Playoff-Vorschau, Teil 2: Caps-Innsbruck, RBS-Graz

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Playoffs - die schönste Zeit im EBEL-Jahr!

Heute Sonntag (ab 17:00 Uhr, LIVE im LAOLA1-Ticker) startet das Viertelfinale für die verbliebenen acht Mannschaften. LAOLA1 nimmt im Vorfeld den bisherigen Saisonverlauf aller Teams unter die Lupe, erklärt die Faktoren, die für jeden Verein sprechen und stellt die "Men to watch" vor, die den Unterschied ausmachen können.

Teil 2 beschäftigt sich mit den Duellen Vienna Capitals gegen HC Innsbruck und RB Salzburg gegen Graz99ers.


VIENNA CAPITALS - HC INNSBRUCK

Head-to-Head: 5:1, 26:16 Tore, 15:3 Punkte

Die Saison der Vienna Capitals:

Die Wiener haben einen echten Traum-Grunddurchgang hingelegt und neue EBEL-Rekorde für Siege (33) und Punkte (98) aufgestellt. Besonders auswärts waren die Caps kaum zu bezwingen, in fremden Hallen sammelten sie 54 Punkte - um 14 mehr als die "zweitplatzierten" Black Wings - und mussten nur einmal nach 60 Minuten als Verlierer vom Eis! Head Coach Serge Aubin erwies sich trotz seiner jungen Laufbahn an der Bande als Glücksgriff, der eine funktionierende Mannschaft ohne wirklich eklatante Schwachstellen formte, einen professionellen, weder zu distanzierten noch zu freundschaftlichen Umgang mit seinen Spielern pflegen und die "gesündere" Alternative zu den kantigen Vorgängern Tom Pokel und Jim Boni darstellen dürfte. Zwar verstärkten sich die Capitals vor der Saison fast ausschließlich mit Imports, diese schlugen aber beinahe ausnahmslos ein und wurden zu Leistungsträgern. Die jüngste Phase hat aber zeitweise in Erinnerung gerufen, dass die Hauptstädter keineswegs unschlagbar sind. Und dass in den Playoffs alle bei Null starten und man sich ein gutes Jahr binnen weniger Tage ruinieren kann, wissen die Capitals noch gut aus 2015/16 - als sie den ersten Pick im letzten Spiel vergeigten und anschließend gegen den VSV im Viertelfinale die Segel strichen.

Die Saison des HC Innsbruck:

Den HC Innsbruck darf man als positive Überraschung der Saison betrachten. Die erste Playoff-Teilnahme seit 2008/09 wurde in souveräner Manier unter Dach und Fach gebracht, mit der Qualification Round hatten die Haie wenig am Hut. Im Gegenteil, phasenweise kämpften die Tiroler in der erweiterten Spitze. Erst im Laufe des Jahres wurde man wieder daran erinnert, mit der Kader-Tiefe und -Ausgewogenheit der größeren EBEL-Namen (noch) nicht ganz mithalten zu können. Das war nach einem erneuten Umbau in der Off-Season auch nicht zu erwarten. Dieser endete immerhin mit einer endlich erkennbaren, wenngleich etwas eigenwilligen Identität am Eis. Der "vorne hui, hinten pfui"-Ansatz war neben der Tatsache, dass sich das Gerüst weiterhin eher auf die ersten beiden Linien stützt, Hauptgrund dafür, dass der HC Innsbruck von der grauen Maus zum bunten Vogel der EBEL wurde. So folgten etwa dem 7:0-Schützenfest über Meister Salzburg sechs Niederlagen en suite. Dem viertbesten Wert in Sachen geschossene Tore steht der zweitschlechteste bei den Gegentreffern gegenüber, durchschnittlich fallen bei Partien mit Beteiligung der Haie satte sieben Treffer! Der HC Innsbruck macht den Fans dank dieses Hollywood-Ansatzes endlich wieder Spaß, nur eben nicht immer zwangsläufig den eigenen.

Was für die Vienna Capitals spricht:

Die Ausgeglichenheit. Geht es darum, eine echte Schwäche bei den Capitals auszumachen, muss man länger suchen. In Sachen Offensive befand man sich unter den Top-3 der EBEL, dazu musste man in den ersten 44 Spielen nur 95 Gegentore hinnehmen, mit Abstand der beste Wert der gesamten Liga. Dazu verteilt sich die Verantwortung auf vielen Schultern, mit Riley Holzapfel fand sich nur ein Cap unter den Top-10-Scorern. Der Kanadier hatte auch seine Durchhänger, die von seinen Kollegen aufgefangen wurden. Zudem hatten die Wiener Innsbruck, mit Ausnahme des vogelwilden 7:9, stets gut im Griff. Bleiben sie defensiv geordnet und diszipliniert - das Penaltykilling ist nur biederer, aber meist ausreichender Durchschnitt - wird den Kagranern zumindest von Innsbruck wenig entgegenzusetzen sein.

Was für den HC Innsbruck spricht:

Die stete Torgefahr. Kann Innsbruck seinen offensiven Gameplan umsetzen, muss es der Gegner erst einmal schaffen, die Haie zu outscoren. Rob Pallin hatte nun immerhin sechs Spiele Zeit, sich das Spiel der Caps aus nächster Nähe anzusehen und neue Kniffe zu überlegen. Das finale Duell der Pick-Round ließ erahnen, dass der HC Innsbruck zumindest zum lästigen Ärgernis werden kann - zwei Drittel lang war man auf bestem Wege, der Spielverderber auf der Wiener Party zum ersten Platz zu werden. Es hat allerdings klar erkennbare Gründe, warum sich Serge Aubin, übrigens alleinverantwortlich für die Wahl des Gegners, die Haie ausgesucht hat.

Die Men to watch:

Jean-Philippe Lamoureux: Ausgerechnet bei den Capitals einen Torhüter hervorzustreichen, mag etwas seltsam anmuten. Der 32-Jährige findet sich zwar wieder in der Spitze der Goaltending-Liste (Platz 4, 92,4 Prozent Saves), kein anderes Team hat aber einen derart starken Backup - David Kickert führt die Statistik sogar an (93,3 Prozent) und durfte fast ein Drittel der Spiele bestreiten. Einen echten Einser gibt es also nicht. Der Neuzugang vom VSV wird die Serie aber auf jeden Fall beginnen und zum Faktor werden - müssen die Capitals in einem zähen Spiel mehr Risiko gehen und sich die Defender offensiv einschalten, wird dementsprechend viel auf ihn einprasseln. Außerdem bemerkenswert: "JP" trifft auf seinen Bruder Mario Lamoureux, der ihm in dieser Saison schon ein Tor einschenken konnte.

John Lammers: Der Topscorer der Haie, unter der Saison mit gesunder Regelmäßigkeit als Torschütze aufgefallen, hatte in der Zwischenrunde mit Ladehemmung zu kämpfen. Ein Doppelpack beim 5:8 in Bozen war die einzige Ausbeute für den 31-Jährigen. Seit es bei ihm nicht mehr hundertprozentig rund läuft, ist auch der Innsbrucker Motor ins Stocken gekommen. Als wohl wichtigster Baustein der Einser-Offensivreihe ist Innsbruck auf eine Trendwende beim Kanadier angewiesen.

Die LAOLA1-Prognose:

Johannes Bauer: 4:1 Vienna Capitals. Im Normalfall können und dürfen die Caps nicht am HC Innsbruck scheitern, nicht nach dieser Saison, nicht gegen einen Gegner mit derart erkennbaren Schwächen. Da man etwas an Dominanz eingebüßt hat und die Erwartungshaltung von außen stark drückt, glaube ich nicht an einen Wiener Sweep. Mehr als eine Niederlage ließe sich durch Playoff-Anspannung aber nicht begründen.

Marc Schwarz: 4:1 Vienna Capitals. Die Devise "offense wins games, defense wins championships" wird in dieser Serie zum Tragen kommen. Die Innsbrucker werden ihre Instabilität in der Defensive in einem Spiel mit einem ihrer in dieser Saison berüchtigten Offensiv-Feuerwerke kaschieren. Über eine gesamte Serie lässt sich mit dieser Spielweise aber nur schwer bestehen - schon gar nicht gegen die Wiener in dieser Verfassung und mit diesem Kader.


RB SALZBURG - GRAZ99ERS

Head-to-Head: 3:1, 15:8 Tore, 9:3 Punkte

Die Saison von RB Salzburg:

Der Meister der vergangenen beiden Saison startete mit einigen Fragezeichen. Erfolgscoach Dan Ratushny, der die Mozartstädter zu zwei Titeln geführt hatte, "erlag" den Lockrufen aus der Schweiz und heuerte beim NLA-Klub Lausanne an. Zudem kehrten mit Brett Sterling und Dominique Heinrich auch auf dem Spielersektor zwei Stützen dem Team den Rücken. Doch in bewährter Red-Bull-Manier ließen sich die Vereinsverantwortlichen bei deren Nachfolge nicht lumpen. Als neuer Trainer wurde der langjährige DEL-Coach Greg Poss präsentiert, am Eis holte man den verlorenen Sohn Thomas Raffl nach seinem Amerika-Abenteuer zurück nach Hause und verstärkte die Defensive mit erfahrenen Leuten wie Mark Flood und Bobby Raymond. Somit stellte man auch die Weichen für eine bisher erfolgreiche Saison und dem ungefährdeten Erreichen der Top 6. In der Pick-Round matchte man sich dann lange mit den Vienna Capitals um den ersten Pick, zog schlussendlich aber aufgrund des direkten Duells den Kürzeren. Dies dürfte den Bullen aber herzlich wenig ausmachen, denn das erste Saisonziel – die Qualifikation für die Champions Hockey League – wurde erreicht und zudem konnte man mit den Grazern den Wunschgegner ziehen.

Die Saison der Graz99ers:

Neue Halle, neuer Star, neue Philosophie – das Erreichen der Playoffs war für die Steirer in der heurigen Saison mehr oder weniger ein Muss, das mit etwas Bauchweh auch erreicht wurde. Nach einem sehr ordentlichen Saisonstart fiel man im November und Dezember in ein tiefes Loch und schoss sich somit im Endeffekt selbst aus dem Rennen um die Top 6. Der Vorstand sah sich daraufhin veranlasst, die Reißleine zu ziehen und Trainer Ivo Jan seines Amtes zu entheben. Und dies sollte sich bezahlt machen, denn unter Neo-Übungsleiter Doug Mason kam ein frischer Wind in die Mannschaft, die nun wieder öfters ihr wahres Potenzial zeigte. Für die direkte Playoff-Qualifikation reichte es ob des aufgerissenen Rückstandes unter Jan dennoch nicht mehr. In der Qualification Round agierten die Grazer über weite Strecken relativ souverän und bestätigten damit die Prognose, dass mit diesem Kader die Playoffs zu erreichen sein müssten.

Was für RB Salzburg spricht:

Playoff-Erfahrung und Spieler-Routine. Vor allem die langdienenden einheimischen Spieler wie Trattnig, Latusa, Welser, Heinrich, Raffl etc. haben schon unzählige Playoff-Partien und -Serien in ihren Beinen und wissen demnach, wie der Hase in der entscheidenden Saisonphase läuft. Außerdem bringt Salzburg eine Kadertiefe mit, wie kein anderes Team in der EBEL. Hinter der Paradelinie Raffl-Duncan-Hughes gibt es mehr oder weniger die Linien 2a, 2b und 2c, die jederzeit Nadelstiche setzen können.

Was für die Graz99ers spricht:

Neue Euphorie. Wie wichtig der erste Playoff-Einzug nach vierjähriger Abstinenz für den Verein, die Stadt und die Fans war, hat man nach dem Entscheidungsspiel gegen Dornbirn gemerkt, als die Spieler und der Trainer nach Spielende noch dutzende Minuten frenetisch gefeiert wurden. Mit diesem Enthusiasmus und dieser Stimmung im Rücken, können die Grazer vor allem zu Hause im "Puckingham Palace" ein ganz unangenehmer Gegner werden.

Die Men to watch:

Raphael Herburger: Als langjähriger Schweiz-Legionär mit vielen Vorschusslorbeeren nach Salzburg gekommen, konnte Herburger diesen vor allem zu Saisonbeginn nicht gerecht werden. Doch der Vorarlberger mauserte sich und trägt sich seit Ende Dezember regelmäßig in die Scoring-Listen ein. Auch der Auftritt beim Österreich Cup, bei dem er mit Manuel Ganahl und Daniel Woger die stärkste Reihe bildete, dürfte ihm gut getan haben. Zudem hat Herburger schon oft in seiner Karriere bewiesen, sowohl beim KAC als auch beim EHC Biel in der NLA, dass er in den Playoffs sein Leistungs-Maximum abrufen kann.

Matt Pelech: Dahm, Setzinger, Beach – ohne Frage, das werden absolute Schlüsselspieler im Spiel der Grazer sein. Dennoch kann es auf einen, den man vielleicht zunächst nicht auf der Rechnung hat, besonders ankommen. Matt Pelech führt mit seinen 139 Strafminuten diese Wertung der Liga an und gilt als absoluter Vollstrecker in der eigenen Zone. Er fährt seine Checks zumeist bedingungslos zu Ende, setzt offensiv und defensiv sowohl bei der Puckeroberung wie auch -behauptung seinen Körper effizient ein und räumt vor Goalie Dahm gerne einmal auf. Gerade in den Playoffs, in denen noch eine Schippe Härte draufgelegt und auch mehr zugelassen wird, kann diese physische Komponente im eigenen Drittel immens wichtig sein. Schließlich kann es den Grazern nur recht sein, wenn Hughes und Co. schon mit einer Portion Respekt in die Angriffszone kommen.

Die LAOLA1-Prognose:

Johannes Bauer: 4:0 Salzburg. Die Grazer Euphorie in allen Ehren, aber ich schätze den Qualitätsunterschied als zu eklatant ein. Und souveränes Agieren unter Druck ist schon lange keine Stärke der Murstädter - das "Endspiel" gegen Dornbirn betrachte ich trotz des Sieges eher als Bestätigung dieser Behauptung.

Marc Schwarz: 4:2 Salzburg. Die 99ers werden den Bullen das Leben schwer machen und aufgrund ihrer Difference-Maker auch die eine oder andere Partie für sich entscheiden. Über sieben Spielen hat das Team von Doug Mason aber schlussendlich keine Chance gegen Salzburg.



Textquelle: © LAOLA1.at

EBEL: Die Viertelfinal-Paarungen im kurzen Check

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