LAOLA1: Der vielerorts erwartete Umbruch beim KAC ist ausgeblieben, es gab nur punktuell Veränderungen. Warum hat man sich dafür entschieden?
Furey: Wir glauben an unsere Führungsspieler. Gemeinsam mit den jungen Spielern haben wir eine gute Basis. Wir haben in den letzten drei Jahren zwei Mal den Grunddurchgang gewonnen, waren dann jeweils im Finale. In der letzten Saison waren wir bis zum letzten Spieltag auf Platz eins. Trotzdem hatten wir ein paar Abgänge, fünf neue Spieler sind gekommen. Das ist viel. Wir hatten mehr oder weniger eine komplette neue Linie, die wir integrieren müssen. Das braucht etwas Zeit, es ist ein täglicher Prozess.
Das Ziel ist, dass wir am Ende das letzte Spiel gewinnen können. Viele Leute sagen: Wir brauchen mehr Veränderungen, wir sind zu alt. Aber wir kennen diese Spieler in unserer Kabine. Wir glauben, dass wir mit den neuen Spielern Schnelligkeit, Spielverständnis, Zweikampfstärke und Erfahrung reingebracht haben. Wir haben nach ein paar jungen Spielern unter 30 gesucht, das war in den letzten paar Jahren nicht der Fall. Wir haben junge Kräfte und zugleich ältere Spieler, die unseren Weg kennen.
Unsere älteren Spieler sind sogar die fittesten. Das sind wirklich Führungsspieler.
LAOLA1: Ist das Alter nur eine Zahl für Sie?
Furey: Zu 100 Prozent. Ich darf auch nichts anderes sagen, weil ich bis 39 gespielt habe. (lacht)
LAOLA1: Das Durchschnittsalter des Kaders liegt bei 30,19 Jahren. Das ist mit großem Abstand der höchste Wert der Liga.
Furey: Das ist für mich nicht wichtig. Natürlich müssen wir auf die Trainingsintensität und die Regeneration achten, doch wir wissen genau, was gut für uns ist. Uns ist wichtig, dass wir regelmäßig mit den Spielern und den Performance Coaches kommunizieren, um hinsichtlich des Energielevels die beste Mannschaft am Eis haben zu können. In unserem Spiel dreht sich alles um Eislaufen und Zweikämpfe. Das kostet viel Energie. Die Kehrseite ist: Wenn ein Führungsspieler geht, was bringst du zurück? Diese Frage hört man in allen Sportarten. Unsere älteren Spieler sind sogar die fittesten. Das sind wirklich Führungsspieler. Sie leben den jüngeren Spielern vor, wie hart man arbeiten muss. Was es bedeutet, richtig zu essen oder zu schlafen. Ein paar von ihnen sind schon um 7 Uhr in der Kraftkammer.
LAOLA1: Sie geben damit Standards vor und sind Vorbilder für die jungen Spieler.
Furey: Ganz genau. Wir haben gute österreichische und ausländische Spieler, sind mit dem Kader sehr zufrieden und freuen uns auf diese Saison.
LAOLA1: Wie wichtig ist die Tatsache, dass Jan Mursak für ein weiteres, letztes Jahr zurückgekommen ist?
Furey: Er bringt unglaublich viel Energie ins Team. In jedem Training gibt er 100 Prozent. Für uns war es keine Frage, mit ihm verlängern zu wollen. Wir sind froh, dass er da ist.
LAOLA1: Auf der Bank steht nicht mehr David Fischer an Ihrer Seite, er hat den Verein verlassen. Ihr seid gemeinsam ins Trainergeschäft eingestiegen, wie schmerzhaft war sein Abschied?
Furey: Das ist schade. Ich muss ehrlich sein: Mit ihm zusammenarbeiten zu dürfen, war Weltklasse. Das war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde.
LAOLA1: Christoph Brandner ist der neue Assistant Coach. Was bringt er mit?
Furey: Ich hatte schon einen Bezug zu ihm. Wir haben bereits in der Alps Hockey League zusammengearbeitet, früher auch gemeinsam gespielt. Sie unterscheiden sich persönlich etwas voneinander, doch das Wichtigste für mich ist, dass jemand eine Meinung hat und diese auch einbringt – sei es vor der Mannschaft oder wenn wir Trainer zusammensitzen. Christoph bringt viel Erfahrung mit, also ist es auch für mich gut, dass er dabei ist. Er hat zuletzt die U18-Mannschaft gecoacht. So wie er über das Spiel denkt, wollen wir auch auftreten.
LAOLA1: Ihr Vertrag wurde hingegen gleich um drei Jahre verlängert. Welche Vision haben Sie für den KAC?
Furey: Wir wollen gewinnen! Das Ziel muss auch sein, junge Spieler in den Profi-Kader zu bringen. Man muss sich das aber verdienen. Als ich selbst noch gespielt habe, hatte ich nie daran gedacht, einmal Profi-Trainer zu sein. Heute ist es eine Herzensangelegenheit. Es wird mein 20. Jahr in Klagenfurt sein, ich arbeite hier mit Leidenschaft.
Ich bin sehr dankbar, dass der Verein mir so einen langen Vertrag gegeben hat. Ich glaube, dass wir in den letzten drei Jahren eine tolle Mannschaft geformt haben. Die Frage ist: Was ist Erfolg? Ist man nur dann erfolgreich, wenn man jedes Jahr den Meistertitel gewinnt? Oder auch dann, wenn man konstant ist? Natürlich will jeder Spieler und Trainer Meister werden. Ich bin einfach sehr dankbar und hoffe, noch länger bleiben zu können.
Druck ist ein Privileg. (...) Freilich wollen wir Meister werden.
LAOLA1: Wird es in den kommenden drei Jahren irgendwann den großen Umbruch geben müssen?
Furey: Ich fokussiere mich auf die Gegenwart. Wir haben einen Plan für heuer, weiter will ich nicht in die Zukunft schauen. Der Plan wird sich in den nächsten Jahren jedoch nicht gravierend verändern. Wir schauen auf unseren Stamm, dann auf neue Spieler und den eigenen Nachwuchs. Wenn wir Talente wie Johannes Dobrovolny verlieren, muss man den Plan etwas verändern. Doch ich kann nur das Hier und Jetzt kontrollieren. Wir wollen immer ein offenes Ohr haben, müssen auf die Spieler hören. Der Prozess wird nie geradlinig verlaufen. Es ist immer ein Auf und Ab und was passiert, das passiert. Wir wollen uns jetzt auf die Gegenwart fokussieren – das ist das Wichtigste.
LAOLA1: In Klagenfurt zählt vor jeder Saison nur der Meistertitel. Was stimmt dich zuversichtlich, dass es heuer klappen kann?
Furey: Druck ist ein Privileg. Ich freue mich, dass die Halle bei jedem Spiel voll ist. Dafür bin ich den Fans auch sehr dankbar. Unser Ziel ist, dass wir ihnen an jedem Abend ein spannendes Spiel bieten können. Freilich wollen wir Meister werden. Aber der Druck ist hoch, gerade wenn man so oft Meister geworden ist. Ich muss auch sagen: Seit ich Trainer bin, sind die Fans wirklich fair. Sie wollen ehrlichen Einsatz sehen. Und ich glaube, wir können behaupten, dass unsere Spieler diesen Einsatz jeden Abend bringen. Das ist also unser Ziel – und natürlich der Meistertitel.
LAOLA1: Danke für das Gespräch!