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Zagreb: Wenn ein Drittelsieg die Welt bedeutet

Wenn ein Drittelsieg die Welt bedeutet. Tom Zanoski über die Situation von Zagreb:

Zagreb: Wenn ein Drittelsieg die Welt bedeutet Foto: © GEPA

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1:7, 2:3, 0:5, 1:7, 2:5, 0:9, 0:7, 2:6, 2:8, 0:12, 0:6, 2:10, 0:13.

Es gibt momentan wahrlich angenehmere Aufgaben für einen Eishockey-Spieler, als für Medvescak Zagreb die Schuhe zu schnüren.

Die "Bären" befinden sich in argen finanziellen Turbulenzen, die Hälfte der Mannschaft verabschiedete sich seit Anfang Dezember. Der einzige "Erfolg" seit dieser Zeit: Ein 2:0-Drittelsieg im letzten Abschnitt in Graz (Endstand: 2:6).

"An solchen Dingen müssen wir uns aufrichten. Ein gut gespieltes Drittel ist für uns momentan schon ein großer Schritt", erzählt Tom Zanoski im Gespräch mit LAOLA1 von Medvescaks harter Realität.

Bekenntnis zum Herzensverein

Der 34-jährige kroatisch-kanadische Doppel-Staatsbürger ist einer der Wenigen, die den "Bären" die Treue gehalten haben.

"Natürlich habe ich mir Gedanken über einen Wechsel gemacht, denn die Möglichkeit bestand. Aber ich wollte so lange wie möglich bleiben, um zu helfen", stellt der Routinier klar.

Zanoski ist in der EBEL kein Unbekannter, klapperte bereits mehrere Stationen ab – unter anderem spielte er für den KAC und kurz für die Black Wings Linz.

Eine ganz spezielle Verbindung hat er jedoch nur zu seinem Heimatverein Medvescak. "Ich bin schon lange Teil dieses Klubs, er liegt mir am Herzen."

"Wir sind dankbar, dass uns die Leihspieler momentan helfen. Sie haben uns gerettet, denn ohne sie, würden wir kein Team mehr auf das Eis bekommen. Viele sind so eine Belastung nicht gewöhnt. Aber sie arbeiten hart und geben immer alles. Deswegen ist es wichtig, dass man immer positiv mit ihnen bleibt."

Tom Zanoski über die Leihspieler

"Sie haben uns gerettet"

Dementsprechend schwierig gestaltet sich die Situation für Zanoski momentan.

Vilim Rosandic, Adam Deutsch, Sondre Olden, Nikolai Lemtyugov, David Brine, John Armstrong, Tomas Kudelka, Ivan Puzic, Ivan Lisutin, Greg Mauldin, Yann Sauve, Mathieu Corbeil, Mike Aviani, Sebastian Sylvestre, Mario Puskarich, Antonin Manavian - das sind jene 16 Spieler, die das Weite suchten und den Verein aus der kroatischen Hauptstadt mehr oder weniger fluchtartig verließen.

Der Spielbetrieb konnte nach diesen Abgängen nur durch Leihgeschäfte mit KHL Zagreb und KHL Mladost Zagreb gesichert werden. Beide Klubs spielen in der semi-professionellen International Hockey League.

Genauso wie das Farmteam Medvescak II, von dem einige Spieler hochgezogen wurden. Viele von ihnen gehen neben dem Eishockey einer Arbeit nach oder gehen gar noch zur Schule.

"Wir sind dankbar, dass uns die Leihspieler momentan helfen. Sie haben uns gerettet, denn ohne sie, würden wir kein Team mehr auf das Eis bekommen", erzählt Zanoski.

Drei Spiele in drei Tagen

Back-to-back-Spiele Freitag/Samstag oder Samstag/Sonntag sind für diese Cracks mittlerweile zur Normalität geworden. In Extremfällen kann es sogar zu Einsätzen an drei aufeinanderfolgenden Tagen kommen. Elf Spieler standen am 4. und 6. Jänner gegen den VSV und beim KAC im Line-Up, am 5. kamen diese Cracks zudem in der IntHL zum Einsatz.

"Viele sind so eine Belastung nicht gewöhnt. Aber sie arbeiten hart und geben immer alles. Deswegen ist es wichtig, dass man immer positiv mit ihnen bleibt", erläutert Zanoski, was er als Kapitän zu tun hat.

Ein Bild mit Seltenheitswert: Jubel bei Zanoski
Foto: © GEPA

Nicht leicht nach einer 0:12-Niederlage wie vor einer Woche in Klagenfurt. "Das schlimmstes Ergebnis meiner Profi-Karriere", gibt der EBEL-Veteran zu. Der erst 16-jährige(!) Ivan Mikulic ersetzte Goalie Vito Nikolic, der sich verletzte, in dieser Partie nach dem 0:3. "Beim KAC! Was soll man da machen?"

Mittlerweile kam es für Zanoski und Co. noch dicker. Gegen die Vienna Capitals mussten die Kroaten eine 0:13-Schlappe hinnehmen.

Zagreb-Ausstieg vor der Qualirunde?

Ein Ergebnis, das die Kritik von Andreas Nödl untermauert. Der Capitals-Kapitän hielt vor dem Gastspiel in Zagreb mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg (HIER nachlesen). Der ehemalige NHL-Legionär bezeichnete die momentane Situation von Medvescak als "unfair und wertlos für sie, für die Liga und die Mannschaften, die gegen sie spielen".

Sein Wunsch nach einem Ausstieg der "Bären" könnte sich tatsächlich bald erfüllen. Momentan deutet vieles auf ein vorzeitiges Saisonende Zagrebs vor der Qualification Round hin. EBEL-Geschäftsführer Christian Feichtinger will dieses auf Nachfrage von LAOLA1 noch nicht bestätigen, inoffiziell scheint der Ausstieg aber bereits beschlossene Sache.

Zweckoptimismus bei Zanoski

Auf die weitere Zukunft von Medvescak hätte das keine Auswirkungen, eine Teilnahme kommende Saison liegt trotz alledem im Bereich des Möglichen.

Auch für Zanoski, der sich in Zweckoptimismus übt: "Genau wie ein Spieler kann auch ein Team ein schwieriges Jahr haben, die Dinge können sich danach aber wieder zum Guten wenden. Im  Hintergrund wird hart gearbeitet, um die Probleme zu lösen."

Und Probleme gibt es in Zagreb gravierende, wie die letzten Ergebnisse zeigten.

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