswirken. Auch wenn das Team wieder billiger geworden ist – läuft der Spielbetrieb, in dem auch noch ein Farmteam involviert ist, die ganze Saison ohne pekuniäre Probleme ab? Es fällt schwer, daran zu glauben…

Wo könnte nachgerüstet werden?

Das Team braucht jetzt einmal Backzeit, an Nach-Verpflichtungen sollte so schnell nicht gedacht werden. Nicht jeder Neue wird einschlagen, aber Brachial-Flops erwarte ich auch keine…

Der Ausblick

Eine direkte Top-5-Qualifikation wäre fast eine Sensation, allerdings ist der direkte Weg in die Playoffs auch schon zuletzt kein Selbstläufer mehr gewesen. In der Hoffnungsrunde sollte dann alles möglich sein…

Spielplan ICE Hockey League 2020/21 >>>

Textquelle: © LAOLA1.at

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