"Niemand kann sagen, dass es unverdient war"

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Anfang Dezember schien es so, als würde eine absolute Seuchensaison für den HC Bozen anstehen.

Von 23 Spielen wurden nur sieben gewonnen, die Zusammenarbeit mit Head Coach Pat Curcio war zu diesem Zeitpunkt als Fehlschlag abgestempelt.

Mit Kai Suikkanen wurde ein finnischer Trainer geholt, der zwei schwierige Jahre in der Liiga hinter sich hatte. Auch bei den Torhütern musste man ein kurzfristiges Loch stopfen und entschied sich für Pekka Tuokkola, der zuvor als Notlösung bei den Vienna Capitals eher mäßig auftrat.

Das Ruder wurde herumgerissen. Und doch war es eine enge Angelegenheit, erst am letzten Spieltag der Zwischenrunde rutschte man mit einem Punkt Vorsprung noch in die Playoffs.

Fünf Monate nach dem Zug der Notbremse sind die Südtiroler zum zweiten Mal nach 2013/14 EBEL-Champion.

Ein Ende am Höhepunkt

Ein Eishockey-Märchen, welches dramatischer nicht hätte vollendet werden können. Mit einer Finalserie über sieben Spiele. Die entscheidende Partie auswärts bei Red Bull Salzburg.

Doch der Teamgeist der Foxes hielt.

Besonders für Alexander Egger ein denkwürdiger Abschluss. Der Bozen-Kapitän erklärte gleich nach Spielende seinen Rücktritt.

"Es ist einfach unglaublich, wenn man bedenkt, wo wir waren. Wir waren weit unten, jetzt sind wir weit oben. Es scheint, als wäre das schon vorher irgendwo geschrieben gewesen", meinte der emotionale 38-Jährige im Sieger-Interview bei "ServusTV".

"Ich kann im letzten Spiel meiner Karriere den Pokal hinaufheben, man kann sich keinen besseren Rücktritt wünschen."

Finnische Coolness im Tor

Die Bozner holten sich den Erfolg über das Kollektiv, kein Spieler war über die ganze Saison gesehen in den Top-15 der Scorerwertung zu finden.

Das finnisch-defensive Spiel, das von Suikkanen eingetrichtert und auch in Finalspiel sieben perfekt exerziert wurde – die Foxes siegten trotz 15:32 Torschüssen – hatte mit Torhüter Pekka Tuokkola aber ein Rückgrat.

Von der Zwischenlösung zum heimlichen MVP der EBEL-Playoffs: Der 34-jährige Finne schwang sich in wenigen Wochen zu einem der nun wohl heißbegehrtesten Schlussmänner der Liga auf.

Den Titel fasste er mit finnischer Coolness auf: "Jeder weiß, wo wir zu Weihnachten waren. Wir haben gewusst, dass wir einfach nur überleben müssen."

Wo geht Suikkanen nun hin?

Ob er in Bozen bleibt, ist ebenso ungewiss wie die Zukunft von Kai Suikkanen. Das Bozner Rezept lautet schon seit jeher notgedrungen: Jährlicher Neuaufbau der Mannschaft.

Der finnische Meistermacher wurde schon vor den Playoffs etwa als heißer Kandidat auf die Nachfolge von Serge Aubin bei den Vienna Capitals gehandelt.

"Wir haben Klagenfurt besiegt, wir haben Wien besiegt, und jetzt Salzburg. Niemand kann sagen, dass es unverdient war", zeigte der 58-Jährige Stolz.

Vor fünf Monaten lautete seine Aufgabe noch, den HCB irgendwie am Leben zu halten. "Da denkt man nicht an den Titel. Man muss das Spiel unter Kontrolle bekommen, muss es jede Woche besser machen."

Seine Zukunft scheint auch Suikkanen selbst noch nicht zu kennen. Ein Verbleib in Bozen? "Ich weiß es nicht – aber ich hoffe es!".

Das Tor ist nicht in der Ecke

Auf Seiten der Verlierer bemühte man sich um Fassung. Immerhin darf der EC Red Bull Salzburg in den kommenden 12 Monaten den Titel als österreichischer Meister tragen.

Dennoch blieb den Bullen zum zweiten Mal nach 2013/14, als man auch den Boznern unterlag, der große Wurf trotz des Status als beste österreichische Mannschaft verwehrt.

"Wir sind früh in Rückstand geraten, dann haben sie auf ein System umgestellt, gegen das wir schon die ganze Serie über keine Lösung gefunden haben", analysierte der enttäuschte Matthias Trattnig.

"Wir spielen gerne in die Ecke, aber das Tor ist nicht in der Ecke. Wir hätten heute zu viel Glück gebraucht, um zu gewinnen", so der Salzburg-Kapitän bei "Sky".

So ist auch die Freude über den Teilerfolg nicht groß: "Ich bin Österreicher und stolz, österreichischer Meister zu sein, aber das war vor einigen Wochen und zählt heute gar nichts."

Kein unverdienter Titel

Greg Poss ärgerte sich auch über die vier Minuten Powerplay, die man im 1. Drittel ungenutzt verstreichen ließ – und dass das 0:1 wieder einen psychologischen Knackpunkt markierte.

"Wir haben beim ersten Tor einen Pfiff gehört und einfach aufgehört zu spielen. Wir sind auf einmal 0:3 hinten, laufen dem ganzen Spiel hinterher, das kostet unglaublich viel Kraft", so der Head Coach.

Letzten Endes blieb ihm nur eine Gratulation übrig: "Wir haben eine sehr gute Saison gespielt, aber so grausam ist der Sport. Bozen hat eine tolle Mannschaft und das auch verdient."

In dieser Hinsicht dürfte sich die EBEL-Gemeinde nach den letzten Monaten des HC Bozen einig sein.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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