Das Powerplay der EBEL im Experten-Check

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Wer im Eishockey über ein gutes Überzahl-Spiel verfügt, hat einen nicht zu leugnenden Vorteil. Das Agieren mit einem Mann mehr am Eis ist eine Disziplin für sich.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller wirft einen Blick auf die Powerplay-Formationen in der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL): Wo liegen bei den einzelnen Teams und Formationen die Unterschiede und Parallelen?

Wer nimmt welche Position ein? Was hat sich während der Saison bei welcher Mannschaft geändert?

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Spielplan und Ergebnisse

TABELLEN

Die Basics:

Wie international wird auch in der EBEL fast ausschließlich ein 1-3-1-Überzahlsystem gespielt.

Das heißt nicht unbedingt, dass nur ein nomineller Verteidiger auf dem Eis steht, aber die blaue Linie wird meist nur von einem Mann gehalten. Ein Spieler agiert hinter dem Tor bzw. driftet auf die Seiten und vor das Tor, wo schon ein Mann den Slot belegt. Auf den beiden Halfwalls agieren Cracks, die entweder für One-Timer (wenn sie auf ihrem Off-Wing spielen) oder Pässe in den Slot agieren.

Natürlich gibt es kleine Abweichungen voneinander, doch dieses System spielen mittlerweile 95 Prozent der Mannschaften, die ich während einer Saison sehe – bei meinen Notizen gehe ich immer von dieser Formation aus, eine Abweichung fällt mir da schon auf.

Der Vorteil dieses Systems: Das Spiel wird in vier Dreiecke aufgeteilt, wo die Spieler meist zwei Pass- und eine Schuss-Option vorfinden. Der oder die Spieler in der Mitte (so der Down-Low-Spieler in den Slot kommt) müssen gecovert werden, die Penalty-Killing-Unit schrumpft dadurch.

Große Verantwortung kommt dabei natürlich dem Point-Man zu, der alleine die blaue Linie abdeckt: Er muss seine Beine stets in Bewegung halten, im Gegensatz zu früher bedient er nicht nur die Hälfte des Spielfelds.

Je nach Schuss-Seite kann er die eine oder andere Halfwell besser mit Pässen bedienen, muss aber selbst auch jederzeit eine Schuss-Option (One-Timer, Slapper oder heute meist Wrister bei dichtem Verkehr) sein, um so Penalty-Killer weiter herauslocken zu können. Schießt er nicht (oder schlecht) oder rückt bei offenem Raum nicht ein, können sich die Gegner besser auf den Rest des Teams verteilen.

Aggressive PK-Guys (wie etwa Michael Grabner) können ihn unter Druck setzen bzw. Turnovers kreieren, bei denen höchstens noch der nähere Halfwall-Player etwas aushelfen kann.

Zwei Mann an der blauen Linie – so wie früher – sind aufgrund der größeren Schuss-Distanzen bzw. des weit verbesserten Shotblockings kaum mehr eine Option.

Die Fünf-Mann-Units:

Net (bzw. Down Low) Player:
Er muss das Spiel gut lesen können und er muss wissen, wann er sich hinter dem Tor aufhält, dort Pass-Optionen bietet, jeweils zu einer Halfwall aufrückt bzw. als zweite Option vor das Tor geht.

Slot Player:
Er soll einerseits für Verkehr vor dem Tor sorgen, andererseits jederzeit eine Schuss-Option bei Pässen von hinter dem Tor oder von der Seite sein, gleichzeitig als Trumpf noch die Half-Wall-Spieler managen.

Left bzw. Right Halfwall

Point Man:
Natürlich werden diese Positionen nicht statisch ausgefüllt, vor allem bei den beiden Spielern in der Mitte des Eises ist ein ständiges Kommen und Gehen Usus.

Meine beiden Units stellen die am meisten verwendeten Formationen dar, allerdings mit einem größeren Gewicht auf die Gegenwart. Ich blicke aber auch auf Eigenheiten zurück, die während der Saison besser oder weniger gut funktionierten.

Auch wichtig: Wie wirken sich Ausfälle (Nick Petersen, William Rapuzzi) auf das jeweilige Powerplay aus?

Die Auflistung erfolgt aufgrund der PP-Statistiken, anstelle von "gutem" oder "schlechtem" Powerplay (stets nur aufgrund der Statistiken bewertet) sind mir aber die Einzelteile wichtiger.

Black Wings Linz (1./24,5 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Da Silva Fejes
Slot: Lebler Florek
Left Halfwall: Umicevic Brucker
Right Halfwall: Schofield Kristler
Point: Roach Finn

Weiters im Powerplay im Einsatz: Rutkowski, Valach, McNeill, Kalus, Gaffal

Durch die Verletzungen von McNeill und Kalus ist die Besetzung etwas dünner geworden, Marco Brucker etwa sah zuvor keine PP-Zeit. Dafür fiel Valentin Leiler - manchmal Netfront-Player – aus der Rotation.

Josh Roach ist die unbestrittene Nummer eins an der blauen Linie, gehört zu den Besten seines Fachs in der Liga. Rutkowski und Valach bestritten auch etwas Arbeitsteilung, Finn ist jetzt aber im zweiten Unit gesetzt.

Lebler ist der wohl typischte Net-Front-Player der Liga, nimmt dem Goalie die Sicht, ist gut für Rebounds und Abfälscher. Große Bewegungen oder Pässe gibt es von ihm nicht. Der verletzte Kalus fehlt an der rechten Halfwall, McNeill agierte meist vor dem Tor.

Red Bull Salzburg (2./22,8 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Herburger Brickley
Slot: Raffl Huber
Left Halfwall: Hughes Holloway
Right Halfwall: Heinrich Kolarik
Point: Regner Joslin

Weiters: Pallestrang, Hari, Rauchenwald, Hochkofler

Durch die Verletzungen und Krankheiten der letzten Zeit wurden die Formationen durcheinandergewirbelt, im Idealfall stehen aber zwei starke Units zur Verfügung. Bei Vollbestand muss sogar ein Top-Crack zuschauen. Peter Hochkoflers Gastspiel im Slot war eine kurzfristige Beförderung eines "Big Bodys".

Im Gegensatz zum KAC verfügt Salzburg über ein großes Angebot an Rechtsschützen (fünf dieser zehn Spieler). Bud Holloway agiert von der linken Halfwall per One-Timer, Kolarik dagegen versucht von seiner Off-Side eher zur Mitte zu ziehen, um seine Schussposition zu verbessern.

Brent Regner und Dominique Heinrich können ihre Positionen fließend wechseln, Heinrich kann als Linksschütze aber von rechts besser schießen. Heinrichs Beinarbeit ist jedenfalls ein wesentlicher Faktor. Raffls Rückkehr im Slot und als Abnehmer für Herburgers und Hughes Pässe gibt eine weitere wichtige Option, Herburger ist stets in Bewegung und driftet auch gerne vor das Tor.

VSV (3./21,5 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Pollastrone Karlsson
Slot: Björkstrand Lahti
Left Halfwall: Reid Schmidt
Right Halfwall: Collins Ulmer
Point: Fraser Pöyhönen

Weiters: Cundari, Wolf, Maxa

Einige Cracks spielen ihre Positionen schon seit Jahren (Fraser, Reid), andere suchen sie auch jetzt noch. Pollastrone spielte oft auf der linken HW, auch Bjorkstrand war dort schon zu finden. Lahti setzt seine Körper vor dem Tor gut ein, fällt aber für jede Art von Finesse aus.

Mit Fraser und Cundari stünden zwei gute Point Man parat. Aber Schmidt an der linken Halfwall ist keine Idealbesetzung, Poyhönen eher ein braver Puckmover.

Reid war immer ein stationärer Schütze von der linken Seite, die Betonung heuer liegt aber mehr auf "stationär" denn "Schütze".

spusu Vienna Capitals (4./19,1 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Loney Rotter
Slot: Wall Baun
Left Halfwall: Holzapfel Zalewski
Right Halfwall: Olden Vause
Point: Flood Kichton

Weiters: Dorion, Wukovits

Kichtons Position wurde von Dorion eingenommen, ohne dessen Schusskraft natürlich. Beide waren auch schon nebeneinander zu finden, Kichton driftete dann auch auf die linke Seite.

Nach dem Aufrücken von Wukovits und der Rückkehr von Rotter in die PP-Formationen ist ein Mann zu viel, in Klagenfurt kamen daher elf Cracks zum Einsatz. Sogar Alex Wall, der die Rolle als Bumper vor dem Tor und zum Abfälschen von Schuss-Pässen sehr gut ausfüllte, fiel da zeitweise aus der Rotation.

Auch schon zuvor nahmen Holzapfel (beide Halfwalls) und Zalewski (außer dem Slot alle Positionen) mehrere Spots ein. Grundsätzlich ist das Wiener Powerplay ein sehr mobiles, der Mann an der blauen Linie wird mehr unterstützt und die beiden Halfwall-Spieler rotieren nicht ganz so weit nach unten wie bei anderen Teams.

HC Innsbruck (5./19 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Zajc Lattner
Slot: Spurgeon Guimond
Left Halfwall: Thörnberg Broda
Right Halfwall: Lammers Herbert
Point: Boivin Snuggerud

Weiters: Wachter, Kromp

Nur Legionäre in den beiden PP-Units. Wachter verlor im Laufe des Jahres seinen Platz aus der Vorsaison, wo er eine Wall-ähnliche Rolle im Slot spielte.

Boivin (neben Herbert der einzige Rechtsschütze) spielte auch öfters an der linken Halfwall, Guimond am Point. Vier etatmäßige Defender müssen erst untergebracht werden, Snuggerud war aber von Anfang an an der blauen Linie gesetzt.

Herbert und Broda agierten schon an beiden Halfwalls, Lammers ist rechts aufgrund seines Schusses gegeben. Ein richtiger Slot-Spieler fehlt.

Fehervar AV19 (6./17,7 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Girard Koger
Slot: Erdely Kuralt
Left Halfwall: Sarauer Szita
Right Halfwall: Yogan Timmins
Point: Campbell Tikkanen

Weiters: Reisz

Keine großen Änderungen nach dem Trainerwechsel – Yogan und Sarauer weiter von den beiden Halfwalls im Top-Unit, Erdely ist ein erstaunlich resistenter Spieler im Slot.

Mit Busenius, Caruso und dem nachverpflichteten Kaijomaa leistet sich Fehervar drei Defender, die im Powerplay keine Rolle spielen. Auch keine Chance mehr für den durchaus geschickten Bence Stipsicz, dessen Durchbruch weiter auf sich warten lässt. Campbell könnte bald auch zwei Minuten an der blauen Linie durchspielen, da Tikkanen keine aufregende Alternative darstellt.

Anze Kuralt – und natürlich Fehervar im Allgemeinen – vermisst heuer vor allem Jaros Hani, der ihn für seine One-Timer fütterte und keinen Nachfolger fand.

KAC (7./16,3 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Neal Kozek
Slot: Geier Manuel Ganahl
Left Halfwall: Koch Hundertpfund
Right Halfwall: Obersteiner Ticar
Point: Fischer Unterweger

Weiters: Comrie, Petersen, Haudum. Bischofberger

Nur drei Rechtschützen im engeren Kader (Fischer, Schumnig, Petersen), davon der langzeitverletzte Petersen der einzige Stürmer – das KAC-Powerplay rückt meist mit neun Linksschützen aus. Das führt oft zu einer gewissen Umständlichkeit und keinerlei One-Timer-Möglichkeit von der linken Halfwall.

Petersen fehlt vor allem durch seine Pässe in und durch den Slot von rechts – Koch rückte jetzt aus seiner jahrelangen rechten Position nach links, machte Ticar Platz, ist von dort aber weit weniger eine Schussoption als zuvor.

Im Gegensatz zur Vorsaison rückten Obersteiner und Unterweger ins Überzahlspiel – auf Comrie und dessen meisterschaftsentscheidenden Howitzer verzichten zu können, ist ein Luxus, den man sich erst leisten muss.

Graz99ers (8./14,2 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Hillding Garbowsky
Slot: Ograjensek Dodero
Left Halfwall: Hamilton Collberg
Right Halfwall: Oberkofler Oleksuk
Point: Johansson Setzinger

Weiters: Weihager, King

Das Powerplay war unter Doug Mason immer eine Grazer Waffe – bis heuer. Er probierte – von den Verletzungen abgesehen – fast alles, recht besser wurde es aber nie. Vor allem Dwight King mit seiner Möglichkeit, Down Low Gegner abzublocken, fehlt. Hamilton konnte links Matt Caito und dessen Backdoor-Fähigkeiten nie ersetzen, wabert jetzt auch zwischen den Positionen herum.

Kurios der Fall von Nachverpflichtung Charlie Dodero: Erst gar nicht berücksichtigt, soll er jetzt den Rammbock vor dem Tor geben. Er ist aber auch der einzige physische Spieler im Kader.

Hillding spielte schon fast alle Positionen, ebenso Oleksuk. Einzig Ograjensek (im Slot) und Oberkofler (rechts) sind meist gesetzt. Rechtsschütze Collberg fehlt weiterhin links.

Dornbirner EC (9/13,2 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Körkkö Romig
Slot: Magnan Tamminen
Left Halfwall: Rapuzzi Bau
Right Halfwall: Sointu Subban
Point: Ellerby Vainonen

Weiters: Gartner, Schnetzer, Häussle, Macierzynski, Trupp, Liss

Dornbirn ist offensiv die limitierteste Truppe der Liga – da kann man natürlich auch im Powerplay keine Wunderdinge erwarten. Vor allem die Ausfälle von Trupp und Rapuzzi im Saisonverlauf schmerzen da sehr, Rapuzzi war von der linken Halfwall aus sehr gefährlich.

Korkkö und Magnan im selben Unit, da ist der Raum hinter dem Tor meist verwaist. Magnan als Rammbock vor dem Tor wurde schon von Ex-Coach Dave MacQueen öfters probiert, nie mit Erfolg.

Keaton Ellerby kommt nach Jahren wieder einmal im Powerplay zum Zug. Subban, dem ich die Rolle am Point weit eher zugetraut hätte, agiert neben Vainonen von der rechten Seite, wurde als derzeit einziger Rechtsschütze(!) aber natürlich auch schon links probiert.

HC Znojmo (10./11,6 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Matus Bowles
Slot: Sedlak Stehlik
Left Halfwall: Luciani Svoboda
Right Halfwall: McRae Flick
Point: Tansey Boruta

Weiters: So gut wie jeder

Kein anderer EBEL-Coach wirft den Linienmixer so häufig an wie Miro Frycer – und das gilt auch für das Powerplay. Es gibt kaum eine Formation, die ich in meinen häufigen Besuchen in der Nevoga-Arena noch nicht gesehen habe.

Frycer verwendet gerne einen Defender als Rammbock vor dem Tore, Sedlak (jetzt verletzt), Stehlik, Tansey durften dafür schon herhalten. Sedlak, Tansey, Sova, Boruta und Miklis kamen aber auch an der blauen Linie zum Einsatz.

Svoboda und Luciani sind eigentlich an der linken Halfwall gesetzt – zeitweise kamen sie aber im selben Unit zum Einsatz und spielten fast aufeinander. Luciani rückte aber auch ab und an nach rechts.

HC Bozen (11./11 Prozent)

Position Spieler 1 Spieler 2
Net (Low): Hargrove Alberga
Slot: Bardaro Sylvestre
Left Halfwall: Insam Arniel
Right Halfwall: Giliati Miceli
Point: Wiercioch Flemming

Weiters: Robertson, Daly, Bernard, Catenacci, Frank

Für einmal stimmt der optische Eindruck mit den Statistiken überein – Bozen spielt das statischte Powerplay der Liga. Ein Aufschwung unter Neo-Coach Greg Ireland erfolgte auch nur in kleinen Dosen.

Ex-Coach Clayton Beddoes versuchte alles – teilweise verständlich (Hargrove enttäuschte auf allen Positionen), teilweise unverständlich (Insam im Slot, Defensiv-Verteidiger Robertson als Point Man). Ireland hat derzeit etwa zwölf Optionen für zehn Plätze, eigentlich talentierte Spieler wie Catenacci oder Miceli rotieren rein und raus.

Gesetzt sind Wiercioch/Flemming (beide aber nicht gerade schusskräftig) als Point Men, Insam/Arniel an der gewohnten linken Halfwall, Alberga als Net Player – der Rest rotiert wohl solange, bis ein echter Aufschwung eintritt. Wo Bozen nur mit einem durchschnittlichen Powerplay stünde?

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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